Formel 1 - Blog - Helm-Verbot: Es lebe die Kommerzialisierung

Geld regiert die Welt

Sport wird zum Milliarden-Business und tritt damit selbst immer mehr in den Hintergrund. FIFA und FIA sind sich in diesem Bereich sehr ähnlich.
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Motorsport-Magazin.com - Eigentlich wollte Nico Rosberg ja nur seiner Freude über den Sieg der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM Ausdruck verleihen. Die deutsche Flagge, vier Sterne, vier für Fans der DFB-Elf magische Zahlen und der in Brasilien eroberte WM-Pokal sollten beim Heimrennen in Hockenheim seinen Helm zieren. Doch Rosberg hatte im Freudentaumel zwischen WM-Triumph, eigener Hochzeit und Vertragsverlängerung mit Mercedes die Helm-Rechnung ohne die FIFA gemacht.

Diese untersagte ihm prompt die Abbildung ihres heiligen Grals auf seinem Kopfschutz, da der Verband die Markenrechte verletzt sah. Widerwillig fügte sich Rosberg und zog sich mit Klebematerialen und etwas Kreativität doch noch aus der Affäre.

Italiener durften 2006 noch

Findige Fans erinnerten sich aber plötzlich: "Moment, da war doch was? 2006 oder so..." Und am Donnerstagnachmittag tauchten plötzlich Fotos von Formel-1-Helmen auf, von denen der WM-Pokal prangte. Giancarlo Fisichella und Jarno Trulli (siehe Beweisfoto) durften in Magny-Cours nach dem Triumph Italiens bei der Weltmeisterschaft in Deutschland nämlich sehr wohl den WM-Pokal auf ihrem Helm tragen.

Der Beweis: Trulli durfte 2006, was Rosberg gestern verboten wurde - Foto: Sutton

Anstatt jetzt aber in eine Sandkastenmentalität a la "Warum dürfen die und wir nicht?" zu verfallen, werfen wir doch einen Blick auf die Hintergründe. Gerüchten zufolge ist die FIFA gegen Rosbergs Helm erst auf Intervention von WM-Sponsor Hyundai auf dem Plan getreten, da die Koreaner nicht wollen, das "Konkurrent" Mercedes mit einem Utensil wirbt, für dessen Recht auf Abbildung man viel Geld auf den Tisch gelegt hat.

Inwiefern sich die Kernkäuferschichten von Hyundai und Mercedes-Benz überschneiden sollen, eröffnet sich mir auf den ersten Blick allerdings nicht. Das sage ich als Ex-Hyundai-Fahrer, der sich wohl nie einen Benz leisten können wird. Plus: Hyundai war auch 2006 schon WM-Sponsor und hatte damals kein Problem, dass Fahrer von Toyota (Trulli) und Renault (Fisichella) den Pokal auf ihren Helmen durch die Gegend kutschierten.

Das Verbot für Rosberg hat aber wohl nicht mit einer Antipathie gegenüber Deutschland zu tun, es zeigt vielmehr, wie sehr sich die Kommerzialisierung im Sport festgefressen hat und von milliardenschweren Verbänden wie der FIFA hemmungslos ausgelebt wird. Mit Sicherheit musste Hyundai 2014 weit mehr für das Sponsoring berappen als noch 2006. Klar, dass man sich da auch Exklusivität für sein teures Geld wünscht.

FIA/FOM stehen FIFA um nichts nach

Und allen Fans, die jetzt gegen die FIFA wettern, sei gesagt: FIA und FOM sind um nichts besser, wenn es um Marken- oder Namensrechte bzw. Kommerzialisierung geht. Kaum ein Name wird rechtlich so sehr behütet und geschützt, wie "Formel 1" und sämtliche damit verknüpften Logos und Schriftzüge.

Geld regiert mittlerweile eben die Welt. Deshalb finden auch künftige FIFA-Weltmeisterschaften in Ländern wie Russland oder Katar statt und deshalb fährt die Formel 1 auch in Motorsport-"Kernländern" wie Abu Dhabi oder Bahrain und vielleicht bald auch in Aserbaidschan. Als kleiner Sportfan kann man dagegen leider nur wenig tun. Gutheißen muss man all das freilich nicht. So gesehen ist der Aufschrei in den sozialen Medien in der Pokal-Causa absolut verständlich. Denn nicht immer geht im Milliarden-Business Sport alles mit rechten Dingen zu. Sonst wäre Bernie Ecclestone am Mittwoch nicht zum bereits 19. Mal in diesem Jahr im Münchner Landgericht auf der Anklagebank gesessen.


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