Wie läuft die Vorbereitung auf die Dakar im Bezug auf die Routenplanung?
Dirk von Zitzewitz: Im November haben wir eine teaminterne Navigationswoche gemacht. Wir Co-Piloten bei Volkswagen haben uns fünf Tage mit einem weiteren Kartenspezialisten zusammengesetzt und haben versucht, die mageren Informationen und Anhaltspunkte, die es gibt, auf Karten zu bringen. Natürlich versuchen wir auch, unsere ganzen Erfahrungen einzubringen. Wir sind ja alle selbst schon mehrere male mitgefahren und haben auch alte Roadbooks und Daten. Wir wollen uns zum einen selbst eine Vorstellung der Strecke geben und außerdem den Fahrer darauf vorbereiten, was ihn erwarten könnte. Aber vor allem müssen wir dem Team eine Idee vom Streckenverlauf und den Beschaffenheiten geben, damites die Möglichkeit hat, in Sachen Technik zu planen. Beispielsweise wie viel Diesel wir brauchen, wie viel Reserveräder an welchen Tagen packen wir in den Race Touareg, welches Set-up und so weiter. Zusätzlich hilft es mir und auch meinen Kollegen, unheimlich, wenn wir uns intensiv mit der Strecke auseinandersetze und alte Erinnerungen auffrischen. Du sitzt zusammen mit fünf Leuten, die alle schon mal mitgefahren sind und da hat immer irgendeiner eine Idee. Das ist viel einfacher, als wenn du im Rennen bist und dir erst dann überlegst: "War ich hier schon mal?". Die Zeit hast du gar nicht.
Zu Weihnachten gibt es normaler Weise konkretere Informationen von der ASO. Das heißt, dass die Karten, die schon bekannt sind, noch weiter aktualisiert werden. Die Strecke wird etwas präziser eingezeichnet, der erklärende Text ein bisschen genauer und demnach können wir unsere Route optimieren. Worum es bei der Vorbereitung auch geht, ist schon Karten für das Rennen vorzubereiten. Du hast, wenn du bei der Dakar bist, nicht die Zeit, Karten zu produzieren. Deshalb ist es für uns so wichtig die Strecke schon möglichst früh möglichst genau herauszufinden.

Bleibt denn wirklich alles so gleich, dass man es nach Jahren wiederholen kann?
Dirk von Zitzewitz:Nein, es verändert sich natürlich. Aber das ist ja die große Kunst, das dann wieder zu erkennen und sich dann zurechtzufinden. Deswegen ist auch Erfahrung so wahnsinnig wichtig bei der Rallye Dakar. Die Strecke ist zwar jedes Jahr anders gesteckt, aber es gibt nicht 100.000 Wege von Europa nach Dakar. Es wiederholt sich immer wieder mal etwas. So versucht man das zusammen zu puzzeln. Man fühlt sich dann auch wieder mehr im Thema, und man fühlt sich besser, weil man weiß, was einen erwartet. Bei manchen Etappen wird man natürlich auch nervöser, weil man erkennt, dass man wenig bis gar nichts weiß.
Wie bereitest du dein Roadbook vor?
Dirk von Zitzewitz:Wir haben so ein kleines Extrazelt mit Tischen und Bänken, in dem wir arbeiten können. Da gehe ich mein Roadbook durch. Jeder hat sein eigenes System, wie er sich verschiedene Informationen markiert, betont. Es geht darum, dass du im Auto, wen alles schnell gehen muss, alles was du brauchst besser findest und auch dem Fahrer schneller mitteilen kannst. Du versuchst heraus zu lesen, welche Informationen besonders wichtig sind. Welche mehr für dich wichtig sind, welche weniger für den Fahrer und du überlegst, was du ihm erzählst und was nicht. Ich benutze bis zu vier Farben, ich glaube, mein Kollege Michel Périn, der arbeitet sogar mit bis zu acht Farben. Da hat auch jeder seine eigenen Prioritäten. Ich würde sagen, ich habe da ein simpleres System. Ich versuche etwas eher fertig zu werden, um meinen Schlaf zu bekommen und fit zu sein. Er arbeitet in der Regel etwas länger, schläft etwas weniger und hat dafür ein anderes Roadbook. So hat jeder seine Wichtigkeiten.
Abends im Zelt gehe ich das Roadbook nochmals durch. Es gibt Stellen, an denen du in kurzer Zeit sehr viele Informationen hast und die übe ich wie ich sie meinem Fahrer erzähle, um zu merken, mit welchen Formulierungen ich ein Problem habe und was vielleicht missverständlich sein könnte. Es muss simpel sein und er muss es einfach verstehen. Ich kann dann nicht sagen "Da hinten nach der Hecke, da fährst du halb links, danach halb rechts und dann kommt da kommt ein Haus mit einem roten Dach und da fährst du dann vorbei!" Da wären wir schon Kilometer weiter. Du musst sagen "Das Gebäude - links". Ich muss herausfinden, welche Information er wirklich braucht und wie ich es einfach ausdrücken kann. Auch, dass ich Wörter finde, die für mich leicht sind. Ich rede englisch, aber bin nun mal kein Engländer. Da muss alles stimmen und er muss mich sofort verstehen. So habe ich das schon früher vor Arbeiten und Prüfungen gemacht, abends alles noch einmal durchzugehen.

Wie bereitest du dich im Punkto Fitness vor?
Dirk von Zitzewitz:Das ganze Jahr über mache ich meinen Ausgleichssport. Ich laufe ein bisschen und fahre Fahrrad. Ich fahre vor allem viel Motorrad, nicht auf der Straße zur Eisdiele, sondern ich fahre Moto-Cross und Enduro. Das habe ich als Sport jahrelang gemacht und das mache ich auch heute noch sehr viel. Das ist schon mal ein sehr gutes Fitnessprogramm. Seit Oktober habe ich das Laufen intensiviert und seit November mache ich, wenn ich zuhause bin, bis zu fünf Stunden Sport am Tag. Ich fange morgens mit dem Laufen an und gehe anschließend ins Fitnessstudio, wo ich spezielle Übungen mache. Zudem mache ich noch gezieltes Ausdauertraining. Das ist für einen Co-Piloten vielleicht eher etwas ungewöhnlich, viele machen deutlich weniger... Während des Rennens muss ich ja eigentlich nicht viel machen. Aber wenn du acht Stunden im Auto sitzt, bei den extremen Belastungen, bist du müde und k.o. Dann musst du vielleicht mal das Auto im Sand anschieben, freischaufeln oder das Reserverad tauschen. Wenn da die Kondition nachlässt, wirst du müde und die Konzentration wird schlechter.
Welche Rolle spielt die Fitness für dich?
Dirk von Zitzewitz:Ich möchte mir sagen können, ich habe alles dafür getan. Ich habe sicher mehr getan als andere. Dann gehe ich gut motiviert ins Rennen und habe ein gutes Gewissen. Ich will nicht ins Ziel kommen und mich ärgern, weil ich nicht gut genug vorbereitet war. Außerdem macht es mir Spaß, zu trainieren. Man weiß nie, was mal kommt. Mein Traum ist, vielleicht auch irgendwann einmal selber am Steuer zu sitzen. Dafür muss und will ich fit sein. Wenn eines Tages die Chance für einen Test kommt, will ich darauf vorbereitet sein. Außerdem ist mein Fahrer topfit und trainiert sehr viel. Da will ich neben ihm doch nicht wie eine dicke Pflaume aussehen…

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