Der neue S5 ist bereits seit 2024 auf dem Markt – und trotzdem stolpert man gedanklich noch immer über seinen Namen. Denn irgendwo im Hinterkopf ist er noch der S4. Audis zwischenzeitlicher Versuch, mit geraden Zahlen Elektroautos und mit ungeraden Verbrenner zu kennzeichnen, hat Spuren hinterlassen. Der S5 muss nun damit leben – und wir auch.

Doch ehrlich gesagt: Nach den ersten Kilometern ist das völlig egal. Denn mit schneebedeckten Gipfeln im Blick und über 1.564 Kilometer Asphalt unter den Rädern beginnt in den italienischen Alpen die eigentliche Geschichte dieses Autos.

Kapitel 1: Balance ist alles

Das letzte Mal bevor der Frühling startet, geht es für uns noch einmal hoch hinaus. Dorthin wo Schnee und Eis noch nicht geschmolzen sind. Den Witterungen entsprechend wird schon nach den ersten Kurven im Gebirge klar: Dieses Auto ist fahrdynamisch auf den Punkt abgestimmt und unfassbar ausbalanciert.

Das Fahrwerk arbeitet mit einer Selbstverständlichkeit, die man sonst eher aus höheren Fahrzeugklassen kennt. Es filtert schlechte Straßen weg, ohne je schwammig zu werden. Gleichzeitig bleibt es direkt, verbindlich, präzise. Der S5 lenkt neutral ein und bleibt stabil auf der Vorderachse. Demnach fühlt sich der Ingolstädter nie nervös an, aber auch nie träge. Er trifft diesen schmalen Grat zwischen Agilität und Souveränität bemerkenswert exakt.

Audi, S5, Limousine, Dachträger
Foto: Simninja

Kapitel 2: Traktion als Sicherheitsversprechen

In den Alpen entscheidet nicht die Leistung – sondern der Grip. Feuchte Passagen, kalter Asphalt, hier und da Schneereste. Bedingungen, bei denen viele Fahrzeuge plötzlich sehr vorsichtig werden, anhalten und über Schneeketten diskutieren, genügt im S5 ein Gangwechsel im manuellen Modus – und das Auto zieht stoisch weiter. Der quattro-Antrieb liefert Traktion wie im Überfluss. Man fährt durch Kehren, beschleunigt aus engen Kurven heraus und merkt: Hier greift alles ineinander.

Audi, S5, Limousine, Dachträger
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Kapitel 3: Der ehrliche Verbrauch

Am Ende der Tour stehen 10,7 Liter auf 100 Kilometer im Bordcomputer. Angesichts von 1.564 Kilometern, anspruchsvollen Pässen, permanenter Höhenarbeit und zusätzlichem Luftwiderstand durch die Dachbox ist das ein ehrlicher Wert.

Unter der Haube arbeitet ein 3,0-Liter-V6-Turbobenziner mit 270 kW (367 PS) und 550 Nm Drehmoment. Unterstützt wird er vom Mildhybridsystem, das kurzzeitig zusätzliche Leistung bereitstellt.

Audi, S5, Limousine, Dachträger
Foto: Simninja

Und der Sound? Der Auspuff liefert das, was man erwartet. Ein sauber abgestimmter Klang, ohne übertriebene Inszenierung. Wer jedoch nach lautstarken Klängen sucht, wird hier nicht fündig.

Kapitel 4: Innenraum ohne Drama

Auch innen bleibt der S5 seiner Linie treu – es herrscht die typische Audi-Atmosphäre: solide, fest, hochwertig verarbeitet. Nichts knarzt, nichts wirkt billig.

Die Sportsitze plus mit Lederbezug (2.535 Euro) bieten spürbar mehr Seitenhalt und Komfort auf langen Strecken. Gerade in Kombination mit der Memory-Funktion für Fahrersitz und Außenspiegel (205 Euro) zeigt sich der S5 hier angenehm alltagstauglich.

Audi, S5, Limousine, Dachträger
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Optisch setzen Dekoreinlagen in Carbon-Mikro-Köper-Struktur (390 Euro) und Applikationen in Vanadiumoptik (200 Euro) dezente, aber wirkungsvolle Akzente. Besonders auffällig: Die dunklere Oberfläche blendet viel weniger im Seitenspiegel als die hellen Materialien wie beispielsweise bei unserer Testfahrt im A6. Des Weiteren war das Ambiente-Lichtpaket pro (300 Euro) mit an Bord, das dem Innenraum gerade bei Nacht eine hochwertige Atmosphäre verleiht.

Technisch gibt es für 2.280 Euro das MMI experience pro-System für die Screens. Ergänzt wird das Ganze durch das Bang & Olufsen Soundsystem mit 3D-Klang (400 Euro), das vor allem auf langen Etappen für echten Mehrwert sorgt.

Audi, S5, Limousine, Dachträger
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Perfekt ist aber auch hier nicht alles: Der Klavierlack bleibt anfällig für Fingerabdrücke, die Steuereinheit in der Fahrertür wirkt nicht ganz auf dem Niveau des restlichen Innenraums. Das Beifahrerdisplay verliert im Alltag schnell an Relevanz – und auch die Massagesitze bleiben eher im Bereich „nett“ als „beeindruckend“.

Kapitel 5: Der Dachbox-Test

Dass der S5 Langstrecke kann, hat er bewiesen. In Sachen Kofferraumgröße wäre da aber noch etwas Luft nach oben für ein Auto dieser Klasse. Dafür hat der Ingolstädter aber ein Trägersystem auf dem Dach, welches sofort überzeugt: stabil, durchdacht und schnell montiert.

Audi, S5, Limousine, Dachträger
Foto: Simninja

Optisch vielleicht nicht die schönste Lösung, aber dafür gibt es in im Design anpassbare Leuchtgrafiken der Scheinwerfer sowie glanzgedrehte Sport-Vielspeichen-Räder in schwarzmetallic (1.740 Euro). Das Exterieurpaket „schwarz“ (910 Euro) und die Lackierung in „Ascariblau Metallic“ (1.400 Euro) ergänzen den Look.

Audi, S5, Limousine, Dachträger
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Fazit

Der Audi S5 ist ein schönes Auto, Nomenklatur hin oder her. Sein Auspuff klingt ordentlich, aber nicht brachial. Seine Lichtsignaturen sind individualisierbar, jedoch eher Spielerei als Notwendigkeit Mit einem Basispreis von rund 78.500 Euro und einem Testwagenpreis von knapp 97.000 Euro (allein das „Tech pro“-Paket kostet 6.150 Euro) zeigt sich: Viele der wirklich sinnvollen Extras liegen im Detail. Sie machen den Unterschied im Alltag – nicht auf dem Datenblatt. Ob man sie braucht, muss schlussendlich jeder für sich entscheiden.

Seine wahre Stärke liegt in der Kombination aus Fahrwerksqualität, Traktion und Langstreckenkomfort. In der Art, wie der S5 Technik unaufgeregt in Funktion übersetzt.

Alle weiteren Bilder zu unserer Testfahrt gibt es hier: