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Sebastian Balthasar: Seine kuriose Rückkehr in den Motorsport

Er fuhr bereits im Rahmenprogramm der Formel 1, dann war erst einmal komplett Feierabend mit dem Motorsport. So kämpfte sich Sebastian Balthasar zurück.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Die internationale Motosport-Szene blickt an diesem Wochenende (16.-18. April) nach Italien. Während die Formel 1 in Imola ihr zweites Saisonrennen austrägt, startet rund 270 Kilometer nordwestlich entfernt die GT World Challenge Europe ins Jahr 2021. Im Rahmen der GT3-Serie gastiert unter anderem die Lamborghini Super Trofeo, in der Sebastian Balthasar seine zweite Saison bestreitet.

Der 24-Jährige startet im Markenpokal für das deutsche Team Leipert Motorsport auf einem 610 PS starken Lamborghini Huracan ST Evo. Gemeinsam mit seinem Teamkollegen Noah Watt aus Dänemark will Balthasar in diesem Jahr nach der Meisterschaft greifen. Die Saison 2020 schloss der gebürtige Dormagener nach einem eng umkämpften Finale und seinem ersten Sieg in Paul Ricard auf dem vierten Gesamtplatz ab.

Bemerkenswert: In der vergangenen Saison gab Balthasar seine Rückkehr in den Rennsport - nach mehr als vier Jahren Auszeit! Zuletzt startete er über den Jahreswechsel 2015/16 in der MRF Challenge, wo er unter anderem auf Champion Pietro Fittipaldi oder Formel-1-Rookie Mick Schumacher traf. Sogar ins Rahmenprogramm der Formel 1 hatte es Balthasar bereits geschafft, als er 2014 ausgewählte Rennen für das Team Hilmer Motorsport in der GP3-Serie absolvierte.

Dann war erst einmal komplett Feierabend im Automobilsport, in den Balthasar 2012 im ADAC Formel Masters (heute ADAC Formel 4) eingetreten war. "Das war wirklich sehr schwer, aber ab einem bestimmten Punkt machte es einfach keinen Sinn mehr", erinnert sich Balthasar im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Wir haben im Kreise der Familie beschlossen, dass Job und Studium erst einmal Priorität haben. Das war ein harter Cut und der Motorsport hat mir auch extrem gefehlt."

Foto: Lamborghini

So musste der Rennsport, der Balthasar sein Leben lang begleitet hatte, erst einmal in die zweite Reihe rücken. Für den Nachwuchspiloten war aber immer klar: "Ich will zurück! Wegen des Studiums war das aber erst mal keine Option." Auch finanzielle Aspekte spielten - wie bei so vielen jungen Talenten - eine große Rolle.

Balthasar: "Wie soll man es im Formelsport ohne viel Geld ganz nach oben schaffen? Die Autos in den Nachwuchsklassen sind zwar gleich, trotzdem gibt es zwischen den Teams extrem große Unterschiede. Man denke nur mal an meine Saison damals in der GP3..."

Nach Abschluss des BWL-Studiums suchte Balthasar nach Möglichkeiten einer Rückkehr in den Motorsport - und fand sie in der Welt der im Vergleich zum Formelsport kostengünstigeren Sportwagen. Ein Einstieg in eine GT4-Serie stand ebenso im Raum wie das Debüt in der Lamborghini Super Trofeo Europe, die in diesem Jahr ihre 13. Saison bestreitet.

Im Markenpokal des italienischen Sportwagenbauers mit rund 30 Autos zählen Balthasar und Teamkollege Watt nach der überzeugenden Vorsaison zu den Meisterschaftsanwärtern. 2020 sicherte sich Dean Stoneman den Titel - auf den Briten mit seiner bewegten Lebensgeschichte traf Balthasar schon in der GP3, wo Stoneman hinter dem heutigen Formel-E-Piloten Alex Lynn die Vize-Meisterschaft gewann.

Foto: Lamborghini

Mit der Umstellung vom Formelauto auf den Lamborghini Huracan mit V10-Motor tat sich Balthasar leichter als erwartet, wie er Mitte 2020 bei ersten Testfahrten herausfand. "Der Sprung war nicht so groß wie gedacht", berichtet er. "Den Grundspeed oder den Umgang mit der Bremse konnte ich sehr gut adaptieren. Natürlich fehlt der Speed in den Kurven. Aber wenn du in Kurvenfahrten weißt, was zu tun ist, dann geht das schon."

Bei Lamborghini, das seit Jahren ein Ausbildungsprogramm für Rennfahrer betreibt, fühlt sich Balthasar gut aufgehoben. Mit weiterhin starken Leistungen kann er sich in Zukunft für ein Werkscockpit empfehlen, wie es in der Vergangenheit GT-Assen wie Mirko Bortolotti, Andrea Caldarelli oder Marco Mapelli gelungen ist.

"Ich will bei Lamborghini Fuß fassen", sagt Balthasar. "Man macht Motorsport nicht des Geldes wegen. Ich bin aktuell einfach froh, wenn ich so ein tolles Auto fahren kann. Aber natürlich muss man auch Einkommen generieren. Lamborghini hat ein klasse Juniorprogramm, so etwas kannte ich aus meinen Zeiten im Formelsport gar nicht. Ich will die Zusammenarbeit vertiefen, das ist mein mittelfristiges Ziel."

Foto: Lamborghini

Neben der Lamborghini Super Trofeo, die 2021 sechs Veranstaltungen mit je zwei Rennen auf Strecken wie Zandvoort, Spa oder dem Nürburgring bestreitet, hofft Balthasar auf weitere Einsätze. Ins Auge gefasst hat er ausgewählte Rennen in der Creventic 24H Series: "In der Super Trofeo will ich um den Titel kämpfen und mindesten drei Rennen in der Creventic sind das Ziel. Darauf arbeite ich mit dem Team hin."

In Zukunft peilt Balthasar einen Wechsel in den boomenden GT3-Sport an mit Autos, die ähnlich leistungsstark, aber aerodynamischer sind als die Lamborghini-Cup-Autos. Rennserien wie das ADAC GT Masters oder die GT World Challenge reizen Balthasar. "Langstrecken-Rennen finde ich mega", sagt er. "Rennen in Dubai oder natürlich auf dem Nürburgring, das ist das Ziel und gar nicht so weit weg."