Der 26.07.2003 - für Bernd Schneider bis vor wenigen Stunden noch ein denkwürdiges Datum. An jenem Tag fuhr Schneider, im engen Meisterschaftskampf gegen Christijan Albers befindlich, beim sechsten Lauf der Saison 2003 in Donington seine 23. Pole Position ein, die für mehr als zwei Jahre seine bislang letzte sein sollte. In den beiden folgenden Jahren wurde der vierfache DTM-Meister von einer unübersehbaren Super-Pole-Schwäche geplagt - die er allerdings, ebenso unübersehbar, nun abzulegen scheint.
Doch nicht nur für Bernd Schneider stellt die heutige Pole Position einen unerwarteten Triumph dar; auch sein Arbeitgeber Mercedes galt nicht unbedingt als unangefochtener Favorit für das Qualifying in Zandvoort. Und so konnte es zunächst kaum überraschen, dass mit Gary Paffett, Bernd Schneider und Jamie Green lediglich drei Piloten in die Super Pole einzogen, während Alexandros Margaritis und Jean Alesi im Qualifying für Pannen und Peinlichkeiten sorgten:
Nachdem Jean Alesi in der Marlboro-Kurve die Kontrolle über seine C-Klasse verloren und einen Abbruch der Session verursacht hatte, tat es ihm Mücke-Pilot Alexandros Margaritis wenig später gleich, als auch er seinen Vorjahresboliden unfreiwillig im Kiesbett parkte. Damit nicht genug: Kurz vor Beginn der Super Pole hatte sich Sportchef Norbert Haug gegenüber den ARD der eher unangenehmen Frage zu stellen, wieso Alesi nach seinem Unfall sein Team öffentlich der unterlassenen technischen Unterstützung bezichtigt hatte...
Mehr als die Frage des ARD-Reporters waren da bereits die Geschehnisse der Super Pole geeignet, um Haug einen freundlicheren Gesichtsausdruck zu verleihen: Zwar sprang für Titelanwärter Gary Paffett nur der vierte Rang heraus; auch Jamie Green platzierte seinen Persson-Mercedes mit Platz sechs nur im vorderen Mittelfeld. Doch bereits nachdem Bernd Schneider als sechster startberechtigter Pilot der Super Pole Mattias Ekströms Bestzeit unterboten hatte, hellte sich die Miene Haugs sichtlich auf.
Nachdem sich Tom Kristensen, Erster des Qualifyings, nach einer Sektorenbestzeit einen folgenschweren Fehler erlaubt hatte, war die Sensation perfekt. Zwar erschiene es auch nach den Ergebnissen der Super Pole noch fragwürdig, Mercedes zur ersten Kraft in Zandvoort zu erklären - dennoch scheinen sich die Stuttgarter in den Tests und Freien Trainings heimlich, still und leise eine gelungene Abstimmung erarbeitet zu haben, die die konzeptionell für den Dünenkurs zunächst wenig prädestinierte C-Klasse zum Niveau der Konkurrenz aufsteigen lässt. Die Operation "Vom Underdog zum Sieganwärter" ist zweifelsohne vortrefflich geglückt.

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