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Formel 1 - Interview - Jacques Villeneuve: Nico lacht

Rosberg würde von Teamorder profitieren

Die Aktion zwischen Hamilton und Rosberg erregt die Gemüter. Motorsport-Magazin.com sprach mit Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve darüber.
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Motorsport-Magazin.com - Jeder spricht natürlich über die Szene zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Wie hast du den Zwischenfall gesehen?
Jacques Villeneuve: Die Reaktionen sind etwas übertrieben. Das war offensichtlich ein Rennunfall, weil man natürlich nicht seinen eigenen Frontflügel beschädigen will. Aber: Auf diesem Niveau muss man beurteilen können, wann man eine Kurve verpasst hat. Und es waren noch 42 Runden übrig. Aber das ist das Problem bei Nico: Er akzeptiert es nicht, wenn er etwas verloren hat.

Und Nico lacht, er hat 18 Punkte mehr als Lewis.
Jacques Villeneuve

Glaubst du nicht, dass Nico das einmal machen musste? Bei einigen Szenen zuvor hat er in solchen Situationen zurückgesteckt...
Jacques Villeneuve: Nein, auf keinen Fall. In der nächsten Runde hätte er DRS gehabt.

Glaubst du, dass sich durch den Zwischenfall die Herangehensweise von Lewis oder von Nico in Zukunft ändern wird?
Jacques Villeneuve: Nein, aber die des Teams. Lewis hat einen Punkt erreicht, an dem es genug für ihn ist. Und Nico lacht, er hat 18 Punkte mehr als Lewis. Normalerweise sollte es andersrum sein. Normalerweise hätte Lewis' Reifen okay sein müssen und Nico hätte seinen Frontflügel dabei zerstört. Also hat er es nicht absichtlich gemacht. Was eigentlich eine sehr schlechte Situation für ihn gewesen wäre, hat sich nur in eine glückliche gewandelt. Das ist alles.

Wie glaubst du wird die Reaktion des Teams aussehen?
Jacques Villeneuve: Ich weiß nicht, aber ich hoffe nur, dass Mercedes sie weiter gegeneinander fahren lässt. Deshalb konnten wir als Rennfans das bisher genießen. Jetzt wird es hart. Denn wenn sie mit Teamorder anfangen, dann kann das nur gut für Nico sein. Derjenige, der das dann ausgelöst hätte, würde dann davon profitieren. Das wäre etwas schade. Aber hey: Die Meisterschaft ist noch lange. Wobei sowas niemand sehen will, vor allem nicht in der zweiten Runde. Das war einfach nicht gut gefahren, er hatte Pech und es war keine Absicht. Aber manchmal muss man einfach akzeptieren, dass man eine Kurve verpasst hat. Man darf kein schlechter Verlierer sein und das ist irgendwie passiert.

Absicht unterstellt Villeneuve Rosberg nicht, schließlich wurde sein Flügel auch beschädigt - Foto: Sutton

Kannst du die Zuschauer verstehen, die Nico bei der Siegerehrung ausgebuht haben?
Jacques Villeneuve: Nein, das ist lächerlich. Das ist erbärmlich und dumm. Sie sitzen auf den Tribünen, sie schwitzen nicht, sie arbeiten nicht. Das ist auf jeden Fall nicht gut. Es war einfach nur eine Fehleinschätzung von Nico, das ist jedem schon einmal passiert, jedem Fahrer. Alonso hat sich auch seinen Frontflügel beschädigt. Es passiert jedem. Ok, es war schlecht, er hat die Situation falsch eingeschätzt aber hey: Shit happes, das ist Racing! Nico hatte keine böse Absicht. Die Leute sollten sich entspannen.

Verstehst du das Team, dass sie sich hinstellen und klar sagen, dass Nico schuld ist und selbst so harte Kritik üben?
Jacques Villeneuve: Das war etwas aggressiv, ja. Aber auf der anderen Seite war es halt schon erst die zweite Runde. Normalerweise hätten sie locker Erster und Zweiter werden sollen. Sie haben einfach etwas Besseres von ihren Fahrern erwartet. Sie haben von ihnen erwartet, sich nicht zu berühren. Und sie haben Nico einen Dreijahresvertrag gegeben und eine Menge Geld. Und das war kein schönes Dankeschön.

Wie Kevin Magnussen heute. Was sollte das? Wieso darf der überhaupt auf einer Rennstrecke sein?
Jacques Villeneuve

Dreimal hat Mercedes gepatzt, dreimal war der gleiche Fahrer zur Stelle: Daniel Ricciardo.
Jacques Villeneuve: Aber das heute war wirklich eindrucksvoll. In Montreal hätte es auch Vettels Rennen sein können, aber sein Rennen wurde von einer schlechten Strategie zerstört. Hier ist er einfach wie ein Weltmeister gefahren. Er hat wirklich einen Schritt gemacht und ist menschlich noch der gleiche geblieben. Red Bull hat etwas gezockt und ist mit extrem wenig Downforce gefahren und er ist überragend gefahren. Das hat funktioniert. Er war schnell, intelligent und war das ganze Rennen über konzentriert: Großartig, bewundernswert! Und was wir in dieser Saison auch noch gesehen haben: Er kann wirklich gut überholen. Er überlegt, bereitet es vor und vollendet es dann auch. Nicht wie all diese verrückten Fahrer, die nicht wissen, was sie machen. Wie Kevin Magnussen heute. Was sollte das? Wieso darf der überhaupt auf einer Rennstrecke sein? Das ist lächerlich.

Natürlich ist der Mercedes so ein überragendes Auto und der Red Bull noch weit davon entfernt. Aber glaubst du, dass da vielleicht doch eine kleine Chance für Ricciardo ist, die Weltmeisterschaft zu gewinnen?
Jacques Villeneuve: Nein, weil er die ganze Zeit über den Erwartungen gefahren ist. An irgendeinem Punkt hört das auf. Das kann man nicht für immer durchziehen. Eine kleine Chance natürlich, die beiden Mercedes-Piloten könnten bei jedem Rennen am Start miteinander kollidieren. Aber dann muss gleichzeitig immer Ricciardo vorne sein und nicht auch einen Unfall am Start haben. Und in dem Moment, in dem er sich denkt: Oh, ich könnte die Weltmeisterschaft gewinnen, dann könnten auch die Fehler kommen. Und dann wird er auch das Lachen nicht mehr behalten.


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