WEC

Perfekte Premiere in der Eifel - Porsche 911 RSR holt Doppelsieg

Nach vier Siegen in Serie in den USA und Kanada ist bei Porsche jetzt auch in der WEC der Knoten geplatzt.

Motorsport-Magazin.com - Bei der Premiere der attraktiven Rennserie auf dem Nürburgring feierte das Porsche Team Manthey am Sonntag seinen ersten Saisonsieg in der Klasse GTE-Pro. Mit dem 470 PS starken 911 RSR, der auf der siebten Generation der Sportwagenikone 911 basiert, gewannen Richard Lietz und Michael Christensen vor ihren französischen Teamkollegen Frédéric Makowiecki und Patrick Pilet. Für Porsche war es der erste Doppelsieg in der WEC seit November 2014, als zwei 911 RSR in Shanghai vorne lagen. Richard Lietz ist der neue Spitzenreiter im World Endurance Cup für GT-Fahrer.

Herrliches Sommerwetter in der Eifel und übers Rennwochenende 62.000 Zuschauer – beim ersten Auftritt der Sportwagenweltmeisterschaft WEC in Deutschland hat alles gepasst. Auch für das Porsche Team Manthey. Die Mannschaft von Teamchef Olaf Manthey, die nur einen Steinwurf vom Nürburgring entfernt in Meuspath zu Hause ist, holte nach zwei zweiten Plätzen in Silverstone und Spa ausgerechnet auf seiner Hausstrecke den langerwarteten ersten Saisonsieg. Damit hat sich das Team eine gute Ausgangsposition für die zweite Saisonhälfte mit vier Überseerennen geschaffen, von denen das erste am 19. September in Austin/USA ausgetragen wird.

Das Sechsstundenrennen auf der Traditionsrennstrecke war 23 Minuten alt, als der von der vierten Position gestartete Michael Christensen im 911 RSR mit der Nummer 91 die Führung übernahm. Von da an lagen der Däne und sein österreichischer Teamkollege Richard Lietz mit Ausnahme einiger Boxenstoppsequenzen über die gesamte Distanz an der Spitze. Für den 911 RSR mit der Startnummer 92 lief es dagegen zunächst nicht ganz so reibungslos: Wegen eines angeblichen Frühstarts erhielt Frédéric Makowiecki eine Stop-and-Go-Strafe und wurde bis ans Ende des Feldes durchgereicht. Doch mit einer sehenswerten Aufholjagd machten er und Patrick Pilet im weiteren Rennverlauf Boden gut. Dabei lieferten sie sich zur Rennmitte viele Runden lang packende Duelle mit dem schnellsten Ferrari, für die es von den begeisterten Fans auf den Tribünen immer wieder Sonderapplaus gab.

Beide Proton-Porsche schnupperten Führungsluft - Foto: Speedpictures

Fast genau zur Halbzeit dann die Doppelführung für Porsche: Richard Lietz vor Patrick Pilet – der Rest der Konkurrenz lag zu diesem Zeitpunkt bereits eine Runde zurück. Im weiteren Rennverlauf geriet der Porsche-Triumph trotz einer weiteren Stop-and-Go-Strafe für die Startnummer 92 nicht mehr in Gefahr.

In der Klasse GTE-Am belegte Hollywoodstar und Rennfahrer Patrick Dempsey mit Patrick Long und Marco Seefried den vierten Platz. Der 911 RSR des Kundenteams Dempsey Proton Racing, mit dem das Trio als Zweiter bei den 24 Stunden von Le Mans seinen bislang größten Erfolg gefeiert hatte, behauptete über weite Strecken die Spitze. In der Schlussphase reichte es dann aber nicht ganz für eine Podiumsplatzierung. Ebenfalls lange in Führung lag Porsche-Werksfahrer Earl Bamber im 911 RSR von Abu Dhabi Proton Racing. Der Le-Mans-Sieger fuhr teilweise schnellere Rundenzeiten als die höherklassigen GTE-Pro-Autos. Trotzdem musste er und seine Teamkollegen Christian Ried und Khaled Al Qubaisi sich am Ende mit dem sechsten Platz zufrieden geben.

Als Gaststarter im Team KCMG aus Hongkong gewann Porsche-Werksfahrer und Le-Mans-Sieger Nick Tandy die Klasse LMP2.

Stimmen zum Rennen

Dr. Frank-Steffen Walliser, Porsche Motorsportchef: "In unserem Wohnzimmer lassen wir uns nicht schlagen. Aber im Ernst: Das ist natürlich ein absolutes Wunschergebnis. Es war kein einfaches Rennen, immerhin mussten wir mit einigen Strafen zurecht kommen. Doch die Fahrer haben eine exzellente Leistung gezeigt und die Strategie des Teams ist perfekt aufgegangen. Da haben sich die Tests ausgezahlt. Das ist ein Traum, vor so einer fantastischen Kulisse zusammen mit den LMP1-Kollegen zwei Doppelsiege für Porsche einzufahren. Besser geht´s nicht."

Richard Lietz (911 RSR #91): "Erster und Zweiter – das ist perfekt. Wir haben uns sehr gut auf unser Heimrennen vorbereitet, hatten hier zwei ergiebige Tests und haben uns auch nicht verrückt machen lassen durch die Wetterkapriolen am Anfang der Woche. Seit den Tests haben wir am Setup unseres 911 RSR fast nichts verändert. Das hat sich ausgezahlt."

Michael Christensen (911 RSR #91): "Mein erster Sieg in der WEC – ich bin total glücklich. Das war ein perfektes Wochenende. In Le Mans ist es nicht gut für uns gelaufen, doch das war ein tolles Comeback. Das ist einer der größten Erfolge meiner Karriere. Dass wir für unser Team sein Heimrennen gewinnen konnten, freut uns ganz besonders. Viele unserer Mechaniker hatten Familie und Freunde dabei. Auch für sie war das sicherlich ein wundervoller Tag."

Patrick Pilet (911 RSR #92): "Das war ein hartes Rennen. Unglücklicherweise mussten wir zwei Durchfahrtstraßen wegstecken, durch die wir viel Zeit verloren haben. Schade, denn wir hatten ein schnelles Auto, gute Boxenstopps und eine perfekte Strategie. Erster und Zweiter zu werden ist ein toller Erfolg. Wir werden heute richtig feiern – und ab morgen konzentrieren wir uns auf das nächste Rennen in Austin."

Frédéric Makowiecki (911 RSR #92): "Das Wichtigste ist, dass Porsche gewinnt. Welches Auto im Ziel vorne liegt, spielt keine so große Rolle. Dieser Erfolg vor so einer tollen Kulisse war wichtig für die Meisterschaft. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Saison gerade erst zur Hälfte vorbei ist. Wenn wir weiter so zielgerichtet arbeiten und unsere Chancen nutzen, können wir im Kampf um die Meisterschaft noch ein Wörtchen mitreden."

Patrick Dempsey (911 RSR #77): "Ich bin natürlich ein bisschen enttäuscht, schließlich haben uns nach einem fantastischen Rennen nur zwei Sekunden zum Podium gefehlt. Am Ende war es sehr, sehr eng. Jetzt konzentrieren wir uns auf Austin. Irgendwann wird unser Team für seine gute Arbeit und die Fortschritte, die es macht, belohnt werden."

Patrick Long (911 RSR #77): "Ich konnte meine Stints richtig genießen. Es lief hervorragend. Die Konstanz und die Balance unseres 911 RSR waren gut und auch unsere Strategie hat funktioniert. Leider machte uns ein zusätzlicher Boxenstopp einen Strich durch die Rechnung. Es wäre trotz unserer Führung sicherlich schwierig geworden, zu gewinnen. Ein Podium wäre aber durchaus möglich gewesen."

Earl Bamber (911 RSR #88): "Wir hatten einen sehr guten Start und lagen lange in Führung. Doch dann hatten wir Pech und verloren viel Zeit. Unser 911 RSR lief problemlos, das macht uns sehr zuversichtlich für Austin. Was wir noch brauchen, ist etwas Glück."


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