Drei Jahre lang hat Ford im Stillen an einer Plattform gearbeitet, die nun das Herzstück seiner Elektro-Offensive wird. Die Universal-EV-Plattform soll vieles zugleich leisten: Kosten senken, die Fertigung vereinfachen, flexible Karosserieformen ermöglichen – und vor allem Autos hervorbringen, die sich Kunden leisten können. Konzernchef Jim Farley spricht dabei nicht zufällig vom nächsten „Model T Moment“. Denn wie der legendäre T-Modell vor über hundert Jahren die Automobilwelt demokratisierte, sollen die neuen Stromer den Zugang zur Elektromobilität für breite Käuferschichten öffnen.
Pick-up zum Kampfpreis
Den Anfang macht 2027 ein viertüriger mittelgroßer Pick-up, der für rund 30.000 Dollar in die Showrooms rollt. Damit bewegt sich Ford preislich in einem Segment, das bislang von der Konkurrenz kaum erreicht wird. Gleichzeitig verspricht man einen Innenraum, der geräumiger sein soll als in einem Toyota RAV4 – ein selbstbewusstes Versprechen, das zeigt, wie ernst es Ford mit seiner neuen Architektur meint. Doch der Pick-up ist nur der Auftakt: SUVs, Vans mit drei Sitzreihen und weitere Varianten sind bereits angedeutet.

Ford, Future Electric Vehicle Platform
Technik für mehr Raum und weniger Kosten
Im Mittelpunkt steht eine neu entwickelte Batteriearchitektur. Ford setzt auf LFP-Zellen, die in den USA produziert werden und ohne teure Rohstoffe wie Kobalt und Nickel auskommen. Diese Batterien sind nicht nur günstiger und langlebiger, sie dienen zugleich als tragende Struktur des Fahrzeugs. Das senkt den Schwerpunkt, spart Bauteile und schafft zusätzlichen Platz im Innenraum. Auch in der Verkabelung zeigt sich der Effizienzgedanke: Rund zehn Kilogramm an Kabelsträngen wurden eingespart, was Gewicht reduziert und die Produktion vereinfacht. Insgesamt verringert sich die Zahl der Bauteile um ein Fünftel – ein Schritt, der die Fertigung erheblich beschleunigt und die Kosten senkt.
Revolution am Fließband
Besonders stolz ist Ford auf das neue Produktionssystem, das im Werk Louisville in Kentucky eingeführt wird. Statt einer einzigen Fertigungslinie entstehen Fahrzeugfront, Mittelteil und Heck künftig parallel, bevor sie am Ende zusammengefügt werden. Diese Methode, die Ford „assembly tree“ nennt, reduziert die Fertigungszeit beim Pick-up um bis zu 40 Prozent. Gleichzeitig verbessert sich die Ergonomie für die Mitarbeiter, die weniger Bücken, Greifen und Drehen müssen. Für Ford bedeutet dieser Umbruch nicht weniger als einen Abschied von der klassischen Fließbandlogik, die das Unternehmen einst berühmt gemacht hat.

Ford, Future Electric Vehicle Platform, T-Model
Milliarden für die Zukunft, auch für Europa?
Damit dieser Umbau gelingt, investiert Ford fünf Milliarden Dollar. Zwei Milliarden fließen in die Modernisierung des Werks in Louisville, drei Milliarden in den BlueOval Battery Park Michigan, wo die neuen Batterien gefertigt werden. Gemeinsam sollen die Standorte rund 4.000 Arbeitsplätze sichern. Auch wenn einzelne Jobs wegfallen, betont Ford, dass man auf Versetzungen und Abfindungen statt auf Kündigungen setzt.
In erster Linie sind die neuen Modelle für den nordamerikanischen Markte gedacht. Laut Ford wird es aber auch Exporte geben. Wie die künftige Strategie für Europa aussieht und ob wir die neuen Fahrzeuge auch hierzulande begrüßen dürfen, wird sich zeigen.

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