Formel 1 - Vettel-Krise: Das Fahren neu erlernen

Neue Autos, neues Glück

Sebastian Vettel. Seriensieger der vergangenen Saison. Das ist vorbei. In diesem Jahr wird er von seinem Teamkollegen geschlagen. Warum?
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Motorsport-Magazin.com - Verdutzt zog Christian Horner eine Augenbraue nach oben. So etwas hatte der Red-Bull-Teamchef seit dem US Grand Prix im November des vergangenen Jahres nicht mehr im Fahrerlager gesehen: Niki Lauda überreichte ihm in der Team-Hospitality eine saftige Torte - als Friedensangebot nach den Streitereien rund um die Fuel-Flow-Affäre. Zuletzt feierte Horner seinen 40. Geburtstag mit einer großen Torte in Austin. Damals waren es noch bessere, erfolgreichere Zeiten für sein Team und die Feier endete in einer Tortenschlacht mit Mark Webber und Sebastian Vettel.

In China durften Vettel und sein neuer Teamkollege Daniel Ricciardo noch nicht einmal Champagner auf dem Podium verspritzen. Erst einmal stand in diesem Jahr - regulär - ein Red-Bull-Pilot auf dem Treppchen, nämlich Vettel als Dritter in Malaysia.

Ricciardo erhöht den Druck

Ricciardo war zuletzt schneller als Vettel - Foto: Sutton

Für den Serienchampion hieß es in dieser Saison: Vom umjubelten Dominator zum gepeinigten Jäger. Vettel und Red Bull kämpfen mit etlichen Hindernissen. Disqualifikation in Melbourne, Berufungsniederlage in Paris, Sticheleien der Konkurrenten Mercedes und McLaren - und obendrein ist das Auto dem Silberpfeil deutlich unterlegen.

Der Rückstand auf die Konkurrenz ist eines, aber in dieser Saison war Vettel auch seinem Teamkollegen des Öfteren unterlegen - so führt Ricciardo im Qualifying-Duell mit 3:1. "Für Vettel war es eine traurige Überraschung, dass Ricciardo ihn dauernd schlägt, aber die Anweisungen des Rennstalls sind zu befolgen", kritisiert Ex-Weltmeister Mika Häkkinen. "Vettel spielt wirklich zurzeit kein gutes Spiel."

Für Vettel war es eine traurige Überraschung, dass Ricciardo ihn dauernd schlägt.
Mika Häkkinen

Der ehemalige Formel-1-Pilot Jean Alesi sieht in Ricciardo die bisherige Überraschung der Saison und auch Norbert Haug lobt den Australier im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com in den höchsten Tönen: "Gegen Vettel einen Stich zu machen, gehört sicher zu den schwierigsten Aufgabenstellungen mit denen ein Fahrer konfrontiert werden kann."

Schlechte Stimmung herrscht zwischen den beiden Red-Bull-Fahrern aber nicht. "Es gibt keine Spannungen zwischen Seb und mir", betont Ricciardo. "Wir müssen uns beide extrem verbessern, denn da sind noch drei Jungs da draußen, die wir alle schlagen müssen."

Kampf gegen Suzie

Sebastian Vettel hat noch keine Liebesbeziehung zu seiner Suzie - Foto: Red Bull

Die Schwierigkeiten des Deutschen beginnen mit dem neuen RB10, der noch nicht kompatibel zu seinem Fahrstil ist. Vettel zeichnete sich in den vergangenen Jahren als Meister des angeblasenen Diffusors aus - damit trieb er seinen Teamkollegen Mark Webber geradezu in den Wahnsinn. Dieser Vorteil fällt mit den neuen Autos weg. Gleichzeitig kommt er mit den neuen Systemen noch nicht wie gewünscht klar. "Im Moment ist das schwierigste, mit dem Auto zurecht zu kommen", sagt Vettel. "Es macht nicht was ich will."

Ex-Formel-1-Fahrer Johnny Herbert kann das nachvollziehen. "Man kann viel Downforce haben, aber wenn das Fahrverhalten nicht stimmt, kann man den Abtrieb nicht nutzen", erklärt er gegenüber Motorsport-Magazin.com. Das bestätigen auch Vettels Teamchef Christian Horner und Motorsportchef Helmut Marko. "Daniel kommt mit dem Auto besser klar, Seb fühlt sich mit dem Setup nicht so wohl", betont Horner.

Das Auto macht nicht was ich will.
Sebastian Vettel

Zu allem Überfluss scheint Vettel die neuen Pirelli-Reifen stärker zu verschleißen als sein Teamkollege. "Wir müssen eine Einstellung finden, damit er wieder ein Reifenflüsterer wird", sagt Marko. Das Team untersucht sogar, ob Vettels Chassis einen Defekt aufweist. Das nächste fertig gestellte Exemplar soll deshalb an ihn gehen.

"Generell habe ich das Fahren nicht verlernt. Ich komme nicht ganz so klar, aber weiß nicht, woran das liegt", so der vierfache Weltmeister nach dem Rennen in Shanghai. Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda sieht das zur Hälfte ebenso: "Vettel hat nicht das Fahren verlernt, aber das Fahren mit diesen Autos." Das soll sich schnellstens ändern. So kündigt Vettel kämpferisch an: "Wir müssen schnell dafür sorgen, dass der Stern untergeht." Es bleibt nicht viel Zeit bis zum Spanien Grand Prix in Barcelona, um dort dieser Ansage Taten folgen zu lassen.


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