Wer den Tesla Roadster von 2017 noch vor Augen hat, dürfte beim neuen Entwurf zweimal hinschauen. Damals zeigte Tesla einen flachen, elegant gezeichneten Sportwagen mit fließenden Linien und klassischen Supersportwagen-Proportionen. Neun Jahre später präsentiert sich der Nachfolger deutlich aggressiver: scharfkantig, keilförmig und mit einer Formensprache, die eher an den Cybertruck als an einen klassischen Sportwagen erinnert.
Dabei sollte der Roadster längst mehr sein als ein futuristisches Versprechen. Als Tesla den elektrischen Zweisitzer im November 2017 vorstellte, sorgten die angekündigten Fahrleistungen für Aufsehen. Seither ist viel Zeit vergangen, das Serienauto lässt weiter auf sich warten – und inzwischen scheint auch das ursprüngliche Design Geschichte zu sein. Statt den damaligen Entwurf behutsam weiterzuentwickeln, schlägt Tesla optisch einen völlig neuen Weg ein.

Vom eleganten Sportwagen zum kantigen Cybertruck-Bruder
Das Konzept von 2017 setzte auf eine lange, flache Silhouette, weiche Übergänge und eine vergleichsweise zurückhaltende Gestaltung.

Der neue Entwurf verfolgt einen anderen Ansatz. Die Karosserie wirkt kantiger, die Front technischer und die Lichtgrafik deutlich moderner. Scharfe Linien und ausgeprägte aerodynamische Elemente prägen das Erscheinungsbild. Der Einfluss des Cybertruck ist dabei kaum zu übersehen. Tesla scheint die eigene Designsprache, die bei den jüngeren Modellen immer eigenwilliger geworden ist, nun auch auf seinen Supersportwagen zu übertragen.
Natürlich sind neun Jahre in der Automobilentwicklung eine lange Zeit. Ein Konzeptfahrzeug ist schließlich keine fertige Serienkonstruktion, und technische Anforderungen können erhebliche Änderungen notwendig machen. Trotzdem bleibt der Eindruck eines radikalen Bruchs.

Tesla Roadster: Fahrleistungen, die kaum noch realistisch klingen
Beim Antrieb verspricht Tesla ohnehin keine gewöhnliche Sportwagen-Erfahrung. Nach den vorliegenden Angaben soll der neue Roadster in weniger als einer Sekunde von null auf 60 mph (96 km/h) beschleunigen. Damit würde Tesla eine Marke ins Visier nehmen, die selbst für leistungsstarke Elektroautos außergewöhnlich ambitioniert ist.
Solche Werte klingen spektakulär, müssen aber richtig eingeordnet werden. Bislang handelt es sich um Leistungsversprechen und nicht um unabhängig bestätigte Messwerte eines serienreifen Fahrzeugs. Ob der Roadster diese Beschleunigung tatsächlich erreicht und unter welchen Bedingungen sie möglich sein wird, bleibt abzuwarten.

Tesla will sich offenbar ohnehin nicht mit klassischen Sportwagen-Maßstäben zufriedengeben. Das Unternehmen stellt ein Fahrzeug in Aussicht, das nicht nur auf der Geraden extrem schnell sein soll, sondern auch in Kurven neue Maßstäbe setzt. Genau dafür ist eine der ungewöhnlichsten technischen Ideen des Roadsters vorgesehen.
Ein Ventilator soll den Tesla auf die Straße saugen
Ein Sportwagen braucht nicht nur Leistung, sondern auch Grip. Je schneller er durch eine Kurve fährt, desto entscheidender werden Reifen, Fahrwerk und aerodynamischer Anpressdruck. Tesla will dieses Zusammenspiel beim Roadster offenbar auf eine ungewöhnliche Weise erweitern: Ein Ventilator unter dem Fahrzeug soll Luft absaugen und den Wagen dadurch stärker auf die Fahrbahn drücken.
Nach Angaben des Unternehmens soll das System Anpresskräfte erzeugen, die Kurvenbeschleunigungen von bis zu 2 g ermöglichen. Das wäre ein außergewöhnlich hoher Wert für ein Straßenfahrzeug. Die Idee erinnert an Konzepte aus dem Motorsport, bei denen ein Unterdruck unter dem Fahrzeug zusätzlichen Grip erzeugt.

Damit könnte Tesla versuchen, ein Problem leistungsstarker Elektroautos anzugehen: enorme Beschleunigung mit kontrollierbarem Kurvenverhalten zu verbinden. Denn selbst wenn ein Elektromotor seine Kraft blitzschnell bereitstellt, muss diese Leistung erst einmal auf die Straße gebracht werden.
Ob das Ventilatorsystem tatsächlich in der angekündigten Form kommt, wie es bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten arbeitet und welche Auswirkungen es auf Gewicht, Energieverbrauch und Alltagstauglichkeit hat, ist allerdings noch offen.
SpaceX-Schubdüsen im Tesla Roadster: Kann der Elektro-Sportwagen wirklich fliegen?
Als wäre ein Ventilator unter dem Auto nicht ungewöhnlich genug, kommt auch SpaceX ins Spiel. Tesla stellt für den Roadster eine Technologie mit Schubdüsen in Aussicht, die das Fahrzeug noch extremer machen soll. Die Vorstellung, dass ein Elektro-Sportwagen nicht nur beschleunigt, sondern mithilfe von Raketentechnik zusätzliche Kräfte erzeugt, klingt beinahe wie aus einem Science-Fiction-Film – und wenn man die Vorstellung des Fahrzeugs online mitverfolgt hat, traut man seinen Augen kaum und meint, die Amerikaner haben da wohl mit KI etwas nachgeholfen. Der gezeigte Stunt wurde aber offiziell so bestätigt.

Tesla Roadster als letztes Fahrerauto? Elon Musk setzt auf manuelles Fahren
Interessant ist auch die Rolle, die Tesla dem Roadster innerhalb der eigenen Modellpalette zuschreibt. Während das Unternehmen bei seinen übrigen Fahrzeugen immer stärker auf automatisierte Fahrfunktionen setzt, soll der Roadster bewusst ein Auto für Menschen bleiben, die selbst fahren wollen.

Elon Musk bezeichnete ihn als das Auto, das Tesla langfristig weiterhin für manuelles Fahren bauen werde. Der Roadster soll damit offenbar die emotionale Seite der Marke verkörpern: ein Fahrzeug, bei dem nicht allein die Fahrt zum Ziel zählt, sondern das Fahrerlebnis selbst.

Tesla Roadster: Wann kommt der elektrische Supersportwagen?
Der Produktionsstart ist derzeit für 2028 vorgesehen. Damit liegt zwischen der ersten Präsentation im November 2017 und dem geplanten Serienanlauf mehr als ein Jahrzehnt. Für Interessenten, die schon früh eine Anzahlung geleistet haben, ist das eine außergewöhnlich lange Wartezeit.

Hinzu kommt, dass das Fahrzeug, das am Ende ausgeliefert werden soll, offenbar deutlich anders aussehen wird als das ursprüngliche Konzept. Auch bei der Technik ist noch nicht gesichert, welche der spektakulären Ankündigungen tatsächlich in die Serienproduktion einfließen. Gerade bei einem Projekt mit derart ambitionierten Leistungszielen sind Änderungen bis zur Homologation durchaus denkbar.
Bis dahin bleibt der neue Roadster ein faszinierendes Versprechen – mit einem Design, das polarisiert, und Technik, die selbst in der ohnehin extremen Welt der Elektroautos heraussticht.



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