Kiefer Racing hat Teams in der WM und in der IDM. Was für Ziele strebt man damit an?
Stefan Kiefer: Mit dem Juniorenteam ist das Ziel, über kurz oder lange junge talentierte Deutsche in die WM zu führen und mit ihnen erfolgreich zu sein. Das ist das einzige Ziel, warum wir das machen. Es ist uns dieses Jahr finanziell einigermaßen möglich gewesen, das zu realisieren - im vorigen Jahr auch schon mit einem Fahrer. In der Vergangenheit haben wir schon gezeigt, dass das funktioniert, beispielsweise mit Christian Gemmel, den wir in die WM geführt haben - und auch mit anderen deutschen Fahrern. Wir haben immer versucht, das Beste daraus zu machen.

Nun stellt sich die Frage, wie im kommenden Jahr die Fahrer-Aufstellung aussehen wird. Stefan Bradl ist in Schleiz für das 125er-WM-Team bekannt gegeben worden, über Robin Lässer gibt es Spekulationen. Wie sieht es aus?
Stefan Kiefer: Es wird noch mit mehreren Leuten gesprochen. Im Moment ist das alles noch ein bisschen verfrüht. In Brünn werden wir noch Gespräche darüber führen, wie die Zukunft wird, auch mit unseren 250er-Fahrern. Im Moment ist alles noch offen, was einen zweiten Fahrer angeht. Wir haben bis jetzt einen Vertrag mit Stefan Bradl gemacht. Wir wollen auf jeden Fall mit zwei Fahrern in die WM. Ob das letztendlich ein zweiter Fahrer in der 125er oder 250er ist, steht noch offen. Vielleicht lässt sich nach Brünn ein bisschen mehr sagen.

Also lässt sich auch über Robin Lässer noch nichts sagen?
Stefan Kiefer: Derzeit noch nicht, nein.

Die 250er-Mannschaft ist damit auch noch nicht sicher Geschichte?
Stefan Kiefer: Die ist noch nicht sicher aus der Welt, würde ich sagen. Wie gesagt, in Brünn will ich mit unseren Fahrern reden, ich will aber auch mit IRTA und Dorna sprechen. Denn die haben auch ihre Richtungen, in denen sie Teams platzieren wollen. Deswegen ist es im Moment noch etwas verfrüht, zu sagen, das ist der zweite Fahrer und in dieser Klasse wird er antreten.

Mit Marvin Fritz und Robin Lässer sind in der IDM zwei hoffnungsvolle Talente für Kiefer Racing unterwegs, Foto: IDM
Mit Marvin Fritz und Robin Lässer sind in der IDM zwei hoffnungsvolle Talente für Kiefer Racing unterwegs, Foto: IDM

Das Geld ist im professionellen Motorsport leider immer ein Thema. Wie schwierig gestaltet sich die Sponsorensuche für Kiefer Racing?
Stefan Kiefer: Es ist auf der einen Seite sicher nie einfach, auf der anderen Seite hatten wir in der Vergangenheit immer Sponsoren, die hinter uns standen und langfristig mit uns zusammen gearbeitet haben. Deswegen will ich jetzt nicht behaupten, dass es sehr schwer war. Es haben sich im Laufe der Jahre Kontakte entwickelt und mit der Zeit sogar Freundschaften und deshalb machen diese Leute auch immer gerne mit uns weiter. Von dieser Seite war es für uns eigentlich immer machbar, eine WM zu finanzieren. Dieses Jahr ist es so, dass es bei Stefan Bradl auch sehr gut funktioniert. Stefan bringt von sich aus den Hauptsponsor mit, das ist die Firma Grizzly Gas, die ihn jetzt schon unterstützt. Sie werden im kommenden Jahr bei Stefan in jedem Fall der Hauptsponsor sein und damit ist für ihn das Budget für die kommende Saison soweit klar.

Ohne Werksunterstützung ist es in der WM bekanntlich auch schwierig. Welche Ziele setzt man sich dann, wenn man weiß, man hat nicht das Material der Werksteams?
Stefan Kiefer: Das ist natürlich begrenzt. In der 250er-WM war es für uns dieses Jahr einfach so, dass wir uns das Ziel gesetzt haben, in die Punkte zu fahren. Das ist letztlich hier und da auch mit beiden Fahrern geglückt. Bei 17 Werksmotorrädern ist in der 250er-Klasse definitiv nicht mehr drin. Das war für uns mit ein Grund, auch in die 125er zu gehen - auch mit einem guten Fahrer, den wir jetzt haben. In der 125er-Klasse ist das Material viel enger beieinander. Das heißt, die Unterschiede zwischen den Motorrädern - also Werks-, Semi-Werks- und Kit-Motorrad - sind relativ gering. Wir versuchen, für Stefan für kommendes Jahr sogar ein Werks-Motorrad zu bekommen.

Bei Stefan hat es auch geheißen, er soll in diesem Jahr noch bei Blusens Aprilia Einsätze bekommen. Wie sieht es damit aus?
Stefan Kiefer: Bis vorige Woche war es eigentlich noch fix, dass Stefan die restlichen Saisonrennen fahren kann. Er sollte Hugo van den Berg ersetzen. Es gab aber wohl irgendwelche Probleme - die genauen Internas kenne ich aber nicht. Ich wurde nur von Helmut Bradl darauf hingewiesen, dass er in Brünn zumindest einmal nicht fährt. Was mit den letzten sechs WM-Läufen ist, kann ich nicht sagen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er die für Blusens noch fährt, was ich sehr begrüßen würde. Dadurch würde er im Training bleiben und die Überseerennen fahren, die er teilweise noch nicht kennt - wie Japan oder Australien. So gesehen wäre es ganz gut, wenn er die fahren könnte.

Die spanische Meisterschaft ist aber definitiv noch auf dem Plan?
Stefan Kiefer: Natürlich. Der Stefan fährt die spanische Meisterschaft zu Ende. Er führt sie im Moment an und soll sie auch gewinnen. Die wird so oder so komplett beendet.

Nachdem es euer Ziel ist, junge deutsche Talente zu fördern, wie siehst du allgemein die Nachwuchsarbeit in Deutschland?
Stefan Kiefer: Sie ist mit Sicherheit nicht auf dem Niveau, wie sie in Spanien betrieben wird. Das ist einfach aus dem Grund so, weil die Industrie und die Sponsoren bei uns nicht so massiv hinter dem Sport stehen, wie das in Spanien der Fall ist. Auf der anderen Seite ist die IDM 125 keine schlechte Klasse. Es gehen auch einige mittlerweile durch die spanische Meisterschaft. Es gibt hier in Deutschland einige Talente, die ausbaufähig sind und wo es der eine oder andere schaffen kann, sich in der WM zu etablieren. So gesehen, ist es im Moment eigentlich OK - nicht supergut, aber auch nicht aussichtslos.

Robin Lässer zeigt immer, wie schnell er ist, Foto: IDM
Robin Lässer zeigt immer, wie schnell er ist, Foto: IDM

Wichtig für die Begeisterung für eine Sportart sind auch Idole, wie ein Michael Schumacher oder Valentino Rossi. Siehst du einen Deutschen, der das im Motorradsport bewirken könnte?
Stefan Kiefer: Da haben wir sicherlich nicht viel. Ein Dirk Heidolf, der jetzt sechs Jahre dabei ist, ist von der Schiene, ein Idol zu sein, sicher ein bisschen entfernt. Ähnlich ist das bei Alex [Hofmann]. Dafür muss man Gesamtplätze um eins bis drei holen. Welche Fahrer können das in Zukunft erreichen? Das ist möglicherweise realisierbar durch Sandro Cortese oder durch Stefan Bradl. Wir glauben, Stefan ist zu allem fähig. Nach unserem Geschmack ist er ein sehr talentierter Fahrer und mit der richtigen Betreuung und dem richtigen Material können wir mit ihm alles erreichen. Menschlich ist er ein super Typ, der in ein paar Jahren, wenn er in der WM unter den ersten Drei sein sollte, sicher auch ein Idol für junge Leute sein kann.

Das hat auch Alberto Puig so gesehen, mit dem die Zusammenarbeit eben nicht so funktioniert hat. Aber wenn er das sagt, dann heißt das schon was, oder?
Stefan Kiefer: In jedem Fall. Stefan ist ein hoch talentierter Fahrer und wir werden alles daran setzen, ihn ganz nach vorne zu bringen.

Wie würdest du die anderen Talente in deinen Teams einschätzen? Es gibt da noch Robin Lässer und Marvin Fritz.
Stefan Kiefer: Sie sind natürlich beide große Talente, sonst hätten wir sie auch gar nicht bei uns fahren lassen. Wir versuchen, Leute zu engagieren, bei denen man davon ausgehen kann, dass sie in Zukunft etwas erreichen können. Das ist bei beiden gegeben. Robin Lässer wurde voriges Jahr deutscher Meister. Er ist in diesem Jahr zwar noch nicht ganz so weit vorne, wie wir uns das vorgestellt haben, er ist aber auch erst in der Mitte der Saison dazugekommen. Er war "weit weg" vom Motorradsport und so gesehen bin ich zufrieden mit ihm, denn er zeigt immer, dass er sehr, sehr schnell ist. Marvin ist mit seinen 14 Jahren ein sehr großes Talent, das im Vergleich zum Vorjahr einen wirklich großen Schritt gemacht hat. Er wird nächstes Jahr definitiv noch einmal bei uns in der IDM unterwegs sein und wir hoffen, dass er um den Titel mitfahren kann. Beide sind Talente, die es verdient haben, einmal in die WM zu kommen.

Du arbeitest hart an der Zukunft des deutschen Motorradsports. Was wäre deine ideale Zukunftsvision?
Stefan Kiefer: Da wäre als allererstes sportlicher Erfolg. Das ist unser Ziel und das wollen wir in den nächsten zwei Jahren erst einmal mit Stefan Bradl erreichen. Wir wollen über die 125er-Schiene erfolgreich in der Motorrad-Weltmeisterschaft werden. Wir peilen ganz klar Plätze zwischen eins und drei an. Wenn uns das gelingen sollte, dann kann man auch über den nächsten Schritt nachdenken, mit Werksmotorrädern in die nächst höhere Klasse zu gehen. Denn nur mit einem Kit-Motorrad ist man in der 250er chancenlos. Was ein Daniel Epp mit Thomas Lüthi erreicht hat, das wäre eine Sache, die uns ganz gut gefallen würde. Das wäre das, was wir zu erreichen versuchen.