Motorsport-Magazin.com Plus
Auto

Globaler Chipmangel: Autoindustrie vor großen Herausforderungen

Nicht nur geplante Markteinführungen werden auf 2022 verschoben, sondern auch etliche Produktionsstätten verschiedenster Hersteller müssen schließen.
von Maximilian Stocker

Motorsport-Magazin.com - Die Halbleiterkrise hat enorme Auswirkungen auf die globale Autoindustrie und den dahinterstehenden Markt. Laut Albert Waas, Partner bei der Unternehmensberatung Boston Consulting, werden rund zehn bis elf Millionen Fahrzeuge in diesem Jahr nicht gebaut werden können. Die Beratungsfirma Alix Partners rechnet in der Autobranche in diesem Jahr mit fehlenden Einnahmen von gut 179 Milliarden Euro.

Die Produktionsbänder bei Opel stehen still

Eigentlich sollte der neue Opel Grandland noch im Oktober vom Band rollen. Doch die Konzernmutter Stellantis musste das Werk in Eisenach bis zum Jahresende schließen. „Die globale Automobilindustrie befindet sich aufgrund der Covid-19-Pandemie und einem Mangel an Halbleitern nach wie vor in einer Ausnahmesituation“ bestätigt ein Opel-Sprecher. Im Februar 2022 soll die Produktion des Opel Grandland wieder aufgenommen und das SUV an Kunden ausgeliefert werden.

Dasselbe Schicksal erleidet der neue Elektro-SUV Nissan Ariya. Ob die Auslieferung in Japan noch dieses Jahr erfolgen kann, bleibt ungewiss. Für Europa ist schon jetzt klar: Nissan wird den Ariya wohl erst 2022 auf die heimischen Straßen bringen können.

Produktionsstopp auch bei Audi, Daimler, GM und Ford

Bei Audi in Ingolstadt sieht die Situation nicht besser aus. Die Produktionslinie für die Modelle A3, A4/A5 und Q2 liegen komplett still. Auf dem Band für A6/A7 wurde die Produktion auf ein Minimum reduziert. Laut Automobilwoche gibt es beim E-tron GT und R8 weniger Einschränkungen. Diese werden gemeinsam mit dem A8 „zumindest in einer Schicht“ gebaut. Die betroffenen Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit.

Mercedes lieferte im Zeitraum von Juni bis Ende September um 30,2 Prozent weniger Fahrzeuge aus als im Vergleichszeitraum vom Vorjahr. Die Stuttgarter versuchen daher, auftragsstarke Fahrzeuge wie die elektrischen EQ-Modelle oder die S-Klasse zu präferieren. Leichte Nutzfahrzeuge sowie Autos der Marke Smart werden hingegen hintenangestellt und vorerst nicht mit den Halbleitern ausgestattet. Dieses Ungleichgewicht resultiert in enormen Wartezeiten. Mit mehr als einem Jahr müssen Kunden für neue Mercedes-Modelle oftmals rechnen.

Die Chip-Krise zieht sich auch durch andere Teile der Welt. GM musste die Produktion in acht Werken für mindestens zwei Wochen stilllegen. Cadillac-Modelle werden deshalb bis auf Weiteres nicht mit dem Autopilotsystem „Super-Cruise“ ausgestattet. Auch stoppt Ford seine ertragreiche Pick-up-Fertigung. Die Produktionen des Modells F-150 sowie des Transporters Transit stehen still.

Zahlreiche Autos werden unfertig gebaut

Wie auch Daimler versucht Volkswagen, eine Umschichtung der Prioritäten in der Produktion zu erlangen. "Dazu gehört auch die Möglichkeit, Fahrzeuge zunächst unfertig zu bauen, um sie unverzüglich nachzurüsten, sobald die entsprechenden Halbleiter und Bauteile wieder vorrätig sind“ verrät ein VW-Sprecher. Beispielsweise wird der neue VW Nivus aktuell ohne Infotainment-System ausgeliefert. Im Cockpit befindet sich statt dem Touchscreen nur eine Plastikabdeckung. Der Bildschirm soll laut VW zeitnah nachgerüstet werden.

Fahrzeugpreise werden bis dato noch nicht erhöht

Von der starken Nachfrage an Elektroteilen ist nicht nur die Autoindustrie betroffen. Generell stieg in der Corona-Pandemie, auf Grund von beispielsweise verstärktem Homeoffice, die Nachfrage an elektronischen Geräten. Laptops, Handys und Tablets arbeiten mit den Chips. So auch moderne Touchscreens, digitale Cockpit-Bildschirme und andere elektronische Systeme in Fahrzeugen. Der anhaltende Mangel an diesen Teilen führte aktuell noch zu keinem Preisanstieg bei Neuwagen. Dennoch: Je länger die Krise anhält, umso länger werden die Lieferzeiten wohl noch werden.