Formel 1 - Fix: Kein FRIC-Einsatz in Hockenheim

Wer gewinnt? Wer verliert?

Keines der Formel-1-Teams setzt auf dem Hockenheimring das FRIC-System ein. Wer profitiert, wer verliert? Motorsport-Magazin.com hörte sich im Fahrerlager um.
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Motorsport-Magazin.com - FRIC oder nicht FRIC? Das war bis zum Donnerstagabend die Frage in Hockenheim. Nun ist klar: Keines der elf Formel-1-Teams wird das viel diskutierte Dämpfer-System am Wochenende des Deutschland Grand Prix einsetzen. Das bestätigte Jo Bauer, der Technische Delegierte der FIA nach der technischen Abnahme am Donnerstag.

"Ich kann bestätigen, dass keines der Autos in irgendeiner Weise mit dem Front-End-Aufhängungssystem ausgestattet ist", teilte Bauer mit. Damit ist klar, dass sich keines der Teams traute, einen möglichen Regelverstoß zu begehen, wenn ein anderes protestieren würde.

Die eine Frage vom Tisch, schon taucht die nächste auf: Wer profitiert am meisten von der Entfernung des komplizierten Systems, das dem Auto in jeder Situation eine optimale Position ermöglichen sollte? Erste Annahmen gehen davon aus, dass vor allem Mercedes geschwächt wird, hätten die Silberpfeile das FRIC doch am besten perfektioniert.

Verliert Mercedes wirklich durch den FRIC-Wegfall? - Foto: Sutton

Keine großen Veränderungen

Lewis Hamilton spielte die Geschichte zunächst einmal herunter. "Die Performance und das Fahrgefühl werden sich nicht arg ändern", sagte der Brite. "Natürlich wollen wir immer etwas verbessern, auch wenn es nur eine halbe Zehntel bringt. Und das FRIC ist genauso ein System, das nur minimale Veränderungen bringt, aber aus Optimierungsgründen entwickelt wurde." Das Setup der Autos müsse nun ein wenig angepasst werden, doch darauf habe man sich schon im Simulator vorbereiten können, so Hamilton.

Auch die Konkurrenz glaubt nicht, dass die FRIC-Absenz nun die Hierarchie in der Formel 1 völlig über den Haufen wirft. "Der Gedanke daran ist zwar schön, dass Mercedes ein sehr ausgeklügeltes System hatte und jetzt mehr verliert als wir", meinte Daniel Ricciardo. "Aber das ist nicht mehr als eine Hoffnung. Wir müssen einfach abwarten und schauen, was auf der Strecke passiert." Der Red-Bull-Pilot stimmte Hamilton zu, dass die Autos ohne das FRIC nun nicht wesentlich langsamer werden. Ricciardo: "Das ist keine Änderung, die bei den Rundenzeiten eine Sekunde ausmacht. Eher ein, zwei Zehntel."

Rücken Red Bull und Co. näher zusammen? - Foto: Sutton

Vorteil Williams?

Unwahrscheinlich also, dass aus der FRIC-Affäre ein Team als großer Gewinner herausgehen wird. Einige Fahrer vermuten allerdings, dass das Feld nun in gewissen Bereichen ein Stück weit näher aneinanderrücken könnte - etwa an der Spitze, wo sich Williams mit der Konkurrenz um den Platz hinter Mercedes prügelt. "Wir glauben, dass Teams wie Mercedes, Red Bull oder Ferrari ein System haben könnten, das besser als unseres arbeitet", wagte Felipe Massa eine Vermutung. "Aber es ist sehr schwierig, sich dessen sicher zu sein."

Auch Massa vertrat die Meinung, dass sich der Verlust des Systems als nicht gravierend herausstellen wird. "Ich kann nur sagen, dass unser Auto durch den Gebrauch von FRIC nicht wirklich schneller wird", erklärte der Brasilianer. Großes Rätselraten also im Fahrerlager von Hockenheim vor den ersten Trainings am Freitag - mit der Einschränkung, dass kaum jemand großartige Änderungen erwartet.

"Wahrscheinlich ändert sich bei allen ein wenig die Fahrweise", so Romain Grosjean. "Mit FRIC hast du mehr Downforce und ohne das System bist du nicht mehr so schnell wie du willst, vor allem in den Kurven."

Das FRIC-Thema hatte einen richtigen Hype erzeugt - Foto: Sutton

Toro Rosso kennt FRIC-losigkeit

Auch der Lotus-Pilot war sicher, dass der Wegfall des FRIC mit Änderungen am Setup zumindest ansatzweise kompensiert werden kann. "Wir hoffen natürlich, dass wir durch den Wegfall weniger betroffen sind als die Konkurrenz", schob Grosjean noch nach, ohne eine wirkliche Prognose abzugeben.

Wie könnten die Fahrer auch - schließlich weiß niemand, wie effektiv das System wirklich bei den einzelnen Teams funktionierte. "Ich möchte nicht von Vorteil sprechen, denn das würde bedeuten, dass ich auch über die anderen Teams spreche", so Jean-Eric Vergne auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. "Zumindest denke ich nicht, dass es für uns von Nachteil sein wird."

Toro Rosso kennt das Fahrgefühl ohne FRIC sowieso schon, schließlich setzte das Team das System in dieser Saison nicht bei jedem Rennen ein. "Wir hatten es zwar immer, aber es war nicht immer im Einsatz", verriet Daniil Kvyat. "Es ist auch ein bisschen verwirrend, deshalb kenne ich nicht die einzelnen Details. Ich erledige einfach meinen Job - unabhängig von der FRIC-Diskussion."


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