WEC / Interview

Wetterbeobachtung aus 70 Metern Höhe - Ralf Jüttner: Attacke nach dem Restart

Ralf Jüttner, der Teamdirektor des Joest-Teams, kann auf ein äußerst erfolgreiches Wochenende zurückblicken. Er erläutert den Schlüssel zum Doppelsieg

Motorsport-Magazin.com - Der vierte Lauf zur WEC in Austin hat sich für Audi exzellent entwickelt, nachdem im Qualifying nicht alles rund gelaufen war. Wie bewerten Sie den Rennsonntag?
Ralf Jüttner: Das war ein sehr turbulentes Rennen. Es hat schwierig begonnen, denn wir mussten uns von den Startplätzen vier und sechs erst einmal nach vorn kämpfen. Bis zum ersten Boxenstopp sah es nicht nach einem besonders glücklichen Tag für uns aus. Doch dann haben wir die Reifen an beiden Autos erst beim zweiten Stopp gewechselt. So kamen wir nach vorn und konnten uns dort ganz gut halten.

Ihre Fahrer haben sich von ihren Ausgangspositionen verbessert, doch dann kam der Regen. Wem hat das wechselnde Wetter genutzt?
Ralf Jüttner: Wir haben Zeit gespart, weil wir erst beim zweiten Stopp neue Reifen benötigt haben. Diese gute Situation kam aber nicht gleich zum Tragen, weil dann der Regen einsetzte. Wir mussten uns also noch etwas gedulden. Aber diesmal hatten wir bei nasser Strecke ein goldrichtiges Händchen. Danke auch an unseren Spotter, der trotz seiner Höhenangst auf den Turm gestiegen ist und von dort einen sehr guten Überblick behielt und direkt mit den Fahrern in Kontakt stand. Als die Rote Flagge kam, war das Rennen erst einmal unterbrochen. Das war für die anderen beiden LMP1-H-Hersteller relativ glücklich, denn so konnten Autos aus dem Kiesbett und der Wiese geborgen werden.

Welche Strategie haben Sie bis zum Rennende verfolgt?
Ralf Jüttner: Nach dem Restart haben wir attackiert. Sowohl Toyota als auch Porsche waren sehr schnell. Aber wir haben gut mit den Reifen gehaushaltet und unsere Fahrer haben einen sensationellen Job gemacht. So blieben wir vorne. Lucas di Grassi hat zum Schluss eine sagenhafte Aufholjagd gestartet. Zusammen mit seinen Teamkollegen hatte er aber insgesamt einfach etwas Pech. Beim Boxenstopp nach der Unterbrechung war es noch zu nass, um von Regenreifen gleich auf Slicks zu wechseln. Also fuhren sie weiterhin Regenreifen und mussten später doch noch auf Intermediates umsteigen, bevor sie Slicks aufziehen konnten. Das erklärt ihren Rückstand.

Audi ist jetzt in einer gestärkten Position. Welche Hoffnungen hegen Sie?
Ralf Jüttner: Glückwunsch an alle Fahrer und Hut ab vor ihrer Leistung. Nach Le Mans erneut einen Doppelsieg zu erzielen, ist toll für unsere Position in der Weltmeisterschaft. In der Markenwertung haben wir einen Punkt Rückstand in 18 Zähler Vorsprung verwandelt. Zugleich haben André Lotterer, Marcel Fässler und Benoît Tréluyer ihren Rückstand in der Fahrerwertung um neun Punkte verkürzt. So darf es von uns aus gerne weitergehen.


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