ADAC GT Masters

Zweithöchste DMSB-Strafe: Lizenzentzug für Zakspeed

50.000 Euro sowie Bewerber-Lizenzentzug bis Ende 2019: Mit dieser harten Strafe hat der DMSB den Traditionsrennstall Zakspeed belegt.
von Arno Wester & Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Das Sportgericht des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) hat gegen das frühere Formel-1-Team ZAKSPEED eine harte Strafe verhängt: Die Mannschaft von Peter Zakowski wurde national und international bis zum 31. Dezember 2019 von allen Motorsportveranstaltungen ausgeschlossen. Das Team aus Niederzissen in der Eifel muss zudem eine Geldstrafe von 50.000 Euro sowie die Kosten des Verfahrens zahlen.

Ausgerechnet im Jahr des 50-jährigen Firmenjubiläums hat ZAKSPEED keinen Grund zum Feiern, obwohl es dazu Anlass genug gäbe. Seit 1968 hat die erfolgreiche Truppe aus der Eifel nach eigenen Angaben insgesamt 22 Meisterschaften gewonnen und 480 Rennsiege erzielt. Teameigner Peter Zakowski, der das von seinem Vater Erich gegründete Unternehmen nun schon seit fast 30 Jahren leitet, hat ebenfalls großen Anteil an den beeindruckenden Erfolgen von ZAKSPEED. Unter anderem gewann "Zak" als Fahrer vier Mal das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und sorgte dabei mit seiner Mannschaft für drei Triumphe von Chrysler bei dem berühmten Langstreckenklassiker in der Eifel (1999, 2001, 2002).

Ein möglicher weiterer ZAKSPEED-Gesamtsieg in der "Grünen Hölle" verhinderte 2003 das Sportgericht des DMSB am "Grünen Tisch". Der schon immer nach Grauzonen im Reglement suchende Peter Zakowski hatte wegen einer Rückstufung seiner Dodge Viper Einspruch eingelegt. Wegen zu großen Tankinhaltes (vermeintlich 120 Liter statt 90 für die Chrysler Viper) waren seinem Team zehn Runden der gefahrenen Distanz abgezogen worden. Statt eines möglichen weiteren Erfolgs am Ring musste man sich nach dem Urteil mit Platz fünf zufriedengeben.

Fall Zakspeed: Neun Verhandlungen bis zur Strafe

Auch im aktuellen "Fall ZAKSPEED" kannte die zweite Kammer des Sportgerichtes des DMSB keine Gnade. Nach exakt 373 Tagen und insgesamt neun angesetzten Verhandlungen verkündete der Vorsitzende Richter, Rechtsanwalt Harald Schmeyer, nach geheimer Beratung mit zwei Beisitzenden Richtern und im Einverständnis des Betroffenen mit einer Entscheidung im schriftlichen Verfahren, das harte Urteil.

Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com ist die Strafe die zweithöchste in der Geschichte des DMSB. Noch höher wurde bisher nur der ehemalige Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich nach dem Schieb-ihn-raus-Skandal sanktioniert. Der legendäre Funkbefehl des Österreichers beim DTM-Rennen im August 2015 in Spielberg kostete seinen Arbeitgeber Audi sogar 200.000 Euro. Zudem wurde Ullrich bis zum Saisonende "der Zutritt zur Boxengasse und der aktive Zugang zum Teamfunk verboten".

Im "Fall Zakspeed" war das DMSB-Sportgericht der Überzeugung, dass die beiden Fahrzeuge des Niederzissener Teams (Mercedes-AMG GT3) unstreitig nicht dem Technischen Reglement des ADAC GT Masters am 16./17. September 2017 auf dem Sachsenring entsprochen haben. Die Motordaten, die aus beiden Fahrzeugen ausgelesen wurden und mit den beim Automobil-Weltverband FIA hinterlegten Homologationsdaten verglichen wurden, stimmten laut einem hinzugezogenen Sachverständigen nicht überein - insbesondere die Verstellung der Nockenwelle bei bestimmten Drehzahlen. Der DMSB hatte zuvor Bosch damit beauftragt, entsprechende Gutachten zu erstellen.

Entscheidender Hinweis aus dem Sternenlager

Allerdings stellt sich die interessante Frage, wer die offenbar manipulierten Daten, die auch vom betroffenen Bewerber nicht in Abrede gestellt werden, aufgespielt hat und wie sie in das verplombte Steuergerät gelangen konnten. Für das DMSB-Sportgericht war diese heikle Frage letztendlich nicht von Relevanz, weil ein Bewerber laut Sportgesetz für den regelkonformen Einsatz eines oder mehrerer seiner Fahrzeuge voll verantwortlich ist.

Allerdings gibt es in diesem Zusammenhang ein wichtiges Detail, das für viele Spekulationen sorgt: Der entscheidende Hinweis an die Technischen Kommissare vor Ort, dass die beiden ZAKSPEED-Mercedes bezüglich der Motordaten nicht dem Reglement entsprechen, kam aus dem Sternlager!

Die Redaktion von Motorsport-Magazin.com steht diesbezüglich und wegen weiterer noch zu klärender Fakten mit Mercedes-AMG und den Anwälten von Peter Zakowski in Kontakt und wird zu gegebener Zeit auf diesen Fall mit seinen nebulösen Begleiterscheinungen noch einmal zurückkommen.


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