Dakar

Titelverteidiger zurück im Spitzenkampf - Motorräder: Barreda und Coma duellieren sich

Bei der Dakar läuft allmählich alles auf ein Duell zwischen Hondas Joan Barreda und KTM-Ass Marc Coma hinaus. Am Mittwoch dominierte das Duo die 4. Etappe.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Joan Barreda baute seine Führung auf der vierten Etappe der Dakar mit einem Tagessieg aus. Honda konnte seine Doppelspitze in der Gesamtwertung allerdings nicht behaupten, da Titelverteidiger Marc Coma dank eines zweiten Platzes am Mittwoch im Gesamtklassement Paulo Goncalves überholte und nun Zweiter ist.

4. Etappe: Chilecito - Copiapo

(Verbindung: 594 km, Prüfung: 315 km, Verbindung Biwak: 0 km)

Frühmorgens ging es für die Motorradpiloten am Mittwoch los. Vor der 315 Kilometer langen Sonderprüfung stand eine 594 Kilometer lange Verbindungsetappe von Argentinien nach Chile auf dem Programm. Dabei mussten die Fahrer die Anden überwinden und kletterten dabei auf bis zu 4.800 Meter Seehöhe.

Die Wertung startete ebenfalls mit einem Anstieg, der die Piloten auf über 3.500 Meter brachte. Im Anschluss folgte ein wilder Wechsel zwischen Aufstiegen und Abfahrten, ehe auf den letzten 60 Kilometern zwei anspruchsvolle Dünenstücke warteten. Vortagessieger Matthias Walkner konnte diesmal nicht um den Etappensieg mitkämpfen.

Matthias Walkner verlor am Mittwoch viel Zeit - Foto: Shakedown Team

Der Österreicher ging als Erster auf die Strecke, wurde aber schon vor dem ersten Checkpoint von Joan Barreda und Marc Coma überholt. Bis zur Hälfte der Etappe konnte er seinen Rückstand auf fünf Minuten halten und lag bei einigen Zwischenzeiten sogar auf Rang drei hinter Barreda und Coma. Kurz nach Halbzeit der Etappe unterlief Walkner aber ein kleiner Navigationsfehler, der ihn einige Minuten kostete. Bis ins Ziel war sein Rückstand auf den Sieger Barreda auf über 22 Sekunden angewachsen, womit der Dakar-Neuling die Top-20 im Tagesklassement verpasste.

Barreda und Coma souverän

Tagessieger Barreda dominierte von Beginn an und lag bei jeder einzelnen Zwischenzeitmessung auf Platz eins. Einzig KTM-Star Coma konnte das Tempo seines Landsmanns mitgehen und verlor bis ins Ziel nur 1:59 Minuten auf den Tagessieger. In der Gesamtwertung brach Coma damit Hondas Doppelführung, da Barredas Teamkollege Paulo Goncalves bereits auf den ersten Anstiegen über zehn Minuten verlor und mit fast 15 Minuten Rückstand ins Ziel kam.

Probleme hatten auch die beiden KTM-Fahrer Toby Price und Sam Sunderland. Price unterlief ein Navigationsfehler, Sunderland musste sein Motorrad sogar früh in der Etappe komplett abstellen. In der Tageswertung ging Platz drei somit an den chilenischen Lokalmatadoren Pablo Quintanilla, der vor seinen Merkenkollegen Jordi Viladoms und Ruben Faria ins Ziel kam.

Achtungserfolg für die schnellste Dame

Eine starke Leistung zeigte die Spanierin Laia Sanz Pla-Giribert, die ihre Honda hinter Javier Pizzolito und Alain Duclos auf Platz acht pilotierte und dabei nur 13:48 Minuten auf Sieger Barreda verlor. Der Slowake Stefan Svitko und Michael Metge aus Frankreich komplettierten die Top-10.

Laia Sanz Pla-Giribert erwischte einen starken Tag - Foto: ASO

In der Gesamtwertung wachsen die Abstände allmählich. Barreda liegt nun 12:49 Minuten vor Coma und 20:29 Minuten vor Goncalves. Faria führt mit 23 Minuten Rückstand eine KTM-Armada aus Viladoms, Quintanilla, Price und Walkner besteht. Letzterer fiel auf der anspruchsvollen Etappe vom dritten auf den achten Rang zurück und hält nun bei 33 Minuten Rückstand auf Barreda.

Ergebnis: 4. Etappe Motorräder (Top-10)

1. Joan Barreda Bort (Honda) 3:27:28 Stunden
2. Marc Coma (KTM) + 0:01:59
3. Pablo Quintanilla (KTM) +0:02:49
4. Jordi Viladoms (KTM) +0:10:44
5. Ruben Faria (KTM) +0:10:55
6. Javier Pizzolito (Honda) +0:11:29
7. Alain Duclos (Sherco) +0:12:51
8. Laia Sanz Pla-Giribert (Honda) +0:13:51
9. Stefan Svitko (KTM) +0:13:51
10. Michael Metge (Yamaha) +0:14:32

Gesamtwertung: Motorräder 4/13 (Top-10)

1. Joan Barreda Bort (Honda) 13:10:33 Stunden
2. Marc Coma (KTM) + 0:12:49
3. Paulo Goncalves (Honda) +0:20:29
4. Ruben Faria (KTM) +0:23:05
5. Jordi Viladoms (KTM) +0:24:51
6. Pablo Quintanilla (KTM) +0:30:42
7. Toby Price (KTM) +0:32:05
8. Matthias Walkner (KTM) +0:33:28
9. Alain Duclos (Sherco) +0:36:31
10. Helder Rodrigues (Honda) +0:39:05

Stimmen nach der 4. Etappe

Joan Barreda Bort, Etappensieger: Ich bin erfreut. Der erste Teil der Etappe war sehr schnell, aber kompliziert. Marc lag voran und es war sehr schwierig, mit ihm mitzuhalten. Ich bin fokussiert und motiviert geblieben. Ich habe ihn bei km 100 eingeholt und bin mit einer soliden Pace weitergefahren. In den Dünen war die Navigation schwierig. Marc und ich kamen zusammen ins Ziel. Ich habe eine gute Strategie. Wir haben es unter Kontrolle. Die nächsten Tage werden extrem hart. Es liegt noch ein gutes Stück der Dakar vor uns und wir wissen, dass noch knifflige Situationen warten. Wir wissen, dass wir eine starke Pace hinlegen werden, wenn wir eine Auge auf Marc haben, denn er ist die Referenz.

Marc Coma, 2. Etappenplatz: Es war eine zermürbende Etappe mit viel Navigationsarbeit. Ich startete als Zweiter. Ich wusste, dass ich Fehler um jeden Preis vermeiden musste, wenn man meinen Platz im Gesamtklassement in Betracht zieht. Ich habe versucht, so schnell wie möglich zu fahren und hatte bald die offene Straße vor mir. Schlussendlich habe ich den ganzen Tag an der Spitze verbracht. Der erste Teil war ziemlich hart. Matthias hat sich zu Beginn der Etappe verfahren. Der letzte Teil hatte viele Richtungsänderungen. Ich werde diese solide Pace beibehalten, werde aber versuchen, die anderen in Fehler zu treiben und hoffe, dass ich nicht selbst welche begehe.

Matthias Walkner, 21. Etappenplatz: Ich habe das Rennen heute eröffnen müssen und bin eigentlich relativ gut losgestartet. Bei Kilometer 15 war dann aber eine Passage, wo ich mir nicht ganz sicher war. Ich wäre dann zwar richtig gewesen, habe mir aber gedacht, bevor der Marc (Coma) lange im Staub fährt oder ich sogar flasch bin, warte ich um von ihm zu lernen. Ich habe dann versucht ihm zu folgen und eine Rhythmus zu finden, der Abstand wurde dann aber allmählich größer. Ich musste dann ziemlich schnell wieder selbst navigieren, hatte jetzt aber zumindest ein Spur, mit der ich mich vergewissern konnte ob ich am richtigen Weg bin. Bis Kilometer 200 ist es dann wieder richtig gut gelaufen und ich habe geschätzt nur weitere drei Minuten verloren. Dann ging es in die Dünen, wo ich dann bei den unzähligen Spuren der Zuschauer einmal falsch abgebogen bin und nicht mehr auf den richtigen Weg zurückgefunden habe. Ich musste dann rund zehn Minuten auf den vierten Fahrer warten, den ich dann wieder nachfahren konnte bis zu einer Stelle, wo ich meine Kilometer wieder kalibrieren konnte. Am Schluss haben wir uns dann gemeinsam noch einmal alle verfahren und ich hatte im Ziel dann etwas mehr als 22 Minuten Rückstand, es kann halt nicht immer so laufen wie die ersten drei Tage. Im Großen und Ganzen habe ich aber wieder was dazugelernt und unterm Strich hat es einigermaßen gepasst.


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