Formel 1 - Bahrain GP: Die 9 Antworten zum Rennen

Geraden, Top-Speed und lange Gesichter

Spannung in Bahrain. Motorsport-Magazin.com erklärt, warum Mercedes so überlegen war, wieso Vettel hinter Ricciardo landete und warum Williams unzufrieden war.
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1. Warum war Mercedes in Bahrain so überlegen?

Bereits während der Testfahrten überzeugte Mercedes in Bahrain. Nun fuhren beide Silberpfeile bereits nach wenigen Runden ohne Probleme 30 Sekunden auf den Rest des Feldes heraus. Der F1 W05 ist aktuell auf allen Strecken das schnellste Auto, das Layout de Bahrain International Circuit kommt dem Boliden zusätzlich entgegen. Er besteht aus vier landen Geraden, die sich mit etwas Geschlängel im Infield abwechseln. Ein Kurs gemacht für leistungsstarke Motoren.

"Bei dieser Strecke war das zu erwarten, schließlich gibt es nirgendwo mehr Geraden", erklärte Dr. Helmut Marko und Sebastian Vettel fügte hinzu. "Man braucht kein Experte sein, denn selbst ein Blinder sieht, dass sie bärenstark sind - vor allem, wenn es geradeaus geht." Daher ist es wenig verwunderlich, dass während des Rennens die Top-Speed-Listen deutlich von den Mercedes-Aggregaten angeführt wurden. Bei Mercedes kommt laut Marko ein wichtiger Faktor hinzu: das Benzin. "Wenn man wie Mercedes mit Petronas das richtige Benzin passend zum Antriebsstrang hat, bedeutet das gleich 30 PS mehr."

Maldonado nahm Gutierrez auf die Hörner - Foto: Sutton

2. Wer war Schuld am Crash zwischen Maldonado und Gutierrez?

Zwei Sichtweisen eine Antwort. Esteban Gutierrez fuhr gerade in Kurve eins hinein, als Pastor Maldonado aus der Box angeschossen kam. Der Lotus-Pilot gabelte den Mexikaner auf und der Sauber von Gutierrez überschlug sich. Während Gutierrez darauf pochte, klar vorne gewesen zu sein, sah sich Maldonado ebenfalls im Recht. "Esteban war ein wenig abseits der Ideallinie, als er durch Turn 1 fuhr - vielleicht hatte er den Bremspunkt versäumt", rechtfertigte sich der Venezolaner.

Für die Stewards, die den Unfall genau untersuchten, gab es von Anfang an keine Frage: Noch im Rennen wurde Maldonado mit einer zehn Sekunden Stopp-and-go-Strafe belegt. Damit aber nicht genug: Für das kommende Rennen in China wurde der Lotus-Pilot mit einer Strafversetzung um fünf Plätze belegt und bekommt obendrein noch drei Strafpunkte auf das neue Punktekonto der Formel 1.

Hülkenberg findet, dass Massa ihm zu wenig Platz gelassen hat - Foto: Sutton

3. Wieso war Hülkenberg sauer auf Massa?

Für Nico Hülkenberg schien der Bahrain GP wie im Traum zu verlaufen. Schon am Start machte der Deutsche von Startplatz elf viel Boden gut und arbeitete sich kontinuierlich nach vorne. Schnell wurde klar, dass Force India einer der Podestkandidaten sein würde - die Frage war nur wer. Am Ende landete Sergio Perez auf Rang drei und Hülkenberg musste sich mit Rang fünf begnügen.

Schuld am verlorenen Teamduell war seiner Meinung nach ein Zwischenfall mit Felipe Massa. Hülkenberg lieferte sich rundenlang ein Duell mit dem Williams-Piloten, immer mit Perez im Heck. "Im zweiten Stint hat mir Felipe wenig Luft gelassen", ärgerte sich Hülkenberg. Der Deutsche musste seinen Boliden stark abbremsen, wobei Teamkollege Perez wieder in Schlagdistanz kam und schließlich überholte. "Ich muss sagen, dass mehr drin gewesen wäre, aber die Situation mit Massa, die ich nicht gut fand, hat Zeit gekostet."

Vettel und Ricciardo kämpften mit harten Bandagen - Foto: Sutton

4. Wieso musste Vettel Ricciardo passieren lassen?

Daniel Ricciardo und Sebastian Vettel lieferten sich lange ein teaminternes Duell - teilweise kurzzeitig auch neben der Strecke. Wirklich vorbei kam Ricciardo - ohne zu großes Risiko - aber nicht. Daher wurde die Box angefunkt und schließlich musste Vettel weichen. Der vierfache Weltmeister kämpfte mit einem zu tiefen Auto und saß sowohl beim Bremsen als auch in den Kurven mit dem Unterboden auf, wodurch ihm eine Menge Schwung verloren ging.

Zudem fehlte es dem Red Bull von Vettel an Top-Speed auf der Geraden - im Vergleich zu Teamkollege Ricciardo fehlten drei km/h. Daher ging für den Deutschen die Teamentscheidung in Ordnung. "Ich war auf der Geraden einfach zu langsam - auch im Vergleich zu Daniel", erklärte Vettel im Nachhinein. "Es hätte keinen Sinn gemacht ihn zu halten, schließlich kam er dann noch weiter vor." Nun will Red Bull untersuchen, wieso Vettel auf der Geraden so viel Speed fehlte.

Sergio Perez feierte den ersten Podestplatz seit Monza 2012 - Foto: Sutton

5. Wie schaffte Force India den Sprung aufs Podest?

Den Grundstein für das erste Force-India-Podest seit Spa 2009 legte Sergio Perez bereits im Qualifying. Von seiner vierten Startposition aus überholte er Valtteri Bottas, musste im Gegenzug aber Felipe Massa im zweiten Williams vorbeilassen. Die Rangfolge war nach einigen Runden aber wieder geklärt und Force India spielte die Trumpfkarte aus: Einen Stopp weniger im Vergleich zu Williams.

Zudem spielte Force India die Safety-Car-Phase in die Hände. Während Perez und Hülkenberg bereits in den Runden 34 und 35 zum finalen Stopp kamen - zur ähnlichen Zeit wie die beiden Red Bulls - bogen Massa und Bottas im Williams erst in den Runden 38 und 40 zum Reifenwechsel ab. Als das Safety Car dann auf die Strecke kam, hieß der neue Gegner plötzlich Red Bull. Von diesem Moment an galt es für Perez, sich mit seinem Force India gegen Ricciardo über die Zeit zu retten. Auf der Ziellinie trennten die beiden 0,4 Sekunden.

Ferrari kann nach Bahrain nicht zufrieden sein - Foto: Sutton

6. Warum kam Ferrari nicht in Fahrt?

Des einen Freud, des anderen Leid. Ferrari wollte im Rennen angreifen und die Flucht nach vorne versuchen, stattdessen wurde die Scuderia von Force India oder Williams fast stehengelassen. Grund: Dem F14 T fehlte es an Power und allem voran Top-Speed. "Ein Force India überholte mich ausgangs Kurve acht, das war eine andere Klasse", musste Räikkönen offen zugeben.

Bereits vor dem Wochenende machte sich Fernando Alonso Sorgen, dass der Ferrari-Motor im Vergleich zu den Mercedes-Power-Units ein Problem bekommen könnte. Und er sollte Recht behalten. Die beiden Ferrari avancierten in Bahrain beinahe zum Freiwild für die Mercedes-angetriebenen Boliden, die schier nach Belieben vorbeizogen. Räikkönen haderte zusätzlich mit Feindkontakt, denn er wurde erneut von Kevin Magnussen getroffen und später noch von einem Toro Rosso angerempelt. Ob sein Ferrari dabei beschädigt wurde, konnte der Finne nicht sagen.

Die beiden Williams hatten die Top-5 im Visier - Foto: Sutton

7. Warum fiel Williams im Rennen zurück?

Nach den Startplätzen drei und sieben hatte sich Williams mehr als Rang sieben für Felipe Massa und Rang acht für Valtteri Bottas ausgerechnet. Dass der Williams im Vergleich zur Konkurrenz im Rennen nicht mehr mithalten konnte, hatte zwei Gründe: Der starke Abbau der Hinterreifen und das unglücklich getimte Safety Car. Williams plante vor dem Rennen eine Zweistopp-Strategie, musste aufgrund der stark abbauenden Hinterräder aber schnell auf einen Stopp mehr gehen. Im Gegensatz dazu kam der direkte Konkurrent Force India nur mit zwei Reifenwechseln aus. Genug, um in der Endabrechnung von Williams zu landen.

Force India ließ sich durch den Reifenumgang und die bessere Traktion aus den Kurven noch verschmerzen, aber nicht Red Bull. "Wir hätten bei Force India sein sollen und nicht hinter Red Bull", ärgerte sich Massa. "Unsere Pace war besser als die der Red Bull, aber durch die Strategie und das Safety Car sind sie vorbeigezogen", fügte Bottas auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com noch hinzu. Wie Force India setzte auch Red Bull auf lediglich zwei Stopps.

Im ganzen Feld gab es Zweikämpfe - Foto: Sutton

8. Wieso war Bahrain im Vergleich zu Malaysia so spannend?

Die Prozession von Malaysia hatte die schlimmsten Befürchtungen für den Rest der Saison geweckt und sie wurden alle zerschlagen. "Das war eines der besten Formel-1-Rennen", jubelte Daniel Ricciardo im Interview mit Motorsport-Magazin.com. Grund waren Zweikämpfe in allen Bereichen des Feldes und sie waren spannender als je zuvor. Doch wie kam es in Bahrain auf einmal dazu?

Die Antwort scheint denkbar einfach: Viele Teamkollegen lagen nahe beieinander. Das beste Beispiel bildeten die beiden Mercedes an der Spitze, die Runde für Runde mit dem Messer zwischen den Zähnen fuhren. Im Mittelfeld das gleiche Bild. Dahinter steckt ein einfaches Rezept: "Das Aufregende war, dass alle Teams mit beiden Autos so nah beieinanderlagen", erklärte Williams-Mann Rob Smedley. "Die Autos mit gleicher Leistung waren so beieinander und in der Lage, gegeneinander zu kämpfen." Die wichtigste Zutat dabei: Keine Teamorder verhinderte das direkte Duell zwischen den Teamkollegen.

McLaren reist aus Bahrain ohne Zählbares ab - Foto: Sutton

9. Warum kam keiner der McLaren ins Ziel?

In Runde 40 hieß es für Kevin Magnussen Game over, nur 15 Runden später rollte der McLaren von Jenson Button langsam in die Box. Grund für das Doppel-Aus: An beiden Boliden streikte die Kupplung. Bereits hinter dem Safety Car bekam Button die Anweisung, so wenig wie möglich zu schalten und verschiedene Einstellungen zu testen. "Aber sobald die Strecke frei war, fühlte sich der Gangwechsel schrecklich an. Das hat uns pro Runde wohl eineinhalb Sekunden gekostet", erklärte der Brite. Als die Kupplung schließlich noch zu rutschen begann, musste er seinen MP4-29 endgültig abstellen.


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