24 h von Le Mans

24H Le Mans - Technik: So hart werden die Bremsen rangenommen

Die 24 Stunden von Le Mans treiben auch die Bremssysteme an ihre Belastungsgrenzen. Brembo lieferte vor dem Start interessante Fakten.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Die 24 Stunden von Le Mans sind nicht nur für die Fahrer und ihre Boxencrews anstrengend, sondern treiben auch die Autos an ihre absoluten Grenzen. Man kann den Langstrecken-Klassiker getrost als Materialschlacht bezeichnen. Brembo gab Motorsport-Magazin.com wenige Stunden vor dem Start des Rennens Einblicke in die Belastungen, die auf Bremsen der Boliden in Le Mans zukommen.

Die Brake Facts zu den LMP1-Boliden in Le Mans - Foto: Brembo

Ein LMP1-Bolide, der das Rennen zu Ende fährt, kommt insgesamt auf über 4.000 Bremsmanöver. Wie in der Formel 1 sind die Prototypen von LMP1 und LMP2 auf Karbonbremsen unterwegs. Diese haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten massiv verbessert. Im Jahr 1999 konnte zum ersten Mal ein Auto die volle Renndistanz ohne einen Wechsel der Karbonscheiben absolvieren, mittlerweile kommen alle Autos der LMP-Klassen mit einem Bremssatz über die volle Renndistanz.

Von einst 37 Millimeter konnte die Dicke der Bremsscheiben auf mittlerweile 32 Millimeter verringert werden. Die Bremsbeläge schrumpften von 31 Millimeter auf 26. Über die volle Distanz werden von der Scheibe lediglich vier Millimeter abgefahren, die Beläge bauen zwischen acht und zehn Millimeter ab.

Karbonbremsen als Leichtgewichte

Das Gewicht einer Karbonscheibe für die LMP1 beträgt nur noch 2,7 Kilogramm, die Beläge kommen nur auf 300 Gramm pro Stück. In den vergangenen 20 Jahren konnte die Weiterentwicklung der Karbonbremssysteme somit rund 25 Kilogramm pro Auto einsparen.

Das Arbeitsfenster der Scheiben beträgt 350 bis 750 Grad Celsius und sollte 800 Grad nicht über einen längeren Zeitraum überschreiten. Ein Problem kann das vor allem bei defekten Hybridsystemen darstellen. Fällt die Rückgewinnung der Bremsabwärme komplett aus, werden diese zu heiß. "So etwas ginge vielleicht für zehn Runden gut, doch spätestens dann wird es zu Problemen mit der Bremswirkung kommen", erklärte ein Brembo-Ingenieur.

Aber auch zu geringe Temperatur stellt bei Karbonbremsen ein Problem dar. Bei längeren Betriebstemperaturen unter 350 Grad Celsius kommt es zu verstärkter Abnutzung des Karbons und einem veränderten Ansprechverhalten von Bremsbelägen und -scheibe.

GT-Klassen auf Stahlbremsen

In der GT-Klasse sind Karbonbremsen verboten, somit wird dort mit Stahlscheiben gefahren. Auch diese müssen mittlerweile nicht mehr gewechselt werden, da die Abnutzung in den vergangenen Jahren stark verringert werden konnte. Um auf Nummer sicher zu gehen, tauschen dennoch viele Teams gegen Ende der 24 Stunden von Le Mans die Bremssysteme aus.

Die Brake Facts zu den GT-Autos in Le Mans - Foto: Brembo

Ein derartiger Wechsel ist mittlerweile binnen 35 Sekunden möglich und kann daher während eines Tankstopps problemlos durchgeführt werden, ohne dass der Bolide zusätzliche Zeit an der Box verlieren würde. Im Vergleich zum Karbon der LMP-Autos sind die Stahlteile des GT-Bremssystems echte Schwergewichte.

Jede Scheibe kommt auf stattliche elf Kilo, die Bremsklötze schlagen noch einmal mit einem Kilogramm pro Stück zu Buche. Wie ihre Karbon-Pendants benötigen auch die Stahlscheiben eine Betriebstemperatur zwischen 350 und 750 Grad Celsius.


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter