Das Ergebnis hätte nach dem Start bereits festgestanden: Überholmanöver präsentierten sich 2006 auf dem EuroSpeedway Lausitz spärlich gesät wie eh und je, selbst der Taktikkampf der Kommandostände brachte keine spektakulären Positionsverschiebungen hervor. Für diese sorgten an der Spitze vornehmlich Missgeschicke in der Boxengasse...

Ingolstädter Sackgasse

Ausgestattet mit einem Gewichtsvorteil von zehn Kilogramm sollte auf dem EuroSpeedway nach der traditionellen Hockenheimer Niederlage wieder einmal die erfolgreiche Audi-Revanche folgen. Dass dies auf dem eher als "Mercedes-Strecke" ausgemachten Lausitzer Kurs ein eher schwieriges Unterfangen würde, zeigte bereits das Qualifying: Mit Martin Tomczyk und Heinz-Harald Frentzen erlebten gleich zwei Abt-Audi-Piloten ihren vorzeitigen Feierabend nach der zweiten Qualifying-Session.

Jamie Green eroberte erneut die Pole Position - und ließ sie ungenutzt, Foto: Sutton
Jamie Green eroberte erneut die Pole Position - und ließ sie ungenutzt, Foto: Sutton

Mattias Ekström und Tom Kristensen hatten sich zwar in den ersten beiden Sessions konkurrenzfähig präsentiert, wurden jedoch vom Wetterpech ereilt: Die nach einem kurzen Regenschauer wechselenden Streckenbedingungen spielten den vier HWA-Piloten in die Karten, deren C-Klasse auf der feuchten Strecke in ihrem Element war. Jamie Green und Mika Häkkinen eroberten für die Stuttgarter die Doppel-Pole, Bernd Schneider präsentierte sich mit Platz vier hinter Ekström und vor Kristensen in Schlagdistanz.

Skandinavische Sackgasse

War Jamie Greens Fehlstart von Hockenheim noch technisch bedingt gewesen, so sorgte der Brite diesmal höchstpersönlich für den Positionsverlust: Zwar startete Green halbwegs passabel, nach einem Verbremser in der ersten Kurve ließen sich Häkkinen, Ekström und Schneider jedoch nicht zweimal bitten. Ein packendes skandinavisches Duell zwischen Häkkinen und Mattias Ekström war eröffnet - dass erfolgreiche Überholmanöver jedoch auch diesmal ausblieben, überraschte auf dem traditionell überholfeindlichen Kurs niemanden.

Der EuroSpeedway zeigte sich 2006 nicht von seiner überholfreundlichen Seite, Foto: Audi
Der EuroSpeedway zeigte sich 2006 nicht von seiner überholfreundlichen Seite, Foto: Audi

So bot sich bis zur ersten Boxenstoppphase die übliche Lausitzer Sonntagsprozession dar, die nach den ersten Boxenbesuchen nur bedingt aufgelockert wurde. Zwar wiederholte Green nach seinem ersten Stopp seinen Verbremser nach Start und Ziel und musste so auch Tom Kristensen passieren lassen. Im Kampf um den Sieg war dies jedoch unerheblich: Mika Häkkinen, dessen Glanz nach einer wenig konstanten zweiten Saisonhälfte 2005 wieder etwas verblasst war, schien bereits die Zielgerade auf dem Weg zum zweiten DTM-Sieg eingeschlagen zu haben, bis dem Finnen eine klemmende Radmutter beim zweiten Stopp einen Strich durch die Rechnung machte.

Als Profiteur präsentierte sich insbesondere Hockenheim-Sieger Bernd Schneider - nicht jedoch Mattias Ekström: Auch dem Schweden wurde der zweite Boxenbesuch zum Verhängnis. Hatte sich Ekström zwei Jahre zuvor noch über die zu geringe Restbenzinmenge und damit die Disqualifikation seines Widersachers Gary Paffett freuen können, so konnte bei dem Schweden selbst von einer Restbenzinmenge nicht mehr gesprochen werden: Zu wenig Benzin aus der Tankkanne war im Tank des A4 DTM gelandet, mit dem Sprit gingen dem DTM-Champion von 2004 auch die letzten Titelhoffnungen für 2006 zuneige.

Frentzen kämpfte beim zweiten Saisonlauf vornehmlich gegen Jahreswagen, Foto: Sutton
Frentzen kämpfte beim zweiten Saisonlauf vornehmlich gegen Jahreswagen, Foto: Sutton

Nachdem bereits den Futurecom-TME-Piloten Olivier Tielemans und Vanina Ickx ein markeninterner Fauxpas unterlaufen war, sorgten auch die Mercedes-Piloten für Friendly Fire: Der Versuch Greens, Häkkinen unter deutlichem Teileverlust Rang drei streitig zu machen, schien zwar zunächst erfolgreich. Was im Falle Ickx' jedoch die Rennleitung in Form einer Boxendurchfahrtsstrafe übernahm, erledigte der Mercedes-Kommandostand gleich selbst: Wenige Runden vor Schluss wurde der Brite auf Rang vier hinter Häkkinen zurückberufen, für den Platz drei dennoch nur ein Trostpreis sein konnte.

Tom Kristensen durfte sich über den erneuten zweiten Rang hingegen durchaus freuen - trotz zweier Siege Bernd Schneiders erwuchs der Däne mit nur vier Punkten Rückstand zum Titelanwärter. Von einer solchen Position konnten seine Teamkollegen nur träumen: Während Martin Tomczyk mit Rang acht wie schon im Vorjahr blass blieb, stellte Heinz-Harald Frentzen seinen A4 DTM in der Box ab. Der Mönchengladbacher war dem Abstimmungschaos über das ganze Wochenende hinweg nicht Herr geworden - und initiierte so seine wenig konstante Saisonperformance.

Mehr als der spätere Shootingstar Bruno Spengler, der sich schon im Qualifying mit Startplatz sieben selbst ein Bein gestellt hatte, wusste Alexandros Margaritis zu überzeugen: Mit Rang sechs bewies der 2005 noch wenig überzeugende Grieche, dass seine Hockenheim-Performance nicht mit einer Eintagsfliege gleichzusetzen war. Dass Bernd Schneiders zweiter Saisonsieg eine Zweitagsfliege blieb, brauchte den seither sieglosen Saarländer mit Blick auf das Meisterschaftsergebnis nicht zu stören...