Formel 1 - Überblick: Vettels Seuchensaison

Ein Jahr zum Vergessen

Sebastian Vettel hat 2014 das Pech für sich gepachtet. Wir werfen einen Blick zurück auf die unglaubliche Pechsträhne von Australien bis Monaco.
von

Motorsport-Magazin.com - Wie viel Pech kann ein Rennfahrer haben? Sebastian Vettel wandelt auf den Spuren von Michael Schumacher, der 2012 eine ähnlich Serie hinlegte wie der amtierende Weltmeister. Motor, Elektronik, Chassis, Hybridantrieb - alles scheint sich gegen den vierfachen Weltmeister verschworen zu haben. In Monaco kam es zu einem neuen Tiefpunkt. "Ich erledige den größten Teil der Entwicklungsarbeit, wenn es darum geht, Probleme auszusortieren", meinte Vettel nach dem abermaligen Ausfall sarkastisch. Wir zeigen die unglaubliche Problemserie auf, die ihn an fünf von sechs Wochenenden erwischt hat.

Australien

Vettel fuhr mehr Runden im Qualifying als im Rennen - Foto: Red Bull

Sonntag: Ausfall nach nur fünf Runden! Schnell war klar, dass die Siegesserie des Red-Bull-Piloten nach sieben Siegen in Folge reißen würde. Nachdem es schon im Qualifying nicht lief und Vettel mit einem nach eigenen Angaben "unfahrbaren" Auto abgeschlagen auf P13 landete, war das Rennen für ihn eine kurze Angelegenheit. "Es haben nicht alle Zylinder sauber funktioniert, dann fällt die Leistung weg und man tut sich schwer, die Batterie zu laden", kommentierte er den Ausfallgrund.

Malaysia

Schwacher Auftakt, aber starkes Rennen in Malaysia - Foto: Sutton

Freitag: Wieder machte die Power Unit Probleme, Sebastian Vettel konnte nur neun Runden im ersten freien Training drehen. Das Team fand nicht die richtige Einstellung für die ECU. "Leider haben wir noch nicht die passende App gefunden", nahm Vettel die Sache mit Humor. Für ihn sollte es später besser laufen, er fuhr als Dritter aufs Podest - hinter den überlegenen Mercedes. Tatsächlich aber sollte dies aber bis zum heutigen Tag das beste Wochenende der Saison für ihn bleiben.

Bahrain

Vettel zog gegen Ricciardo in Bahrain und auch China den Kürzeren - Foto: Red Bull

Samstag: Das Aus kam schon in Q2. Bereits während des Trainings meldete Vettel Probleme beim Runterschalten. Der Grund für die schwache Performance lag in einem defekten Wastegate. Das defekte Bypassventil sorgte für einen Hitzestau im Turbolader, der auch das ERS-H beeinflusste. Der Leistungsverlust hielt sich zwar in Grenzen, doch die Fahrbarkeit litt. Ganz unschuldig war der Weltmeister übrigens nicht: Ein Dreher im dritten freien Training wurde als wahrscheinlichste Ursache für das Problem genannt.

Spanien

Das neue Chassis landete gleich mehrfach auf dem Abschleppwagen - Foto: Sutton

Im Vorfeld: Sebastian Vettel wechselte vor dem Rennen in Barcelona das Chassis. Laut Red Bull war der Wechsel auf das ältere Modell von den Testfahrten geplant, doch schnell machten Gerüchte die Runde, dass es Probleme am bisherigen Monocoque gegeben habe. Die ersten Untersuchungen zeigten, dass das Chassis nicht verzogen war, doch die Untersuchung nach subtileren Schäden dauert noch an. Fakt ist, dass sich Vettels Speed mit dem neuen Chassis wieder verbesserte, doch weitere Probleme warfen ihn immer wieder zurück.

Freitag: Der totale Alptraum. Das erste Training war gerade gestartet, da stand Vettels RB10 bereits am Streckenrand. Ein Kurzschluss legte die gesamte Elektronik lahm und Red Bull musste alle Kabel austauschen - für den Heppenheimer war der gesamte Trainingstag gelaufen. Drei Stunden wertvolle Trainingszeit gingen ihm durch die Lappen - der worst case für einen Freitag. "Eigentlich ist es kein großer Schaden, aber sehr verstrickt - man kommt nicht so leicht ran", so Vettel, der aber auf Mitleid verzichten wollte: "Es gibt einen Grund dafür, warum etwas kaputt gegangen ist. Ich glaube nicht an Pech." Ober das heute immer noch tut?

Samstag: Das Qualifying lief nur bedingt besser. Immerhin schaffte es Vettel durch die ersten beiden Sitzungen, doch zu Beginn von Q3 schlugen die Probleme zurück: Ohne Vortrieb blieb das Fahrzeug in der ersten Kurve liegen - Getriebeschaden! "Die Probleme sind kleine Fehler, die sich einschleichen. Da kann man nicht einen einzelnen Menschen dafür verantwortlich machen", nahm Vettel sein Team in Schutz. Keine Runde in Q3 bedeutete Startplatz 10, doch weil das Getriebe getauscht werden musste, fiel er auf Rang 15 zurück. Im Rennen zeigte der 26-Jährige seine Klasse und fuhr sich bis auf die vierte Position nach vorn - perfekte Schadensbegrenzung.

Monaco

Wieder ging alles schief - Foto: Sutton

Samstag: Wieder von Ricciardo im Qualifying geschlagen - die Saison schien für Sebastian Vettel immer schlimmer zu werden. Doch es war nicht seine Schuld: Ein Problem mit der Energierückgewinnung aus dem Abgasstrom - dem ERS-H - beraubte ihn wichtiger PS auf den Geraden. Zwar ist in Monaco der Effekt aufgrund der Streckencharakteristik wohl noch der beste Ort, um ein solches Problem zu erleiden, doch der Effekt war spürbar. Er stellte seinen Boliden immerhin noch auf die vierte Position.

Sonntag: Wie schon in Australien kam er mit "Suzie" fünf Runden im Rennen weit, dann brach die Leistung aufgrund eines Schadens an der Antriebswelle für den Turbolader ein. "Bei einem Turbomotor ist ohne Turbo nichts los. Man fühlt sich einfach so hilflos im Auto. Es ist frustrierend, als Hindernis durch die Stadt zu fahren", gab er nach dem Rennen frustriert zu Protokoll. Ein möglicher Podiumsplatz glitt Vettel durch die Probleme aus den Fingern.


Weitere Inhalte:

Motorsport-Magazin.com fragt
Facebook
Wir suchen Mitarbeiter
x