In China schossen in den letzten Jahren zahlreiche E-Autos von verschiedensten Herstellern aus dem Boden. Das Geschäft ist am Boomen: Viele Unternehmen schwenkten erst kürzlich auf die Autoproduktion um und produzierten bisher lediglich elektrische Haushaltsgeräte oder Mobiltelefone. Es war deshalb nur eine Frage der Zeit, bis Hersteller aus dem Reich der Mitte auch in Europa fußfassen. Da die gesamte Wertschöpfungskette chinesischer E-Autos laut einer Untersuchung der EU-Kommission stark subventioniert wird und dadurch eine Schädigung der Autoindustrie in der EU droht, führt man nun zusätzlich zu dem bisher geltenden Zollsatz von 10 Prozent, Strafzölle ein.

Auch BMW und Smart betroffen

Die Strafzölle gelten ab 04.07.2024 und sind vorerst auf vier Monate befristet. Danach soll die Situation neubewertet und ein weiteres Vorgehen final beschlossen werden. Die erhöhten Aufschläge betreffen die Hersteller aber nicht gleichermaßen. Für BYD werden beispielsweise vorläufig 17,4 Prozent fällig, für Geely mit 19,9 Prozent schon etwas mehr. Den höchsten Strafzoll muss derzeit SAIC mit 37,6 Prozent zahlen. Die chinesischen Hersteller bauen aber nicht nur unter ihren eigenen Marken E-Autos, sondern sind durch Joint-Ventures auch mit europäischen Autobauern vernetzt. So produziert Geely zum Beispiel in Kooperation mit Mercedes die neuen Smart-Modelle #1 und #3. Auch der Volvo EX30 stammt von Geely. SAIC baut weiters den MG4, der in Deutschland im Jahr 2023 insgesamt 13.263-mal zugelassen wurde und äußerst beliebt ist. Auch der BMW iX3 oder der neue Dacia Spring werden in China gefertigt und fallen unter den Aufschlag von 20,8 Prozent. Auch Amerikaner sind in China tätig: Der Strafzoll für das Tesla Model 3 beträgt ebenfalls 20,8 Prozent. Hersteller, die nicht mit der EU kooperieren, müssen den maximalen Satz von 37,6 Prozent zahlen.

Modelle wie der Smart #3 kommen ebenfalls aus China, Foto: Smart
Modelle wie der Smart #3 kommen ebenfalls aus China, Foto: Smart

Noch ungewisse Auswirkungen

Wie genau sich die Strafzölle auf die jeweiligen Modelle, Händler und Werkstätten auswirken, ist noch unklar. Experten, wie Bernard Lycke, Generaldirektor der europäischen Händlervereinigung CECRA, sind sich aber einig, dass sich die Aufschläge in den Fahrzeugpreisen widerspiegeln werden und auch auf die Verkaufszahlen Auswirkungen haben. Importe könnten demnach deutlich sinken. Deutsche Hersteller bereitet das Vorgehen der EU Sorgen, denn China ist der größte Automarkt der Welt und im Umkehrschluss auch für Audi, BMW, Mercedes sowie Volkswagen von enormer Bedeutung.