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Plug-in-Hybride: Der McLaren Artura und seine raren Mitstreiter

Der Artura ist McLarens zweite Plug-in-Hybrid. Wir vergleichen ihn mit seinen Konkurrenten von Ferrari, Porsche und Honda.
von Maximilian Lucas

Motorsport-Magazin.com - McLaren bringt in der ersten Jahreshälfte 2021 einen weiteren Sportwagen auf den Markt und ergänzt somit seine mittlerweile große Modellpalette an Supercars. Der brandneue Artura ist nach dem P1 das zweite Plug-in-Hybrid-Fahrzeug von McLaren Automotive.

Einzuordnen ist der Artura zwischen den McLaren-Modellen GT und dem 720S. Er bildet somit das Einstiegsmodell des britischen Sportwagenbauers. Das Besondere an dem Auto ist unbestritten die Plug-in-Hybrid-Technologie. Bis 2025 will McLaren übrigens alle Modelle elektrifiziert haben. Sieht man sich nun den Gesamtmarkt der sogenannten High-Performance-Hybrid-Klasse an, so findet man kaum ernstzunehmende Konkurrenten. Mit einem Preis von 226.000 Euro und einer Systemleistung von 680 PS, wäre hier der F8 Tributo von Ferrari für 228.000 Euro ein starker Mitbewerber. Das Manko: die 720 PS des Italieners gibt es nur als Verbrenner.

McLaren verbaut viel Carbon und Aluminium

Auf der neu entwickelten Kohlefaserplattform setzt eine Karosserie aus Aluminiumteilen auf. Diese einzelnen Bauteile sind dabei absichtlich groß gehalten und sorgen für eine deutliche Gewichtsreduktion des Wagens. Im Innenraum die Masse um zehn Prozent reduziert. Das lässt den Artura nur 1.395 Kilogramm wiegen und das trotz der eingebauten Hybridtechnik von rund 130 Kilogramm. Hier verschafft sich McLaren einen immensen Vorsprung gegenüber anderen Fahrzeugen. Vergleicht man den Artura mit dem NSX von Honda, so ist dieser Hybrid-Sportler gleich um satte 370 Kilogramm schwerer, obwohl die Japaner sehr viel Carbon verbauen.

Auch beim Antrieb ähneln sich McLaren und Honda. Beide gibt es mit einem V6 in Kombination mit E-Motoren. Im NSX ist es ein Biturbo mit 507 Pferdestärken und drei Elektroantrieben, die gemeinsam für zusätzliche 122 PS und insgesamt für ein Drehmoment von 550 Newtonmetern sorgen. Diese Performance bringen den Honda in 3,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Im McLaren sorgt eine höhere Systemleistung von 680 PS und 720 Newtonmetern für das Vorankommen. Die Basis bildet ein Dreiliter-V6-Motor mit 585 PS. Zusätzlich würde ein E-Motor mit 95 PS eingebaut. Wie beim NSX, schließt die E-Funktion das Turboloch. Der Engländer erreicht mit dieser die Marke von 100 km/h 0,5 Sekunden schneller. Wirft man einen Blick auf Porsche, so schafft der vollelektrische Taycan Turbo S die 100er-Marke in nur 2,8 Sekunden und das mit einem Leergewicht von über zwei Tonnen.

Minimalistisches Interieur zeichnet den Artura aus

Im Vergleich zum Porsche Taycan braucht der Artura keine drei Riesendisplays. Während der deutsche Autohersteller mit seinem Modell eher die Oberklassenlimousine im Sportwagensegment abbilden will, möchten die Engländer klar ein Supercar vorstellen. Aus diesem Grund wurde der Innenraum fahrerorientiert designt und McLaren verzichtet bewusst auf unnötige Luxus-Features. Das Lenkrad und das Armaturen-Display bilden fortan eine gemeinsame Einheit und lassen sich lediglich zusammen verstellen, um allen Fahrern die perfekte Sitzposition zu ermöglichen. Des Weiteren sind auch die neuen Clubsport-Schalensitze in diverse Richtungen bewegbar. Ein großer Pluspunkt, den man bei Konkurrenten oft vergeblich sucht. Große Menschen mit bis zu 1,95 Meter Größe sollen demnach bequem im Artura Platz nehmen können. Alle wichtigen Bedienelemente findet man direkt am Lenkstock. Für zusätzliches Infotainment sorgt ein vertikal platziertes Display in der Mitte des Innenraumes. Auf physische Tasten und Schalter wird fast zur Gänze verzichtet.

Bis zu 30 Kilometer rein elektrisch möglich

Der Hecktriebler Artura besitzt ein Achtgang-Doppelkuppelungsgetriebe, welches keinen mechanischen Rückwärtsgang mehr besitzt. Um rückwärts zu fahren, dreht der E-Antrieb einfach in die andere Richtung. Auch die Rekuperation wird automatisch genutzt und speist die fünf Batterie-Module, die sich unter den Vordersitzen befinden. Der McLaren besitzt vier verschiedene Fahrmodi. Die kraftvollsten heißen Komfort, Sport und Track. Daneben gibt es einen rein elektrischen Fahrmodus, mit dem bis zu 30 Kilometer und eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h möglich sein sollen. Hier sticht der Artura den knapp doppelt so teuren Ferrari SF90 aus. Dieser Mitstreiter schafft lediglich 25 Kilometer mit seinen Elektromotoren. Die Nase hat der Italiener aber unbestritten bei der Power vorne. Im E-Modus sind bis zu 135 km/h zu schaffen. Die Kombination von einem 780 PS starken V8, sowie drei Elektroantrieben, sorgen für fast 1.000 PS. Das sind rund 300 Pferdestärken mehr als im McLaren. Beim Topspeed von rund 340 km/h liegen beide Modelle beinahe gleich auf.

Zahlreiche Autobauer springen nach und nach auf den Elektro-/Hybrid-Trend auf und statten ihrer Sportler mit neuen Technologien aus. Der Artura ist mit seinem Plug-in-Motor ein eigenes Segment. Seine Vorteile sind der Preis und die Performance. In diesem Bereich haben andere Hersteller Aufholbedarf. Von unten schießen Porsche mit dem Taycan und der Polestar 1 hervor. Beide sind jedoch nicht im Segment der Supercars zu Hause.

Sieht man auf die höher angesiedelten Klassen, so findet man sich bei dem Ferrari SF90, dem möglichen Tesla Roadster 2 oder etlichen Hypercars wieder, die stark auf Hybrid-Antriebe setzen. Letztere sind jedoch preislich nicht unter einer Million Euro zu haben. Demnach bleibt wohl nur der Honda NSX als Mitstreiter mit ähnlicher Antriebsphilosophie. Dieser kann, trotz kürzlicher Updates, aber nicht mit dem McLaren Artura mithalten.