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24 h von Le Mans

24h Le Mans 2020: Ohne Kolles - Flörsch vor Debüt

Am Freitag wurde die Startliste zu den 24 Stunden von Le Mans veröffentlicht. Welche Geschichten zeichnen sich jetzt schon für den Sportwagen-Klassiker ab?
von Florian Niedermair

Motorsport-Magazin.com - Le Mans wirft seine Schatten voraus. Am Freitag veröffentliche der ACO die Starterliste zur 88. Ausgabe des 24-Stunden-Rennens. Im Gegensatz zum Rest der WEC, die mit zunehmend sinkenden Teilnehmerzahlen zu kämpfen hat, sind Startplätze beim wichtigsten Rennen der Serie noch immer heißbegehrt. 75 Einsatzmannschaften bewarben sich um die 62 Startplätze. Damit ist das Rennen eines der wenigen, das sich seine Teilnehmer aussuchen kann.

Die WEC-Teams, die erfolgreichsten Mannschaften aus der Asian Le Mans Series, der ELMS und der IMSA, sowie die Vorjahressieger haben einen fixen Startplatz. Darüber hinaus bestimmte ein Komitee anhand der Leistungen der Bewerber, wer für das Rennen zugelassen wird oder nicht. Aus diesem Prozess ergibt sich neben den 62 Startern eine Reserveliste, auf welcher zehn Mannschaften vertreten sind.

ByKolles Racing nur auf Reserveliste

Der wohl bekannteste Entry auf dieser Liste ist der LMP1-Wagen von ByKolles Racing. Das deutsche Privatteam nahm mit dem auf ENSO CLM P1/01 getauften Boliden zwischen 2012 und 2019 an der WEC teil, wenn auch ohne nennenswerte Erfolge. In dieser Saison entschied sich die Mannschaft rund um Colin Kolles gegen einen Antritt in der gesamten WEC-Saison. Dementsprechend verlor man auch den fixen Startplatz beim Endurance-Klassiker.

Auf der Reserveliste ist ByKolles auf der zweiten Position hinter dem GTE-Am-Ferrari des Schweizer Rennstalls Spirit of Race gereiht. Insgesamt stehen zehn Teams auf der Reserveliste. Darunter auch der LMP2-Einsatz von Jan Magnussen mit High Class Racing aus der ELMS. Auch auf der Liste vertreten sind ein GTE-Am-Porsche von Proton Competition und ein weiteres GTE-Fahrzeug von Team Project 1.

Reserveliste

Nr. Team Auto Klasse
55 Spirit of Race Ferrari 488 GTE Evo GTE-Am
04 ByKolles Racing Team ENSO CLM P1/01 Gibson LMP1
17 IDEC Sport Oreca 07 - Gibson LMP2
20 High Class Racing Oreca 07 – Gibson LMP2
78 Proton Competition Porsche 911 RSR GTE-Am
27 Dragonspeed USA Oreca 07 – Gibson LMP2
60 Iron Lynx Ferrari 488 GTE Evo GTE Am
23 Inter Europol Competition Ligier JSP217 - Gibson LMP2
89 Team Project 1 Porsche 911 RSR GTE-Am
96 D'station Racing Aston Martin Vantage AMR GTE-Am

Hyperpole: Das neue Qualifying-Format

Für das 88. 24-Stunden-Rennen an der Sarthe wurde das Qualifying-Format überarbeitet. Anstatt der drei Qualifying-Sitzungen wird die Qualifikation ab diesem Jahr in zwei Abschnitte unterteilt. Im 45-minütigen ersten Abschnitt, der am Mittwoch ausgetragen wird, fahren die gesamten Starter die Klassenposition von Rang 7 abwärts aus. Die besten sechs pro Klasse qualifizieren sich für ein zweites 30-minütiges Segment, welches am Donnerstag über die Bühne geht und die vorderen Positionen bestimmt.

Der Sportdirektor des ACO, Vincent Beaumesnil, erklärt den Grund für die Änderung folgendermaßen: "Die Idee ist den Zuschauern einen kurzen Zeitraum zu präsentieren, während dem die Teilnehmer Vollgas geben. In der Vergangenheit konnten wir nur ungefähr erahnen, wann die Teilnehmer auf einen schnellen Qualifying-Run gehen würden."

Flörsch im Frauenteam

In der LMP2-Klasse findet sich eine besondere Mannschaft. Der Oreca mit der Nummer 50 von Richard Mille Racing wird nur von Frauen gelenkt. Das Trio geht 2020 erstmals in der ELMS an den Start und macht in Le Mans einen Gastauftritt. Mit dabei ist auch Sophia Flörsch. Die Münchnerin war seit 2015 in diversen Nachwuchskategorien unterwegs und erlangte durch einen Horror-Unfall beim Macau Grand Prix 2018 weltweite Berühmtheit. Neben ihrem Sportwagen-Debüt in der ELMS ist Flörsch in der kommenden Saison auch im Rahmenprogramm der Formel 1 am Start, sie gibt ihr Debüt in der FIA Formel 3 und testet derzeit in Bahrain.

Das Le-Mans-Cockpit teilt sich Flörsch mit der erfahrenen Sportwagen-Pilotin Katherine Legge und der ehemaligen Formel-2-Fahrerin Tatiana Calderon. Ein reines Frauenteam ist keine Neuheit in Le Mans. Bereits 24 Mal waren rein weibliche Fahrerpaarungen an der Sarthe unterwegs. Zuletzt in der vorjährigen Ausgabe, als der GTE-Am-Ferrari von Kessel Racing von dem Trio Rahel Frey, Michelle Gatting und Manuela Gostner pilotiert wurde.

Eine Besonderheit bei der diesjährigen Ausgabe: Neben den vier Klassen ist auch noch ein sogenannter Garage-56-Entry dabei. Die beiden Querschnittsgelähmten Takuma Aoki und Nigel Bailly und Snoussi Ben Moussa, dessen linker Arm amputiert wurde, teilen sich einen speziell auf ihre Bedürfnisse angepassten LMP2-Oreca.


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