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WRC

Von klitschnass bis feuchtfröhlich - Die Eckpfeiler 2015: TiTänak, Bier und Co.

Auf und abseits der Prüfungen der Saison 2015 passierten allerhand ungewöhnliche Dinge. Motorsport-Magazin.com hat die besten Randgeschichten zusammengetragen.
von Marion Rott & Annika Kläsener

Motorsport-Magazin.com - Taxifahrt nach Monaco: Nach einem langen Arbeitstag hinter dem Steuer braucht man mal etwas Erholung - auch als Rallyefahrer. Das dachte sich zumindest Thierry Neuville. Nach der letzten Prüfung des Samstags standen noch rund 200 Kilometer Verbindungsetappe nach Monte Carlo an. Deshalb nahm der Belgier einfach auf dem Beifahrersitz Platz und ließ seinen Co-Piloten Nicolas Gilsoul ans Steuer.

An Schlafen war aber nicht zu denken, stattdessen machte der Hyundai-Pilot Selfies mit gespielt besorgtem Gesichtsausdruck und twitterte: "Eine lange Verbindungsetappe! ;-)" Geholfen hat es offenbar trotzdem, denn Neuville sah zum ersten Mal in seiner WRC-Karriere in Monaco die Zielflagge.

Fußabtreter a la Hyundai: Schnee im Fußraum, der langsam schmilzt, und rutschige Pedale - typische Phänomene im Winter. Wohl dem, der nach dem Stapfen durch die weiße Pracht seine Schuhe abgeklopft hat. Hyundai hatte bei der Rallye Schweden sogar noch eine bessere Idee, wie man möglichst schneelos ins Auto gelangt. Das Team befestigte am Sicherheitskäfig des Hyundai i20 WRC eine Nagelbürste. Auf den ersten Blick ungewöhnlich, aber da für einen kompletten Fußläufer kein Platz gewesen wäre, und Gewichtsersparnis auch im Rallyesport ein großes Thema ist, wohl die ideale Lösung.

Schwedischer Humor: VW ist für seine humorvollen Videos bekannt, die etwas landestypisches für die jeweilige Rallye aufgreifen. In Monte Carlo spielte VW mit dem Polo R WRC Roulette, in Schweden schickte es ihn dagegen als Curling-Stein aufs Eis. Schweden ist jedoch nicht nur für den eisigen Sport bekannt, sondern auch für ein Möbelhaus. In Anlehnung an dessen Philosophie hat VW eine Anleitung zum Bau eines Polo R WRC verfasst.

Die Schwimmkünste des Fiesta: Bei der Rallye Mexiko sorgte Ott Tänak für den Unfall des Wochenendes - wenn nicht des Jahres oder Jahrzehnts. Auf WP3 kam der Este von der Strecke ab, überschlug sich und rollte in ein Wasser-Reservoir. Er und Beifahrer Raigo Molder reagierten blitzschnell, lösten die Gurte und befreiten sich aus dem sinkenden Ford Fiesta. Nur Sekunden später war das Auto im See verschwunden.

Das Unmögliche möglich gemacht - oder auch nicht: Zehn Stunden lag der Bolide von Ott Tänak schließlich am Grund des Sees. Aufgeben kam für ihn und M-Sport aber nicht infrage. Das Auto wurde geborgen und über Nacht repariert. Am Samstagmorgen ging es für Tänak schließlich wieder auf die Piste - oder es sollte. Der Motor wollte nicht anspringen und aus der Rückkehr wurde nichts. Über den Nachmittag wechselte M-Sport aber weitere Teile und stellte den Fiesta zum Trocknen in die Sonne, sodass Tänak am Sonntag unter "Rally2.1" starten konnte.

Übertriebener Freundschaftsdienst I: Als Andreas Mikkelsen bei der Rallye Argentinien mit seinem waidwunden Boliden über WP3 humpelte, wollte Thierry Neuville ihm einen kleinen Freundschaftsdienst erweisen, bei dem er es allerdings etwas zu gut meinte. Als er auf den vor ihm gestarteten Mikkelsen aufgeschlossen hatte, stellten Neuville und sein Beifahrer fest, dass der VW-Pilot sie in den Spiegeln aufgrund des Staubs nicht sehen konnte. Mit einem kleinen Schubs am Heck wollte Neuville seine Anwesenheit signalisieren. Der Stoß war allerdings heftiger als gedacht und ging nicht ganz spurlos an den beiden Autos vorüber. Mikkelsen ging davon aus, sein Kumpel hätte ihn übersehen und wäre ihm deswegen ins Auto gefahren.

Übertriebener Freundschaftsdienst II: Neuville und Mikkelsen gingen noch ein weiteres Mal mit ihrer Freundschaft zu weit. Auf der abschließenden Durchfahrt der El Condor machten beide exakt den gleichen Fehler. Die Bilder, die der Hubschrauber lieferte, glichen sich frappierend. Beide touchierten mit ausbrechendem Heck denselben Felsen am Streckenrand und wurden in die Höhe katapultiert. Beide entgingen einem Überschlag, ihre Achsen nahmen jedoch erheblichen Schaden. Neuville versuchte noch, sich ins Ziel zu schleppen, musste jedoch sehr bald aufgeben. VW und Hyundai nahmen die Vorfälle ihrer Piloten mit Humor und sprachen von Rallye-Ironie.

Jeep-Wrangler-Feeling: Robert Kubica und sein Beifahrer Maciej Szczepaniak boten bei der Rallye Deutschland einen ungewöhnlichen, wenn auch im Rallyesport nicht völlig neuen Anblick. Sie fuhren ohne Windschutzscheibe und hatten zum Schutz ihrer Augen Plastikbrillen aufgesetzt.

Was war passiert? "Wir sind in die Weinberge gefahren und haben uns dabei die Scheibe zerbrochen. Wir sind weitergefahren, konnten aber nicht richtig sehen und haben daher angehalten, um sie herauszubrechen", erläuterte Kubica. Aus der Kurve geflogen war er nach eigener Aussage, weil er sich im Aufschrieb mit der Geschwindigkeit verschätzte. "Ich hatte meinen Aufschrieb nach der ersten Durchfahrt von einer vier auf eine sechs geändert. Wir hatten Untersteuern."

Kubica nahm seinen Ausritt mit Humor und stellte fest: "Dieses Auto ohne Windschutzscheibe zu fahren, ist eine neue Erfahrung." Ganz angenehm war sie bei Rallye-Tempo jedoch nicht. "Ich musste auf den Geraden etwas langsamer machen, weil es viele Verwirbelungen gab."

To kick some Finnish ass: In der Pressekonferenz nach seinem ersten Sieg hatte Mikkelsen noch eine besondere Geschichte auf Lager. Als er im Regroup von seinem Ingenieur nach den Plänen für die letzten Prüfungen gefragt wurde, meinte er nur: "To kick some Finnish ass." Diese Nachricht blieb nicht lange geheim, denn sein Ingenieur saß genau gegenüber von Jari-Matti Latvalas. "Vor der letzten Prüfung kam Jari dann zu mir und meinte: 'Ich kenne deinen Plan!" Damit wollte der Norweger verdeutlichen, wie gut sich die Piloten abseits der Strecke untereinander verstehen - im Media Center sorgte er damit jedenfalls für großes Gelächter.

Sebastien Ogiers Deutschkenntnisse sind noch ausbaufähig - Foto: Daniel Roeseler

Ein Bier bitte!: Als wir uns am Mittwoch-Abend vor der Rallye Spanien in der Volkswagen-Hospitality mit Sebastien Ogier zum Interview trafen, staunten wir bei seiner Getränkebestellung nicht schlecht: "Ein Bier bitte", kam da auf Deutsch über seine Lippen. Als ihm schließlich wenige Minuten später tatsächlich eine Flasche Bier serviert wurde, war das Staunen des Weltmeisters ähnlich groß. Die Aufklärung folgte prompt: "Ich meinte etwas, das ungefähr aussieht wie ein Apfel. Das heißt doch Bier in Deutschland, oder?", fragte der Volkswagen-Pilot verdutzt nach. Kurz darauf wurde ihm ein Bi(e)rNEn-Saft serviert.