Nach dem eher mäßig spannenden Saisonstart in Curitiba macht die Tourenwagen-Weltmeisterschaft am Wochenende in Zandvoort halt. Die beiden Rennen auf dem Dünenkurs unweit der Nordseeküste versprechen viel Spannung, denn niemand kann genau sagen, wie sich das Kräfteverhältnis zwischen BMW, Seat, Chevrolet und dem Außenseiter Alfa geändert hat. Auch aus den vergangenen Jahren lassen sich keine Rückschlüsse ziehen, die WTCC kommt in diesem Jahr zum ersten Mal nach Zandvoort.

Lassen wir zunächst die Zusatzgewichte außen vor. Nach den Auftaktrennen und der dominierenden Leistung von BMW will die FIA die Reißleine ziehen. Nachdem man die Münchner vor dem Saisonstart um 15 Kilo erleichtert hat, dürfen nun die Fronttriebler ausladen. Und zwar satte 25 Kilogramm. Doch nicht nur dies sollte Alfa, Chevy und Seat zugute kommen. Anders als in Curitiba ist der Streckenverlauf des Circuit Park Zandvoorts flüssig. Bis auf eine lange Gerade gibt es viele aneinanderhängende Kurve. Ebenfalls ein Vorteil für die Nicht-BMW´s.

Tiago Monteiro gibt sein Renndebüt, Foto: Sutton
Tiago Monteiro gibt sein Renndebüt, Foto: Sutton

Die lange Pause zwischen den ersten beiden Stationen nutzte Chevrolet außerdem für eine Weiterentwicklung des Lacetti. Als sichtbarste Neuerung steht ein überarbeitetes Aerodynamikpacket zur Verfügung. Auch Seat hat noch Asse im Ärmel. Zum ersten Mal kommt Neuling und Ex-Formel 1-Pilot Tiago Monteiro zum Einsatz. Desweiteren peilt Lokaltmatador Tom Coronel bei seinem Heimspiel ein Platz auf dem Podium an. Wenn es für den Niederländer perfekt läuft, kann man einen Sieg nicht ausschließen.

Bei BMW sind die Mienen dagegen angespannt. Andy Priaulx, Jörg Müller und Augusto Farfus führen zwar die Meisterschaft an, bekommen aber ordentlich Zusatzgewicht ins Auto gepackt. Alle drei müssen 35 Kilo Blei zuladen. Mit Muller und Tarquini sind die besten Seat immerhin 15 Kilo leichter, Nicola Larini und Alain Menu (beide Chevy) sogar 35. Als Geheimtipp gehen Alex Zanardi und Félix Porteiro, die Markenkollegen der Spitzenreiter, ins Rennen. Beide schleppen deutlich weniger Gewicht herum als die anderen drei 3er-Piloten.

Bei den Testfahrten in Brünn, Oschersleben, Monza zeigte sich: Alle vier Marken sind auf einem Niveau, sogar Alfa konnte mit dem veralteten 156 mithalten. Sowohl Seat, BMW als auch Chevrolet fuhren beim den Testfahrten mindestens eine Tagesbestzeit. Die Italiener überzeugten in Monza. Dort war James Thompson nur einen Hauch langsamer als der Schnellste Jörg Müller.

Jörg Müller hat übrigens gute Erfahrungen an den Kurs in Zandvoort. Vor knapp 13 Jahren fuhr der Deutsche beim Marlboro Masters auf den zweiten Platz. In der Qualifikation reichte es damals sogar für die Pole Position. Ob der amtierende Vizemeister diese Leistung wiederholen kann, steht noch in den Sternen. Spätestens die Testfahrten am Freitag sollten einen Aufschluss über die Rangfolge bringen.