Sechs Grands Prix noch, 12 Rennen. Die MotoGP biegt an diesem Wochenende in Mandalika so langsam auf die Zielgerade der Saison 2026 ein und damit rückt natürlich auch die Entscheidung im aktuell so engen Titelkampf immer näher. Nur zwei Punkte trennen Jorge Martin und Marc Marquez vor dem Indonesien-GP in der Weltmeisterschaft, während Marco Bezzecchi inzwischen auf 49 Zähler zurückgefallen ist.

Stallorder im Titelkampf mit Marc Marquez? Aprilia-Boss bezieht Stellung

Keine leichte Situation, speziell für Aprilia. Denn der Hersteller aus Noale hat auf dem Papier zwar noch zwei Eisen im Feuer, der enorme Rückstand und die schwache Formkurve der letzten Wochen sprechen aber mehr und mehr gegen einen Titelgewinn von Marco Bezzecchi. Wie geht man im Saisonendspurt nun damit um? Darf der 27-Jährige aus Rimini bis zum Schluss frei auffahren, um seine Restchancen auf den WM-Triumph am Leben zu erhalten? Oder muss sich Bezzecchi vielleicht schon ab diesem Wochenende in Indonesien hinter Jorge Martin anstellen, um dessen WM-Chancen im Zweikampf mit Marquez zu maximieren?

Notlösung wird zum MotoGP-Trumpf! Marquez siegt kurios in Japan (08:37 Min.)

Zwei Fragen, die die MotoGP-Community schon einige Tage umtreibt - und die am Donnerstag endlich auch Massimo Rivola erreichten. Aprilias Racing-CEO nahm vor dem Indonesien-GP mit Blick auf den ebenfalls noch hochspannenden Zweikampf in der Konstrukteurs-WM - Aprilia und Ducati sind aktuell punktgleich - gemeinsam mit dem Teamchef der Roten, Gigi Dall'Igna, an einer Sonder-Pressekonferenz teil und wurde dort auch nach einer möglichen Stallorder im Titelkampf der MotoGP befragt.

Seine Antwort? Eindeutig! "Solange sie mathematisch im Rennen sind, bekommen sie ihre Chance von uns. Erst wenn einer ausgeschieden ist, wird es seine Aufgabe sein, dem Teamkollegen zu helfen", verkündete Rivola und machte damit klar, dass es keine Teamorder für Bezzecchi geben werde, solange dieser noch Restchancen auf den WM-Titel habe. Sorgen, dass man sich damit ins eigene Bein schießen könnte, mache sich der Aprilia-Boss nicht: "Ich bin nicht besorgt, dass sich unsere Fahrer nicht entsprechend verhalten werden."

Dabei gäbe es durchaus berechtigten Grund zur Sorge, denn in der ersten Saisonhälfte hatte es gleich zwei Mal Aprilia-intern gekracht. Zunächst gerieten Martin und Raul Fernandez in Barcelona aneinander, wenig später räumte Martin in Ungarn dann Fernandez und Bezzecchi ab. In Noale sah man sich daraufhin zu einem Krisengespräch gezwungen und erinnerte die eigenen Fahrer daran, auf der Strecke doch bitte fair miteinander umzugehen - mit Erfolg. Seither blieben Zwischenfälle aus, doch das könnte zuletzt primär auch daran gelegen haben, dass sie kaum noch in direkte Zweikämpfe verwickelt waren. Vielmehr fuhr Martin in den letzten Rennen meist voraus, während die restlichen drei RS-GP-Piloten um Anschluss kämpften.

Marco Bezzecchi konnte den Speed seines Teamkollegen zuletzt nur selten mitgehen, Foto: IMAGO / PsnewZ
Marco Bezzecchi konnte den Speed seines Teamkollegen zuletzt nur selten mitgehen, Foto: IMAGO / PsnewZ

Auch Ai Ogura und Raul Fernandez werden im Indonesien-GP nicht eingebremst

In Mandalika könnte sich das jedoch wieder ändern, denn hier scheinen im Vorfeld alle vier Aprilia-Piloten konkurrenzfähig. "Die Entscheidung kann zwischen uns Vier fallen", meinte am Donnerstag auch Raul Fernandez. Ein potenzieller Gefahrenherd für Martin, den Rivola aber nicht auslöschen will. "Wenn ich gewinnen kann, werde ich versuchen zu gewinnen. Aktuell ist nur wichtig, dass ich für Trackhouse fahre und das Maximum für sie heraushole", bestätigte Fernandez, keine Rücksicht vor WM-Leader Martin nehmen zu müssen und auch Ai Ogura meinte, dass er nicht zurückstecken werde: "Wenn ich Jorge oder Bezz vor mir habe, werde ich natürlich nichts Dummes machen. Aber wenn ich das Gefühl habe, dass ich sie gefahrenlos überholen kann, werde ich das auch versuchen."

Ob sich die Aprilia-Piloten damit nicht vielleicht gegenseitig die Punkte wegnehmen und Marc Marquez zum Weltmeister machen werden? Möglich, aber gewiss nicht gesichert. Denn Gigi Dall'Igna sah das Dilemma des italienischen Rivalen am Donnerstag eher positiv. "Je mehr Fahrer du vorbei dabei hast, desto besser. Ich hätte lieber mehr als nur einen Fahrer vorne", schmunzelte er. Sollten viele oder gar alle Aprilias vor Marquez ins Ziel kommen, würde dieser schließlich auch wichtige Punkte verlieren, während Hilfe durch Francesco Bagnaia, Fabio Di Giannantonio, Alex Marquez oder Fermin Aldeguer zuletzt keine geleistet wurde. Ebenfalls ein Aspekt, der in den letzten Wochen der MotoGP-Saison 2026 vielleicht noch entscheidend werden könnte.

Doch nun seid ihr gefragt: Würdet ihr anstelle von Massimo Rivola eine Teamorder für Jorge Martin aussprechen oder alle Piloten bis zum bitteren Ende frei auffahren lassen? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!