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DTM / Analyse

Aggressivität trifft Nervosität - Analyse: Die Rookies am Hockenheimring

Die fünf DTM-Rookies zeigten sich beim Auftakt am Hockenheimring von verschiedenen Seiten: Enttäuscht, nervös, unzufrieden, glücklich - und einer ohne Funk.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Die DTM-Saison befindet sich wieder in vollem Gange, das erste Rennen des neuen Jahre ist Vergangenheit. Beim Auftakt am Hockenheimring sicherte sich Bruno Spengler den Sieg vor Mattias Ekström und Ralf Schumacher. Drei DTM-Größen, die seit geraumer Zeit zum Inventar gehören. Doch wie sieht es mit den Neuen aus? Fünf Rookies gingen auf der badischen Rennstrecke zum ersten Mal in der Tourenwagenserie an den Start. Motorsport-Magazin.com erklärt, wie sich die Newcomer geschlagen haben.

Mercedes

Christian Vietoris:Der Junge Sterne AMG Mercedes-Starter schaffte es bei seiner DTM-Premiere auf den 13. Platz - das beste Resultat der fünf Neuen. Ein besseres Ergebnis wäre durchaus möglich gewesen, denn Vietoris war vom neunten Rang aus ins Rennen gegangen. Doch gleich beim Start verlor der Gönnersdorfer viele Positionen. "Ich bin wohl zu defensiv gefahren. Das hat mich einige einige Plätze gekostet", gab er im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com zu.

Christian Vietoris erzielte das beste Resultat der fünf Rookies - Foto: DTM

Im Verlaufe seines ersten Rennen fasste Vietoris dann mehr Mut und schlug sich beherzt im Mittelfeld herum. Ein wenig zu beherzt, als er in der Spitzkehre ein regelwidriges Überholmanöver beging und dafür eine Durchfahrtstrafe kassierte. Ein gutes Debüt des 22-Jährigen, der sein Potential während des gesamten Wochenendes aufblitzen ließ und selbst feststellte: "Da ist noch Luft nach oben."

Renger van der Zande:Lediglich ein Fahrer beendete das erste Saisonrennen nicht über die volle Distanz - es war ausgerechnet Rookie van der Zande. Die Safety-Car-Phase wurde dem 25-Jährigen zum Verhängnis: Beim Restart war er zwar gut weggekommen, kollidierte dann jedoch mit einem Auto vor ihm. Die Verankerung der Motorhaube seines Mercedes löste sich und dann flog die Haube weg. In Runde 30 musste er seinen Boliden in der Box abstellen.

Ärgerlich, denn van der Zande war vom elften Platz in sein erstes DTM-Rennen gestartet und wusste während des Qualifyings zu überzeugen - von einem Abflug einmal abgesehen. Man merkte van der Zande während des Rennens noch die ein oder andere Unsicherheit in der C-Klasse an, doch was sollte man anderes von einem Rookie erwarten. Einen kleinen Push erhofft er sich für sein zweites Rennen: In zwei Wochen geht es in die heimischen Gefilde nach Zandvoort.

Renger van der Zande beendete das Rennen ohne Motorhaube - Foto: Sutton

Audi

Edoardo Mortara:Gerade ein Rookie braucht die Unterstützung des eigenen Teams noch mehr als die etablierten Piloten. Das bekam Mortara am Hockenheim bitter zu spüren: Der Audi-Pilot hatte während des Rennens arge Kommunikationsprobleme: Sein Funk setzte kurz nach dem Start aus und so war er mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Dies wurde besonders prekär, als das Safety Car auf die Strecke einbog, denn der Italiener wusste schlichtweg nicht, wann er seinen zweiten Boxenstopp absolvieren sollte.

"Während des Rennens braucht man einfach ständig Informationen zum Rennverlauf, die ich alle nicht bekommen habe", stellte er nach dem Rennen nüchtern fest. Dabei hatte er, von P10 gestartet, lange Zeit ein ansehnliches Rennen abgeliefert und sich tapfer mit dem heranstürmenden Gary Paffett duelliert. Mortara war sogar der Meinung, dass er in die Punkte hätte fahren können: "Ich war nach meinem ersten Boxenstopp vor Jamie Green und hätte diese Position halten können, Achter wäre ich also bestimmt geworden."

Filipe Albuquerque bei seinem DTM-Debüt - Foto: DTM

Filipe Albuquerque:Während der Freien Trainings hatte der Audi-Rookie gute Zeiten gefahren, doch beim Qualifying war der Speed weg: Nur Platz 15 für den Team Rosberg-Piloten. Beim Rennen dann zunächst wieder ein Aufwärtstrend: Gleich beim Start machte der Portugiese einige Positionen gut, verlor diese dann aber wieder im Verlauf des ersten Rennabschnittes. Dazu kam auch noch eine Kollision kurz vor seinem ersten Boxenstopp - Albuquerque sollte die raue Tourenwagen-Welt nicht nur einmal kennen lernen.

Ausgerechnet Rookie-Kollege Vietoris rasselte etwas übermotiviert in den A4 DTM Portugiesen und drehte ihn auf dem Asphaltband. Zu diesem Zeitpunkt war das Rennen natürlich gelaufen, er fuhr als Letzter über die Ziellinie. "Immerhin - ich habe das Rennen beendet, es war ein sehr hartes Rennen", fand er nach der Zielflagge auch positive Aspekte. Eines war ihm während des Rennens aufgefallen: "Wir brauchen mehr Speed."

Rahel Frey im auffallenden A4 DTM - Foto: Audi

Rahel Frey:Die Nervosität war der Schweizerin während des gesamten Wochenendes anzusehen. "Ich konnte vor dem Rennen nicht einmal ein paar Stunden schlafen, wofür ich normalerweise bekannt bin", gestand die 25-Jährige schüchtern. Die Unsicherheit zeigte sich dann auch während des Rennens. Frey vermied die harten Duelle, sondern versuchte eher, ihren Audi heil über die Ziellinie zu bringen und weitere Erfahrung zu sammeln. Als 15. kam sie schließlich an und gab zu, sich noch zu viele Fahrfehler zu leisten. Schon beim Start hatte sie den Motor abgewürgt - das wird ihr mit steigendem Selbstvertrauen in Zukunft bestimmt nicht mehr passieren.

Angesprochen auf ihr größte Schwäche, stellte Frey fest, dass sie aggressiver werden muss. "Ich bin immer noch zu vorsichtig, ich muss gleich 100 Prozent Druck machen", erkannte sie nach zaghaften In- und Outlaps. Immerhin: Das erste, kleine Etappenziel in ihrem Rookie-Jahr meisterte sie: Das Rennen zu Ende gefahren und wertvolle Erfahrung gesammelt.