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Formel 1 - Rennanalyse: Hamiltons unvollendeter Husarenritt

Von 20 auf 3

Lewis Hamilton legte in Hockenheim eine eindrucksvolle Aufholjagd hin. Motorsport-Magazin.com zeichnet seinen Husarenritt nach.
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Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton war fraglos der Mann des Rennens in Hockenheim. Der Mercedes-Pilot raste vom 20. Startplatz bis auf das Podium und lieferte dabei jede Menge Action. Motorsport-Magazin.com zeichnet die Aufholjagd des Briten nach.

Die Ausgangslage

Hamilton crashte im Training - Foto: Sutton

Nach seinem durch einen Bremsdefekt hervorgerufenen Unfall im Qualifying kam Hamilton nicht über den 15. Startplatz hinaus. Da bei dem Crash das Getriebe kaputt gegangen war, musste das Teil gewechselt werden, was eine weitere Rückversetzung um fünf Positionen zur Folge hatte. Somit ging Hamilton vom 20. Startplatz ins Rennen. Als einer von nur drei Piloten im Feld startete er auf den weichen Reifen, Pirellis härterer Mischung in Hockenheim.

Der 1. Stint

Hamilton kassierte am Start Kamui Kobayashi und Jules Bianchi und ging auch an Kevin Magnussen sowie Felipe Massa vorbei, die in der ersten Kurve kollidiert waren. Nachdem das Safety Car die Strecke wieder verlassen hatte, nahm sich Hamilton als nächstes Max Chilton, der ihn am Start überholt hatte, Pastor Maldonado, Romain Grosjean und Esteban Gutierrez vor, womit er nach sieben Runden bereits an zwölfter Stelle lag. "Manchmal hatte ich ein paar Probleme, allem zu folgen und zu wissen, wo genau ich beizeiten fuhr", gab der Mercedes-Pilot zu.

Nachdem auch Adrian Sutil und Jean-Eric Vergne passiert waren, wartete mit Daniel Ricciardo die erste harte Nuss des Rennens. Hamilton gelang es schlussendlich jedoch, nicht nur den Australier in der Haarnadelkurve zu überholen, sondern er zwängte sich auch gleich an Kimi Räikkönen vorbei, mit dessen Ferrari es zum Kontakt kam. "Ich hatte Glück, dass ich mir dabei meinen Frontflügel nicht beschädigte", schildert Hamilton die heikle Szene.

Sutil konnte Hamilton nicht aufhalten - Foto: Sutton

In weiterer Folge schnappte sich der Champion von 2008 auch noch Sergio Perez und weil abgesehen von Teamkollege Nico Rosberg alle anderen vor ihm klassierten Piloten stoppten, fand sich Hamilton in der 16. Runde plötzlich auf dem zweiten Platz wieder. An dieser Position fuhr der Brite bis zur 20. Runde, ehe ihn der frisch bereifte Valtteri Bottas zurücküberholte. Hamilton leistete dabei keinen Widerstand, da er sich zu diesem Zeitpunkt auf einer anderen Strategie als der Finne befand und nicht unnötig Zeit verlieren wollte.

In der 27. Runde stand schließlich auch für Hamilton der erste Boxenstopp des Rennens auf dem Programm. Er blieb bei der weichen Reifenmischung und fiel auf den achten Platz zurück.

Der 2. Stint

Lange sollte Hamilton allerdings nicht Achter bleiben. Nachdem er Ricciardo überholt hatte, kam es zum für den Briten rennentscheidenden Manöver gegen seinen Landsmann Jenson Button. In Runde 30 versuchte Hamilton Button in der Spitzkehre zu überholen, was jedoch misslang. Er touchierte den McLaren mit dem Frontflügel und fuhr sich die linke Endplatte ab.

Mit Button kam es zur Kollision - Foto: Sutton

"Der Zwischenfall mit Jenson war einfach Pech. Er war in diesem Jahr so ein Gentleman und bereitete mir beim Überholen nicht viele Probleme, aber heute war es einfach ein Missverständnis", erklärte Hamilton. "Ich war nicht nah genug dran für einen Überholversuch, aber in der Kurve fuhr ich auf der Innenlinie. Es sah aus, als ob er zu weit rausgefahren wäre, dann stach er wieder in die Kurve zurück und hat mich dort vielleicht nicht gesehen."

Zwar gelang das Überholmanöver mit einer Runde Verspätung, jedoch büßte Hamilton aufgrund des demolierten Frontflügels viel Downforce ein und sein linker Vorderreifen wurde fortan deutlich stärker abgenutzt. An der Pace des Briten änderte sich vorerst aber nichts und angesichts der abermals früheren Boxenstopps der Konkurrenz lag er in Runde 41 erneut an zweiter Stelle.

In Runde 42 lief Hamilton seinerseits die Boxen an und fasste zum ersten Mal an diesem Tag die superweichen Reifen aus. Um Zeit zu sparen, sah das Team davon ab, den kaputten Fronflügel zu wechseln und veränderte lediglich die Einstellungen.

Der 3. Stint

Hamilton kam als Fünfter zurück auf die Strecke und konnte dank der frischen Pneus prompt die bis dato schnellste Rennrunde drehen - und nicht nur das, er schlug auch ein höheres Tempo als der einsam an der Spitze fahrende Rosberg an. Da der vor ihm liegende Vettel an die Boxen fuhr und er Fernando Alonso mit Leichtigkeit überholen konnte, hatte Hamilton bald den dritten Platz inne.

In Runde 48 drehte sich Adrian Sutil eingangs der Start- und Zielgeraden und blieb mit seinem Sauber nur unweit der Ideallinie liegen. Hamilton, dessen Reifen schnell abbauten, weshalb sein Wagen zum Untersteuern neigte, wechselte nicht zuletzt in der Hoffnung auf den Einsatz des Safety Cars in der 50. Runde abermals auf frische superweiche Reifen, die er wegen seines frühen Ausscheidens im Qualifying noch übrig hatte.

Der 4. Stint

An Bottas kam Hamilton nicht vorbei - Foto: Sutton

Zur allgemeinen Verwunderung sah die Rennleitung davon ab, Bernd Mayländer auf die Strecke zu schicken und den Streckenposten gelang es, Sutils Wagen unter gelben Flaggen zu bergen. "Ich war ehrlich überrascht, dass es keine Safety-Car-Phase gab", zeigte sich Hamilton über diese Entscheidung verwundert. Wäre das Sicherheitsfahrzeug nämlich zum Einsatz gekommen, wäre Rosbergs komfortabler Vorsprung Geschichte und Hamilton dank seiner neuen Reifen plötzlich der Favorit auf den Rennsieg gewesen.

Weil es dazu aber nicht kam, musste der Brite die leise Hoffnung auf den Triumph begraben. Hamilton kam als Vierter auf die Strecke zurück und überholte kurz darauf Alonso - zum zweiten Mal in diesem Grand Prix. In weiterer Folge holte der Mercedes-Pilot mit Siebenmeilenstiefeln auf Valtteri Bottas auf und fuhr binnen weniger Runden eine Lücke von mehr als 16 Sekunden zu. Als er am Finnen dran war, waren seine Vorderreifen aufgrund des ramponierten Frontflügels jedoch bereits so stark abgefahren, dass es an der nötigen Pace mangelte, um Bottas attackieren zu können.

Erschwerend kam hinzu, dass der Williams-Bolide auf den Geraden pfeilschnell war, weshalb es Hamilton trotz des Einsatzes von DRS nicht gelang, an Bottas vorbeizugehen, der seinerseits von Überrundungen profitierte und den Heckflügel ebenfalls flachstellen durfte.

Schlussendlich überquerte Hamilton die Ziellinie als Dritter, was zwar nicht ganz seinen Erwartungen entsprach, dafür konnte er mit Stolz behaupten, an diesem Sonntag in Hockenheim nicht weniger als 17 Plätze gut gemacht und 15 Autos auf der Strecke überholt zu haben. Zudem verbuchte Hamilton in 1:19.908 Minuten die schnellste Runde des Rennens.


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