DTM

Schwierig zu handlen - Gelbe Flaggen: Piloten über Regelung verärgert

Die DTM-Piloten sind mit der aktuellen Regelung, unter gelben Flaggen eine halbe Sekunde langsamer fahren zu müssen, alles andere als glücklich.
von Philipp Schajer & Frederik Hackbarth

Motorsport-Magazin.com - Gary Paffett war sauer. Eigentlich hatte der Lokalmatador in Brands Hatch den dritten Platz belegt und freute sich bereits, nach geglückter Aufholjagd den Gang auf das Podium anzutreten, doch dann kam der Schock: Weil der Mercedes-Pilot im Zuge einer Gelb-Phase zu schnell unterwegs war, wurde ihm nach dem Ende des Rennens eine Strafe von fünf Sekunden auferlegt, womit er auf den sechsten Platz zurückfiel. Wie kam es dazu? Das neue Reglement sieht vor, dass die Piloten im Falle von gelben Flaggen ihr Tempo im jeweiligen Sektor um eine halbe Sekunde reduzieren müssen - sonst bekommen sie eine Strafe aufgebrummt. "Das ist eine dumme Regel", machte Paffett seinem Ärger bei Motorsport-Magazin.com Luft. "Das ist keine sichere, sondern eine gefährliche Regel. Das ist einfach unmöglich zu wissen mit dieser halben Sekunde. "

Das ist keine sichere, sondern eine gefährliche Regel
Gary Paffett

Mit dieser Sicht der Dinge steht der Brite keinesfalls alleine da, denn hörte man sich nach dem Rennen im Fahrerlager von Brands Hatch um, erntete man ob der vorherrschenden Regelung in erster Linie Unverständnis. "Das ist definitiv schwierig zu handlen", meinte etwa Dirk Werner gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Wenn es gelbe Flaggen gibt, sollte man das Tempo natürlich verlangsamen, um die Fahrer und Streckenposten zu schützen, aber eine halbe Sekunde einzuhalten ist schon ziemlich schwer." Theoretisch sei der Ansatz zwar eine gute Idee, da alle Fahrer gleich viel Zeit verlieren würden, aber es hapere an der praktischen Umsetzung, klagte Werner. "Ich hoffe, dass man es mit der Erfahrung besser in den Griff bekommt, aber momentan ist es schwierig."

Auch Bruno Spengler gab zu, dass es nicht so einfach sei, das Tempo um eine halbe Sekunde zu reduzieren, allerdings stelle es auch keine unlösbare Aufgabe dar. "Ich bin wirklich auf Nummer sicher gegangen, habe viel gelupft und mehr als eine halbe Sekunde verloren", erklärte der Kanadier. "Wir müssen eine Lösung finden, damit wir langsamer fahren. Ich habe es geschafft und es gibt keinen Grund, warum man es nicht schaffen sollte." Ähnlich sah Joey Hand die Lage. "Ich war zu langsam, aber ich hatte die Wahl: Versuche ich es und bekomme vielleicht eine Strafe oder fahre ich zu langsam und bin auf der sicheren Seite", so der Amerikaner. "Ich war viel zu langsam, habe aber ohne Strafe überlebt. Jeder muss erst mal herausfinden, wie er am besten damit umgeht."

Auf jeder Strecke gleich

Besonders kritisch sahen die Piloten die Tatsache, dass der Strafrahmen streckenunabhängig fünf Sekunden beträgt - egal ob in Hockenheim oder auf dem lediglich knapp zwei Kilometer langen Indy Circuit von Brands Hatch. "Das ist falsch", schüttelte Andy Priaulx den Kopf. "In Hockenheim bekommt man bei einer Rundenzeit von 1:30 Minuten fünf Sekunden und hier ist es das Gleiche." Filipe Albuquerque konnte dem nur zustimmen. "Fünf Sekunden auf so einer kurzen Strecke sind zu viel."

Fünf Sekunden auf so einer kurzen Strecke sind zu viel
Filipe Albuquerque

Die Aufregung wäre wohl nicht ganz so groß gewesen, würden die Piloten über ausreichend technische Hilfsmittel verfügen, um das Tempo wie vorgeschrieben zu reduzieren, doch sie erhalten auf ihrem Display im Cockpit lediglich die Rundenzeit des letzten Umlaufs angezeigt, als Vergleichswert gilt aber jene Runde, in der es zuletzt keine gelben Flaggen gab, die sogenannte Referenzrunde - gerade in Brands Hatch problematisch. "Der Ingenieur sagt einem, dass man eine 43,7 oder so fahren muss, was einem nicht wirklich hilft", meinte Jamie Green, der sich auch über die Sicherheit Gedanken machte. "Wenn man bremst und ein Auto hinter sich hat, wird es gefährlich. Das ist einfach dumm."


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