DTM

Neuerungen bewähren sich - Barcelona-Test - Nachbetrachtung

Die DTM hat ihren Aufgalopp mit einem viertägigen Test in Barcelona hinter sich gebracht. Motorsport-Magazin.com blickt auf die Testwoche zurück.
von Heiko Stritzke

Motorsport-Magazin.com - Vier Tage lang testeten die drei DTM-Hersteller Audi, BMW und Mercedes-Benz auf dem kurzen Kurs in Barcelona. Im Fokus standen dabei vor allem das neue DRS und der Option-Reifen - beide Neuerungen sollen die Rennen spannender gestalten. Auch die Rookies bekamen eine ausführliche Gelegenheit, sich mit ihren Arbeitsgeräten für die Saison anzufreunden. Motorsport-Magazin.com wirft den Blick zurück: Wie wurden die neuen Features aufgenommen? Wer stach beim Test heraus? Wie schlugen sich die Rookies? Wir haben die Antworten.

DRS: Nicht wie F1, aber spürbar

Das Drag Reduction System ist zusammen mit dem Option-Reifen das Utensil, das mehr Überholmanöver garantieren soll. Doch Vorsicht ist geboten: In der Formel 1 steht die Überholhilfe teils stark in der Kritik mit der Begründung, dass das Überholen zu einfach geworden sei. Genau darauf haben die Verantwortlichen geachtet: Es soll ein Effekt entstehen, der aber nicht so deutlich wird, dass der Vordermann keine Chance mehr hat. Es scheint sich zu bewahrheiten, dass die 15 Grad Verstellung den gewünschten Effekt bringen.

Eine klare Aussage zu treffen, ist schwierig, weil sich die Bedingungen auf der Strecke immer wieder stark verändert haben.
Rockenfeller zum Option-Reifen

"Der Effekt wird nicht so groß sein wie in der Formel 1 und das Überholen nicht leicht. Aber DRS wird beim Überholen helfen", bestätigte Audi-Neuzugang Jamie Green. Champion Bruno Spengler spürte den Unterschied beim Hochschalten: "Es ist wirklich spürbar, dass man früher hochschalten kann und der Top-Speed auf der Gerade höher ist." Grundsätzlich steht das Fahrerlager dem DRS positiv gegenüber, wenn auch in unterschiedlichem Maßstab: Während Edoardo Mortara die Überholhilfe "richtig gut gefallen" hat, spricht Mattias Ekström lediglich davon, dass ein richtig eingesetztes DRS seinen Teil zu einem engen Feld beitragen werde.

Der Option-Reifen: Schneller und haltbar

Die zweite technische Neuerung stellt der Option-Reifen da. Der neue Reifen soll nach Wünschen der Organisatoren 1,0 bis 1,5 Sekunden schneller pro Runde sein. Ein Satz steht jedem Fahrzeug pro Rennen zur Verfügung, es obliegt den Teams, wann er eingesetzt werden soll. Die Strategie wird somit wichtig, denn nun gilt es, den weichen Reifen dann einzusetzen, wenn man freie Fahrt hat. Die Fahrer sind sich einig darüber, dass der Option-Reifen das Feld kräftig durcheinanderwürfeln und so zu mehr Überholmanövern führen wird, doch noch herrscht Unklarheit über den wirklichen Effekt.

So hält Mike Rockenfeller nach dem Barcelona-Test fest: "Eine klare Aussage zu treffen, ist schwierig, weil sich die Bedingungen auf der Strecke immer wieder stark verändert haben." Hinzu kommt, dass der neue Reifen zum ersten Mal ausprobiert wurde und die Teams noch lernen müssen, das Maximum aus dem Pneu herauszuholen. Timo Scheider jedenfalls will am liebsten nur noch auf dem Option-Reifen fahren: "Anschließend möchte man eigentlich gar nicht mehr auf den Standardreifen zurückwechseln." Angst vor einem stark abbauenden Reifen muss man aber nicht haben: "Der Option-Reifen ist schnell und recht konstant", hielt Andy Priaulx fest.

Die schnellsten Piloten

Timo Glocks erste Ausfahrt verlief überaus erfolgreich - Foto: DTM

Natürlich stand die Zeitenjagd nicht unbedingt im Vordergrund, ein Klassement gab es am Ende doch, bei dem sich herausstellte, dass die schnellsten Zeiten am Mittwoch gefahren wurden. Gary Paffett holte sich mit einer Zeit von 1:06.149 die Bestzeit; Augusto Farfus (+0,028) und Timo Glock (+0,066), die insgesamt auf Platz zwei und drei kamen, fuhren ihre schnellsten Runden ebenfalls am zweiten Tag. Die Bestzeit am Dienstag ging an Robert Wickens. Die 1:06.735 zeigt, dass auch schon am ersten Tag ordentlicher Grip herrschte.

Am Donnerstag wurden die Zeiten etwas langsamer: Jamie Green fuhr die schnellste Runde in 1:07.171 Minuten. Die meisten Teams tauschten an diesem Tag ihre Fahrer und verzichteten daher auf den Option-Reifen. Beachtlich zeigte sich Pascal Wehrlein beim Debüt: Er fuhr die zweitschnellste Zeit. Das wiederholte er dann auch am dritten Tag, allerdings auf höherem Niveau: BMW-Pilot Marco Wittmann holte sich die Bestzeit am letzten Tag in 1:06.451, der viertschnellsten Zeit des gesamten Tests, während Wehrlein auf 1:06.687 kam.

Die Rookies

Am beachtlichsten ist natürlich die Bestzeit von Marco Wittmann am letzten Testtag. Doch es muss relativiert werden, dass Option-Reifen und DRS zusätzlich zur Spritladung zwei weitere Unsicherheitsfaktoren mit sich bringen. Dennoch, die viertschnellste Zeit von allen muss man erst einmal fahren, Wittmann hinterließ Eindruck. Ebenso Pascal Wehrlein, der zwei bärenstarke Tage hinlegte und zweimal in den Zeitlisten auf der zweiten Position auftauchte. Das ist auch deswegen beeindruckend, weil er erst am letzten Wochenende noch in einem Formel-3-Auto saß und sich komplett umstellen musste.

Der Effekt wird nicht so groß sein wie in der Formel 1 und das Überholen nicht leicht.
Green zum DRS

Mit der dritten Position zeigte auch Timo Glock, dass er in seinen Jahren beim Formel-1-Hinterbänklerteam Marussia das Fahren nicht verlernt hat. Als insgesamt Drittschnellster war er der beste der Rookies. Ebenfalls einen dritten Platz schaffte am ersten Tag Daniel Juncadella, der an beiden Tagen unter 1:07 fuhr. BMW-Testfahrer Maxime Martin durfte nur einmal ran und wurde Zehnter. Die Rookies haben jedenfalls gezeigt, dass sie ganz sicher nicht hinten rausfallen und ihre Berechtigung haben.

Die fleißigsten Piloten

Die meisten Runden spulten die BMW-Chauffeure ab, die sogar Testfahrer Maxime Martin mit an den Start schickten. Marco Wittmann krönte sich mit 398 Runden zum Testkönig, knapp gefolgt von Joey Hand mit 397. Mit Dirk Werner (354) war ein weiterer BMW-Pilot am drittfleißigsten. Erst danach folgt mit 346 Runden der erste Audi in Form von Timo Scheider; Pascal Wehrlein liegt als fleißigster Sternenfahrer mit 338 Runden noch knapp hinter Andy Priaulx (339).


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