DTM

Ohne Vettel und DTM? Sorge um deutschen Motorsport-Nachwuchs

Sebastian Vettels Zukunft ist ebenso ungewiss wie die der DTM. Potenzielle Worst-Case-Szenarios für den Nachwuchs-Motorsport in Deutschland.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Nach dem angekündigten Abschied von Ferrari Ende 2020: Wie geht es weiter mit Sebastian Vettel? Der vierfache Formel-1-Weltmeister war nach Michael Schumacher über viele Jahre hinweg das große Aushängeschild des deutschen Motorsports.

Sollte sich Vettel tatsächlich entscheiden, zum Saisonende seine F1-Karriere zu beenden, würde dieser Leuchtturm fehlen - und damit auch ein Vorbild für junge Nachwuchsfahrer, die dem großen Star nacheifern.

Nicht erst seit dem Vettel-Beben herrschen hierzulande Sorgen um die Rennfahrer von morgen. Sollte es mit der DTM nach dem Audi-Ausstieg nicht weitergehen, würde eine ebenso wichtige Plattform für Nachwuchssport wegfallen.

Auch Vettel begann einst seine Karriere im Rahmen der DTM-Wochenenden, angefangen bei der Formel BMW ADAC 2003 und 2004 sowie anschließend in der Formel 3 Euro Serie, in der der Heppenheimer 2005 und 2006 auf sich aufmerksam machte.

Scheider: Wo ist der deutsche Nachwuchs?

"Das ist momentan ein Manko: Wo ist der deutsche Nachwuchs", sagt der zweifache DTM-Champion Timo Scheider zu Motorsport-Magazin.com. Der heutige Sat.1-Experte setzte sich selbst aktiv für die Nachwuchsförderung ein und bot 2015 und 2016 jungen Talenten mit einem eigenen Team Einsatzmöglichkeiten in der ADAC Formel 4.

"Gibt es in Zukunft überhaupt noch Möglichkeiten, Deutsche irgendwo hinzubringen und wie soll das finanziert werden", fragt Scheider. "Man muss jetzt behutsam schauen, wo sich Möglichkeiten ergeben, um auf einer ansprechenden Plattform Motorsport betreiben zu können. Früher hatten wir Zeiten, da hat Bernie Ecclestone gesagt: 'Bringt mir einen Grünen, Gelben oder Schwarzen, aber ja keinen Deutschen mehr'..."

Timo Scheider: So einen Abschied hat die DTM nicht verdient: (19:04 Min.)

16 Formel-1-Fahrer aus dem DTM-Umfeld

Aktuell stellt sich die Situation anders dar: Mit Vettel startet 2020 nur noch ein Deutscher in der Formel 1. Im Formel-2-Unterbau ist Mick Schumacher aktuell der einzige deutsche Nachwuchsfahrer. Zeiten wie 2010, als mit Michael Schumacher, Vettel, Nico Rosberg, Nico Hülkenberg, Adrian Sutil, Timo Glock und Nick Heidfeld gleichzeitig sieben Deutsche in der F1 antraten, sind längst vorbei.

Hier nahm die DTM-Plattform in den vergangenen Jahrzehnten eine enorm wichtige Rolle ein. Dem Rahmenprogramm der Tourenwagenserie entsprangen 16 Fahrer des aktuellen Starterfeldes in der Formel 1. Stars wie Lewis Hamilton, Max Verstappen, Charles Leclerc, Valtteri Bottas, Esteban Ocon oder Lando Norris verdienten sich ihre Sporen in der F3 Euro Serie respektive der Formel-3-Europameisterschaft, die seit 2003 einen Großteil ihrer Rennen zusammen mit der DTM austrugen.

Weitere DTM-Rahmenserien, allen voran der Porsche Carrera Cup Deutschland, brachten über die Jahre hinweg Profi-Rennfahrer hervor, darunter die heutigen DTM-Piloten Rene Rast, Philipp Eng oder Mike Rockenfeller. Rennsport-Größen wie Christian Menzel, Frank Stippler oder Uwe Alzen empfahlen sich über den Markenpokal für DTM-Cockpits.

18 Siege: Sebastian Vettel dominierte 2004 die Formel BMW ADAC mit Mücke Motorsport - Foto: Sutton

Rast: Traurig, wenn das alles wegbrechen würde

"Ich bin damals Formel BMW gefahren, Polo- und Seat-Cups, die Porsche-Markenpokale und GT3-Serien - und das immer mit dem Ziel, es irgendwann in die DTM zu schaffen", sagt der zweifache und amtierende DTM-Champion Rene Rast zu Motorsport-Magazin.com. "Was hätten die jungen Nachwuchsfahrer heute abgesehen von der Formel 1 als Ziel, wenn es die DTM nicht gäbe? Es wäre traurig, wenn das alles wegbrechen würde."

Rast widmete sich zuletzt ebenfalls dem deutschen Motorsport-Nachwuchs und engagiert sich in der ADAC Stiftung Sport. Mit der ADAC Formel 4 hat der zweitgrößte Automobilklub der Welt eine Plattform für ambitionierte Talente geschaffen, doch mit dem Wegfall der F3-Europameisterschaft und dem vorzeitigen Aus der angestrebten Nachfolgeserie Formula European Masters ist hierzulande ein wichtiger Zwischenschritt in der Formel-Leiter weggebrochen.

"Deutscher Motorsport ist wichtig, Nachwuchsförderung ist wichtig. Gerade in dieser Zeit sollten alle Kräfte gebündelt werden, damit das nicht stirbt", appelliert Rast.

Zurück zu den Wurzeln: Letzte Rettung für die DTM?: (36:25 Min.)

Schumacher: Ein Riesenproblem

In die gleiche Kerbe schlug auch der frühere Formel-1- und DTM-Fahrer Ralf Schumacher, der selbst seit einigen Jahren ein erfolgreiches Nachwuchsteam in der ADAC Formel 4 betreibt und längere Zeit als Schirmherr des ADAC Kart Masters tätig war.

Schumacher zu Sport1: "In Deutschland tut sich der gesamte Motorsport schwer. Ich rede seit acht Jahren davon, dass wir ein Riesenproblem haben. Das fängt schon im Kartsport an: Wir haben kaum noch Strecken, die Kartfahrer werden immer weniger. Wenn ich keine Setzlinge habe, habe ich am Ende des Tages auch keine Bäume. Das ist jetzt das, was uns passiert."


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