Formel 1 - Australien GP: Die neun Antworten zum Rennen

Ferrari jubelt wieder, Mercedes verzockt sich

Der Australien GP endet nach 553 Tagen Durststrecke wieder mit einem Ferrari-Sieg. Motorsport-Magazin.com liefert die Antworten zum Saisonauftakt in Melbourne.
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Wie kam Vettel an Hamilton vorbei?

Lewis Hamilton gewann zwar den Start, Sebastian Vettel jedoch das Rennen. Ausschlaggebend dafür war der Zeitpunkt der Boxenstopps der beiden Piloten. Hamilton stoppte bereits in der 17. Runde, um mit frischen Reifen weiter davonziehen zu können, Mercedes hatte die Rechnung aber ohne Max Verstappen gemacht. Hamilton fiel hinter den Red-Bull-Piloten, der noch nicht gestoppt hatte, zurück und verlor dabei die entscheidende Zeit auf Vettel.

Hamilton lag nur vor dem Stopp vor Vettel - Foto: Sutton

Der Ferrari-Pilot stoppte erst in der 23. Runde und kam als Führender zurück auf die Strecke. Hatte Hamilton vor seinem Stopp noch 1,3 Sekunden Vorsprung auf Vettel gehabt, lag er nach den Reifenwechseln plötzlich 3,3 Sekunden zurück. Dieser Abstand wuchs in der weiteren Folge des Rennens auf rund zehn Sekunden an, sodass Vettel nie in die Gefahr eines Angriffs kam und den Sieg relativ entspannt nach Hause fahren konnte.

"Sebastian kam in das Fenster, in dem ein Undercut möglich war, und wir hatten zu diesem Zeitpunkt das Gefühl, dass die Reifen nicht halten würden. Diesen Eindruck hatten sowohl das Team, das sich die Daten am Kommandostand ansah, als auch Lewis im Auto. In diesem Moment trafen wir die Entscheidung, hereinzukommen", erklärte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. "Dabei waren wir uns des Risikos bewusst, dass er im Verkehr herauskommen könnte. Wir saßen zwischen den Stühlen und probierten es einfach. Aber Ferrari dachte sehr gut mit - und sie hatten heute das schnellere Auto."

Warum ist der Sieg für Ferrari so besonders?

Mit seinem Sieg erlöste Sebastian Vettel Ferrari nach einer langen Durststrecke von 553 sieglosen Tagen. Den letzten vollen Erfolg hatte es für die Scuderia 2015 in Singapur gegeben, im Vorjahr waren die Italiener hingegen ohne einen einzigen Sieg geblieben, was den Druck auf das ganze Team, allen voran ausgeübt von Präsident Sergio Marchionne, stark erhöht hatte. Nach dem erfolgreichen Saisonauftakt lässt es sich in Maranello nun wesentlich entspannter arbeiten.

Warum musste Verstappen auf einen Angriff auf Räikkönen verzichten?

Max Verstappen machte in der Schlussphase des Rennens Jagd auf Kimi Räikkönen und kam dem Finnen immer näher. Auf einen Angriff verzichtete Red Bull allerdings und begnügte sich somit mit dem fünften Platz. "Wir haben unterschiedliche Meldungen bekommen, wie viel Bremse Max noch hatte, und haben gesagt, wir riskieren nichts, keine Attacke", erklärte Dr. Helmut Marko gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Reifen-, motor- und benzinmäßig wollten wir die letzten fünf Runden angreifen und es war nicht leicht, Max beizubringen, dass wir es doch nicht machen."

Was war bei Ricciardo los?

Vom Pech verfolgt: Daniel Ricciardo - Foto: Sutton

Daniel Ricciardo erlebte ein rabenschwarzes Heimspiel. Auf dem Weg in Startaufstellung blieb der Red Bull des Australiers wegen Problemen mit zwei Getriebesensoren liegen, sodass Ricciardo erst mit zwei Runden Rückstand aus der Boxengasse starten konnte. Doch auch im Rennen lief es nicht besser, denn der Lokalmatador musste seinen Wagen nach 25 Runden aufgrund zu geringen Benzindrucks abstellen.

"Unsere Mechaniker haben drei Nächte durchgearbeitet und so etwas sollte nicht passieren, aber in der ganzen Hektik denke ich, dass es im Zuge dieser Nachtschichtarbeiten passiert ist", erklärte Dr. Helmut Marko, wie es zur ärgerliche Panne gekommen war.

Warum erlebte Alonso ein bitteres Rennen?

Trotz unterlegenem Material kämpfte Fernando Alonso bis zuletzt um Punkte. Der McLaren-Pilot lag auf Platz zehn, ehe er von Esteban Ocon und Nico Hülkenberg überholt wurde und kurze Zeit später in Runde 50 aufgeben musste. Verantwortlich für Alonsos Rückfall und späteren Ausfall war ein Schaden am Bodywork des MCL32.

Was war zwischen Magnussen und Ericsson?

Zwischen Magnussen und Ericsson krachte es - Foto: Sutton

Kevin Magnussen und Marcus Ericsson sorgten für die erste Kollision der Saison. Der Haas- und der Sauber-Pilot gerieten nach dem Start in der dritten Kurve aneinander und mussten durch das Kiesbett pflügen. Dabei beschädigte sich Magnussen den Frontflügel, was ihn zu einem Notstopp zwang. Im weiteren Verlauf des Rennens mussten beide Piloten aufgrund von Folgeerscheinungen des Unfalls aufgeben.

Warum schied Grosjean aus?

Haas verzeichnete einen Doppelausfall. Romain Grosjean, der an der aussichtsreichen siebten Position und damit klar auf Punktekurs lag, wurde nach 13 Runden aus dem Rennen gerissen. Am Boliden des Franzosen war ein Wasserleck aufgetreten, das ein Weiterfahren unmöglich machte.

Welche Probleme gab es bei Palmer und Stroll?

Jolyon Palmers verkorkstes Rennwochenende fand am Sonntag seine Krönung. Der Renault-Pilot hatte von Anfang an mit massiven Bremsproblemen zu kämpfen, die das Team aus Sicherheitsgründen letztlich dazu zwangen, den Wagen des Briten in Runde 15 zurückzuziehen. Ebenfalls mit Bremsproblemen zu kämpfen hatte Williams-Pilot Lance Stroll in seinem ersten Formel-1-Rennen, was zum Aus in Runde 40 führte.

Ist die Formel 1 durch das neue Reglement schneller geworden?

Ja, definitiv. Kimi Räikkönens schnellste Rennrunde von 1:26.538 Minuten lag knapp 2,5 Sekunden unter dem Bestwert des Vorjahres. Im Qualifying erzielte Lewis Hamilton einen neuen Streckenrekord von 1:22.188 Minuten, womit er seinen Bestwert aus dem Jahr 2016 um 1,6 Sekunden unterbot. Dass die Unterschiede bei den Testfahrten in Barcelona wesentlich größer waren, ist der Charakteristik des Albert Park Circuit geschuldet. Auf permanenten Rennstrecken, wie in zwei Wochen in China, sollten die Zeiten deutlicher unter dem Niveau der Vorsaison liegen.


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