MotoE

Erster MotoE-Test: Langsamer als Moto3, Smith mit Bestzeit

Die MotoE bestritt in Jerez ihren ersten Testfahrten. Die vollständige Zeitenübersicht und erste Reaktionen der Fahrer auf die neue Klasse.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Die MotoE testete von Freitag bis Sonntag in Jerez zum ersten Mal für die Debät-Saison 2019. Von den 18 Stammfahrern des kommenden Jahres waren 16 dabei, einzig der verletzte Xavier Simeon und Hector Garzo (er nahm am Finale der Moto2-EM in Valencia teil) fehlten.

Die Bestzeit schnappte sich MotoGP-Aussteiger Bradley Smith, der in 1:50,265 Minuten in der ersten der drei Sessions am Samstag die schnellste Rundenzeit setzte. In der gleichen Testeinheit fuhren auch die anderen Fahrer in den Top-5 des Gesamtklassements dieser Tests ihre Bestzeit.

Hinter Smith landeten Niki Tuuli, Mike Di Meglio, Matteo Casadei und Matteo Ferrari. Der Schweizer Jesko Raffin belegte am Freitag den siebenten Rang und musste anschließend zum Finale der Moto2-EM abreisen. Am Samstag und Sonntag wurde er durch den Deutschen Marvin Fritz ersetzt, der im Gesamtklassement an der 16. Position landete.

Pos Fahrer Team Zeit/Rückstand
1. Bradley Smith One Energy Racing 1:50,265
2. Niki Tuuli Ajo Motorsport +0,362
3. Mike Di Meglio Marc VDS +0,476
4. Matteo Casadei SIC58 Squadra Corse +0,620
5. Matteo Ferrari Gresini +1,383
6. Eric Granado Avintia +1,577
7. Kenny Foray Tech3 +1,588
8. Randy de Puniet LCR E-Team +1,641
9. Josh Hook Pramac +2,016
10. Niccolo Canepa LCR E-Team +2,110
11. Alex De Angelis Pramac +2,138
12. Jesko Raffin Dynavolt Intact +2,410
13. Lorenzo Savadori Gresini +2,424
14. Sete Gibernau Pons +2,552
15. Julian Miralles Avintia +2,680
16. Marvin Fritz Dynavolt Intact +3,090
17. Nico Terol Angel Nieto Team +3,569
18. Maria Herrera Angel Nieto Team +10,297
19. Luca Vitali SIC58 Squadra Corse +16,295

Insgesamt war das Feld noch weit auseinandergezogen. Zum Vergleich: Am Rennwochenende in Jerez lagen in der Moto3-Klasse nach den Trainings 22 Fahrer innerhalb von eineinhalb Sekunden. Bei den MotoE-Tests waren es nur die Top-5, die in einem Fenster von 1,5 Sekunden auf die Bestzeit lagen. Die größten Probleme hatte Rennlady Maria Herrera, die ihren Rückstand nicht unter zehn Sekunden drücken konnte.

Wie schnell ist die MotoE?

Da die Moto2 ebenfalls in Jerez unter den gleichen äußeren Bedingungen testete, ist der direkte Vergleich möglich, den die mittlere Kategorie gegen die Elektro-Klasse klar mit einem Vorsprung von fast achteinhalb Sekunden gewinnt. Dass die MotoE aber nicht an die Moto2 herankommen wird, war ohnehin klar. Bradley Smiths 1:50,265 lagen im indirekten Vergleich aber auch rund vier Sekunden über der Trainingsbestzeit der Moto3 im vergangenen Mai.

Damals fuhr Jorge Martin in Jerez eine 1:46,256. Sogar der Letztplatzierte der Trainings war damals schneller als die MotoE bei ihrem ersten Test: Livio Lois 1:49,106 hätten die MotoE-Zeiten um mehr als eine Sekunde unterboten. Somit ist zu erwarten, dass die neue Elektro-Serie die langsamste der vier Klassen sein wird. Der Grund dafür ist einfach: Mit 260 Kilogramm sind die Elektro-Bikes sehr schwer.

Was sagen die Fahrer nach dem Test?

Aufgrund des hohen Gewichts ist vor allem der Bremsvorgang für die meisten Fahrer noch gewöhnungsbedürftig. Für die Beschleunigung der 120 kW starken Motorräder gab es hingegen durchwegs Lob. Die Meinungen ausgewählter Piloten nach dem MotoE-Test in der Übersicht:

Bradley Smith: "Ich bin positiv überrascht. Wir verstehen schon ganz gut, was man bei diesen Motorrädern für eine gute Rundenzeit benötigt. Der Grip ist gut und wir können mit dem Bike schon an die Grenzen gehen. Die Zeiten im Trockenen und im Nassen unterscheiden sich nur um ca. fünf Sekunden. Das beweist unser gutes Niveau."

Sete Gibernau: "In den ersten Runden habe ich nach irgendeinem Geräusch gesucht. Ich bin seit zwölf Jahren nicht mehr mit einem Rennmotorrad auf der Strecke gewesen, daher habe ich sehr viel Respekt für alle Fahrer da draußen. Mein größter Gegner bin aktuell noch ich selbst. Ich muss fitter werden, wieder mehr trainieren und darauf aufpassen, was ich esse."

Jesko Raffin: "Das Bike ist deutlich schwerer als was ich bisher kannte, aber man merkt es gar nicht so extrem. Die Beschleunigung ist sehr speziell, allerdings gleicht es sich ein wenig aus in der Anfangsphase. Auch das Handling, die Bremsen und das Fahrwerk sind ziemlich gut, aber ich denke die Batterien müssten noch weiter entwickelt werden über den Winter, sodass man länger Power hat."

Lorenzo Savadori: "Das Motorrad ist nett, aber du brauchst einen völlig anderen Fahrstil. Auf der Bremse kannst du nicht so hart pushen und musst stattdessen eine saubere Linie fahren. Wir brauchen noch viele Runden mehr, bis wir alles richtig verstehen."

Nico Terol: "Wenn du das Gas aufziehst, kommt es sehr gut. Du hast viel Power und die Leistungsentfaltung ist stark. Wir hatten hier auch guten Grip."


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter