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DTM / Kolumne

Manuel Reuter: Extrem-Situation in der Lausitz

Nebel auf dem Lausitzring stellte den Zeitplan auf den Kopf und die Fahrer vor eine große Herausforderung. DTM-Experte Manuel Reuter erklärt die Problematik.
von Manuel Reuter

Motorsport-Magazin.com - Das Rennwochenende auf dem Lausitzring war wegen der Wetterbedingungen eine Extrem-Situation. Ein kurzer Rollout am Freitag, samstags nur 15 Minuten Training statt der üblichen zwei Stunden - und dann sofort rein ins Qualifying. Für Fahrer und Teams war es sehr schwierig, in der kurzen Zeit die richtige Herangehensweise zu finden. Sie konnten in dieser Viertelstunde ja nur ein, zwei Runs fahren, bevor es in der Qualifikation ernst wurde und anschließend das Auto der Parc-fermé-Regelung unterlag.

In dieser kurzen Zeitspanne gab es so viel zu beachten: Fahre ich das Training mit viel oder wenig Sprit? Stelle ich mich nur aufs Qualifying ein, oder schaue ich lieber, wie mein Auto im Renntrim funktioniert? Wie wird das Wetter im weiteren Verlauf des Wochenendes? Also unheimlich viele Faktoren, die entschieden und umgesetzt werden mussten.

Schwierige Bedingungen am Lausitz-Wochenende der DTM - Foto: BMW AG

Schmaler Grat

Auch das Training selbst war ein schmaler Grat auf der feuchten Strecke. Die Jungs mussten ihr Auto sofort am Limit fahren um herauszufinden, ob alles funktioniert. Es war ganz schwierig, ein Gefühl dafür zu bekommen, was am besten ist. Vor allem weil nur 30 Minuten Zeit für Änderungen blieben, bevor es ins Qualifying ging. Da wurde es nicht einfacher für die Fahrer, weil sie ihre Runden auf komplett neuen Reifen abspulten. Sie konnten sich aber nicht langsam herantasten, sondern mussten schnell gute Rundenzeiten setzen - sonst war der Reifensatz irgendwann im Eimer.

Trotz der schwierigen Bedingungen haben wir gesehen, dass die Abstände wieder mal im Hundertstelbereich lagen. Das zeigt einmal mehr die hohe Qualität der DTM-Fahrer - die können aus dem Stand heraus 100 Prozent Leistung im Auto abrufen. Natürlich gehörte auch etwas Glück dazu. Zum einen musste das Auto zu den Bedingungen passen, zum anderen gab es Unterbrechungen durch rote und gelbe Flaggen. Es war nicht einfach, zum richtigen Zeitpunkt auf der Strecke zu sein und alles auf den Punkt zu treffen.

Pascal Wehrlein feierte seinen ersten DTM-Sieg - Foto: Mercedes-Benz

Ganz schnell im Niemandsland

Die ganze Problematik sieht man am Beispiel von Martin Tomczyk. Martin hatte im Training technische Probleme und konnte überhaupt nicht fahren. Und deshalb ist es viel zu kurzsichtig zu sagen, dass der ja keine Leistung mehr bringt, weil er im Qualifying hinten stand. Das ist das extrem Komplexe an der DTM: Wenn es nicht wirklich läuft, bist du ganz schnell im Niemandsland. Das kann sich kaum einer vorstellen, aber es müssen eben unheimlich viele Faktoren zusammenspielen, um im Qualifying vorne zu stehen. Und um auf Martin zurück zu kommen: Er ist trotz einer unverschuldeten Kollision mit Dreher ein Mega-Rennen gefahren und auf P8 ins Ziel gekommen.

Ich habe mich nach dem Rennwochenende in der Lausitz mit den Fahrern unterhalten. Sie haben unisono gesagt, dass ein Zeitplan entwickelt werden sollte, der bei solch einer extremen Situation eine bestimmte Mindestzeit an Training vorsieht und es eine gewisse Zeitspanne bis zum Beginn des Qualifyings geben sollte. Hier sollten für den Fall der Fälle zumindest einige Parameter fixiert werden. Als nächstes geht es nach Zandvoort, das berühmt ist für seine Wetterkapriolen. Nicht auszuschließen, dass dort wieder etwas Ähnliches passiert wie auf dem Lausitzring.

Euer Manuel Reuter


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