Exklusiv

Formel 1 - Interview - Kaltenborn: Es muss zu einer Budgetgrenze kommen

Möchte keine Zahlen nennen

Die Verantwortlichen planen angeblich ein Freies Training zu streichen, um Kosten zu sparen. Motorsport-Magazin.com sprach mit Monisha Kaltenborn.
von

Motorsport-Magazin.com - Sie gelten seit langem als große Verfechterin einer Budgetgrenze. Was steht dem Ganzen bisher im Weg, sind es wirklich nur die Top-Teams?
Monisha Kaltenborn: Im Moment ist der Wettbewerb nicht gesund. Es bringt nichts, nach einem Schuldigen zu suchen. Es gibt durchaus große Teams, die ebenfalls der Meinung sind, dass die Kosten reduziert werden müssen. Denn selbst die großen Teams haben nicht unendlich viel Geld, immerhin stehen hinter diesen große Konzerne, die genauso verantwortlich handeln müssen. Entscheidend ist, dass eine Grenze gesetzt wird, auch wenn diese vielleicht für kleinere Teams anfangs noch sehr hoch erscheint.

Wo würden Sie die Budgetgrenze ansetzen und was sollte Ihrer Meinung nach alles darin beinhaltet sein - auch die Fahrergehälter?
Monisha Kaltenborn: Ich möchte öffentlich keine Zahlen nennen, da wir uns gerade mitten in den Gesprächen befinden. Ich denke, dass wir da eine richtige Lösung finden werden. Es ist klar, dass in diese Budgetgrenze nicht alles miteinbezogen werden kann. Die einzelnen Ausnahmen sind derzeit genauso ein Thema unserer Gespräche. Wichtig ist, dass wir einen glaubhaften und - ich betone das noch einmal - einen verantwortungsvollen Schritt setzen.

Wenn ein Team etwas in den Büchern nicht angeben will, dann weiß es um die Konsequenzen
Monisha Kaltenborn

Man überlegt die In-Season-Tests 2015 wieder abzuschaffen, nachdem sie 2014 erst wieder eingeführt wurden. Generell sehen viele die eingeführten Regeln 2014 als kontrovers an, vor allem weil sie kostspielig waren. Als Privatteam sind diese bestimmt nicht leicht zu stemmen gewesen. Monisha Kaltenborn: Tatsächlich ist es eine ganz schwierige Herausforderung. Wir haben diese Herausforderung aber lange vorher kommen sehen und haben daher versucht, neue Partner zu finden. Es ist wichtig, die Formel 1 attraktiv zu machen und durch diese Änderungen ist der Sport für viele attraktiv geworden, für die er es vorher nicht mehr war. Wir haben etwas Neues geschaffen, das für viele Märkte und Partner die Formel 1 wieder spannend gemacht hat. Effizienz, weniger Verbrauch - das alles sind Themen, die in der Autoindustrie extrem wichtig sind.

Zurück zur Budgetgrenze. Wie würde sich solch eine Regelung überwachen lassen? Gegner der Budgetgrenze behaupten ja, dass das gar nicht möglich ist, da die großen Autohersteller ihre Entwicklungen auf andere Teile des Unternehmens auslagern könnten?
Monisha Kaltenborn: Dieser Meinung bin ich nicht, denn jedes Team hat seine Bücher und wenn ein Team etwas in den Büchern nicht angeben will, dann weiß es um die Konsequenzen. In punkto Überwachung des Systems ist es wichtig, dass wir klare Regeln haben und noch wichtiger sind klare Strafen. Es muss eine Abschreckung bestehen. Das ist wie im Straßenverkehr - wenn die Strafe für zu schnell fahren, nur ein paar Euros ausmacht, dann wird man es riskieren. Wenn die Strafe aber einige Nullen mehr enthält, plus den Verlust des Führerscheins, dann wird sich ein jeder zwei Mal überlegen, ob er zu schnell fährt. So eine Abschreckung braucht auch unser System. Natürlich ist kein System davor gefeit, dass es darin Leute gibt, die sich nicht daran halten, aber genau hier kommt das Strafausmaß ins Spiel.

Monisha Kaltenborn ist eine Verfechterin der Budgetgrenze - Foto: Sutton

Ein F1-Insider erzählte mir, dass in der Formel 1 ein falsches Bild herrscht. Teams sollen in 5-Sterne-Hotels wohnen, obwohl sie es sich nicht leisten können - nur um die finanzielle Situation nach außen hin zu vertuschen. Genauso sollen kleinere Teams auf dem Personalmarkt extrem viel Geld ausgeben. Modellbauer sollen mit 45.000 Euro von Teams abgeworben worden sein, obwohl sie zuvor nur 36.000 bis 38.000 Euro verdient haben.
Monisha Kaltenborn: Es bringt nichts, über seine Verhältnisse zu leben, aber ich weiß nicht wie es bei anderen Teams aussieht. Die Diskussion allein zeigt mir aber, dass es zu einer Budgetgrenze kommen muss. Jedes Team kann innerhalb der Grenze seine Prioritäten setzen. Einige werden mehr Geld in CFD und Simulations-Tools hineinstecken, andere in den Windkanal, wobei sich das aufgrund der Beschränkungen relativiert hat. Wir haben immer gesagt, dass je mehr man über den Windkanal einschränkt, desto mehr Geld wird in die Windkanalmodelle fließen. Folge dessen werde diese immer besser - das kann wiederum dazu führen, dass Bereiche, in die man früher nicht sehr viel Geld gesteckt hat, an Bedeutung gewinnen. Wenn es eine Budgetgrenze gibt, dann ist es jedem Team freigestellt, für welchen Bereich es sein Geld ausgibt.

Weitere Hintergrundgeschichten zur finanziellen Situation der Formel 1 lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Motorsport-Magazins. Jetzt im Zeitschriftenhandel erhältlich oder am besten gleich online bestellen:


Weitere Inhalte:

Motorsport-Magazin.com fragt
Facebook
Wir suchen Mitarbeiter
x