IMSA

Kritik an langsamen Helfern - Unfall kurz vor Schluss: Braun klärt auf

Drei Tage nach dem Schock bricht Colin Braun sein Schweigen: Ein Kontrahent besiegelte das Schicksal 20 Minuten vor Schluss. Helfer und IMSA ernten Kritik.
von Heiko Stritzke

Motorsport-Magazin.com - Die 24 Stunden von Daytona gingen dramatisch zu Ende: 20 Minuten vor Schluss hatte Colin Braun, der zu diesem Zeitpunkt in der PC-Kategorie für einheitliche Oreca FLM09 in Führung lag, einen heftigen Unfall. Core Autosport wurde so um den Klassensieg gebracht und die Rennleitung musste eine Gelbphase kurz vor Schluss ausrufen. Aus den TV-Bildern ging nicht hervor, was eigentlich geschehen ist. Zunächst stand Braun in der Wiese, während zwei andere Fahrzeuge ebenfalls neben der Strecke parkten. Kurze Zeit später stand der Oreca von Core Autosport plötzlich stark beschädigt im Bereich der Bus-Stop-Schikane und fing Feuer.

Ich wollte dann einen langsam fahrenden Prototypen überholen. Es war ein leichtes Überholmanöver.
Colin Braun

Drei Tage später bricht Braun sein Schweigen: "Zunächst einmal möchte ich mich für die vielen Messages bedanken. Ich bin komplett in Ordnung", schreibt der 26-Jährige in seiner Kolumne bei Sportscar365. Tatsächlich besteht ein Zusammenhang zwischen seinen beiden Ausritten. So sei er zunächst von einem Prototypen im Infield ins Aus befördert worden, später brach infolge dieser Kollision die Radaufhängung im Oval und sorgte für den heftigen Crash.

Unfall 20 Minuten vor Schluss: (01:25 Min.)

Überrundeter Prototyp rammt Braun von der Strecke

Der zweifache Meister der PC-Kategorie in ALMS und USCC erklärt den Unfallhergang detailliert: "Wir haben eigentlich nur die Runden gemütlich abgespult, da wir einen guten Vorsprung auf Tom [Kimber-Smith] hatten und versucht, uns klug durch den Verkehr zu schlängeln. Ich wollte dann einen langsam fahrenden Prototypen überholen. Es war ein leichtes Überholmanöver. Ich weiß nicht, was dann in der nächsten Kurve passiert ist, ob der Kerl seinen Bremspunkt verpasst hat oder was auch immer, jedenfalls ist er mir ziemlich hart hinten rechts drauf geknallt und hat mich umgedreht."

Bis zum Unfall lief das Rennen für Core Autosport perfekt - Foto: IMSA

Braun verbrachte daraufhin einige Sekunden in der Wiese und versuchte verzweifelt, auf die Strecke zurückzukommen. Ein großer Teil des einminütigen Vorsprungs auf den ärgsten Verfolger war dahin. Ärgerlich, doch noch immer lag Core Autosport auf Siegkurs. Aber der Unfall hatte Folgen: "Leider hat die Kollision ein Teil der Hinterradaufhängung angeknackst. Ich konnte weiterfahren und bog gerade in die Bus Stop ein. Alles fühlte sich okay an, aber als ich wieder auf das Banking fuhr, kollabierte die Aufhängung komplett, was mich in die Wand geschickt hat."

Langsamkeit bei Rettungstrupps und Rennleitung

Ich bin mir sicher, dass der der Reaktionszeitrahmen etwas ist, das die IMSA genau analysieren und adressieren wird.
Colin Braun

Der Unfall habe zwar heftig ausgesehen, sei aber im Vergleich zu dem, was er in seiner NASCAR-Karriere erlebt habe, eher harmlos gewesen, lässt der US-Amerikaner verlauten. Trotzdem übt er Kritik an der Langsamkeit der Helfer und der Rennleitung: "Für mich fühlte es sich so an, als habe es eine ganze Weile gedauert, bis die Feuerlösch-Fahrzeuge eintrafen." Er selbst habe den Brand, der kurze Zeit später die gesamte Heckpartie einnahm, nur für ein kleines Ölfeuer gehalten und habe daher das Fahrzeug nicht überhastet verlassen wollen: "Ich wollte nicht, dass irgendwer auf den Trümmern oder dem Öl ausrutscht und mich über den Haufen fährt, während ich das Auto verlasse."

Erst als er realisierte, dass das Feuer doch größer war als ursprünglich angenommen, trat Braun die Flucht an. Dass zu diesem Zeitpunkt das Rennen noch mit voller Geschwindigkeit lief, ist für ihn ein Unding. "Ich bin mir sicher, dass der der Reaktionszeitrahmen etwas ist, das die IMSA genau analysieren und adressieren wird", drückt er seinen Unmut diplomatisch aus. Bitter war es für Core Autosport allemal: Der Klassensieg war damit futsch. Doch Braun und seine Teamkollegen Jon Bennett, Mark Wilkins und James Gue hatten Glück im Unglück: Aufgrund der zurückgelegten Distanz wurden sie als Dritte ihrer Klasse gewertet.


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