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Formel 1 - Ecclestone vor Gericht: Die Antworten

Auf der Anklagebank

Ab Donnerstag steht Bernie Ecclestone in München vor Gericht. Dem F1-Zampano wird Bestechung in einem besonders schweren Fall vorgeworfen.
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Wird Bernie Ecclestone persönlich vor Gericht erscheinen?

Ja. Der 83-Jährige wird persönlich mindestens zwei Mal in der Woche in der 5. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München I. erscheinen. "Mir geht es darum, meine Unschuld zu beweisen, deshalb werde ich nach München kommen", erklärte Bernie Ecclestone. Für das Verfahren sind 26 Verhandlungstage anberaumt, Richter ist Peter Noll. Er führt seit fünf Jahren die großen Wirtschaftsprozesse in München mit Witz und souveräner Gelassenheit, aber hart in der Sache.

Wie lautet die Anklage?

Mir geht es darum, meine Unschuld zu beweisen, deshalb werde ich nach München kommen
Bernie Ecclestone

Bernie Ecclestone wird Bestechung eines Amtsträgers in einem besonders schweren Fall sowie Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall vorgeworfen. Er soll 2005 den ehemaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky mit 44 Millionen Dollar bestochen haben, damit dieser die Formel-1-Anteile, die der Bank nach der Pleite des Kirch-Unternehmens übertragen wurden, an den von Ecclestone gewünschten Käufer, CVC, veräußert und nicht an Constantin Medien - trotz eines höheren Angebots. Einen Großteil des Schmiergelds soll sich Ecclestone von der BayernLB wieder zurückgeholt haben.

Dazu sollen Gribkowsky und er einen Provisionsvertrag aufgesetzt haben, der zum Schein mit Verdiensten Ecclestones bei den Verkaufsgesprächen begründet worden ist. 2012 wurde Gribkowsky, der ein umfassendes Geständnis abgelegt hat, vom Münchner Landgericht zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Ecclestone hat in einem Zivilprozess gegen die Constantin Medien AG in London die Zahlungen an Gribkowsky zugegeben. "Ich habe Dr. Gribkowsky bezahlt, weil er sagte, er würde mich mit Blick auf Steuerregelungen unserer Familienstiftung erpressen... was sehr teuer geworden wäre", argumentierte Ecclestone.

Was sagt Ecclestone zu den Vorwürfen?

Ecclestone plädiert auf "Nicht schuldig". Zwar bestreitet der 83-Jährige nicht, Zahlungen an Gribkowsky getätigt zu haben, allerdings soll es sich dabei um Schweige- und nicht um Schmiergeld gehandelt haben. Über seine deutschen Anwälte, Sven Thomas und Norbert Scharf, ließ er ausrichten: "Die behauptete Bestechung gab es nicht." Gribkowsky soll Ecclestone erpresst haben. Bis zuletzt haben Ecclestones Anwälte versucht, die Anklage abzuwehren und einen Prozess zu verhindern.

"Die auf der Erklärung von Herrn Dr. Gribkowsky beruhenden Anklagevorwürfe sind unzutreffend und ergeben angesichts der bestehenden Tatsachen kein schlüssiges Bild", so Ecclestones Anwälte. Spekulationen, wonach er sich aufgrund eines Deals mit der Staatsanwaltschaft schuldig bekennen würde, dementierte Ecclestone. "Ich gehe in die Gerichtsverhandlung, um meine Unschuld in den mir zur Last gelegten Punkten zu beweisen", stellte Ecclestone klar.

Wird Ecclestone wie Gribkowsky verurteilt? - Foto: Sutton

Was sagt die Staatsanwaltschaft?

Die Staatsanwaltschaft München hält Ecclestones Erpressungsgeschichte für unwahr, da Gribkowsky nicht die nötigen Informationen für eine Erpressung gehabt hätte. Aus der Anklageschrift soll hervorgehen, dass Ecclestone mit der Zahlung beabsichtigte, seine Machtposition zu sichern. Den Kaufpreis für die Formel-1-Anteile zu senken, soll dagegen nicht sein primäres Ziel gewesen sein. Ecclestone soll CVC vielmehr dazu gebracht haben, 830 Millionen Dollar für die Anteile zu bezahlen.

Durch die Bestechung von Gribkowsky soll Ecclestone verhindert haben, dass andere Angebote geprüft wurden bzw. der Verkauf transparent erfolgt. 41 Millionen Dollar des mutmaßlichen Bestechungsgeldes soll Ecclestone als Provision für die Vermittlung des Käufers von Gribkowsky zurückerhalten haben, die Staatsanwaltschaft bezeichnet das als eine 'Kick-back-Zahlung'. In der Anklageschrift kommen fünf Zeugen vor, die die Vorwürfe der bestätigen sollen.

Wer führt die F1-Geschäfte während Ecclestones Prozess?

Ecclestone hat die Anwältin Sacha Woodward-Hill bevollmächtigt, während seines Verfahrens die Geschicke der Formel 1 zu leiten. Die Australierin ist kein Neuling auf der Formel-1-Bühne: Woodward-Hill ist führende Rechtsangestellte der Rennserie und hält nicht weniger als 17 Aufsichtsratsposten mit Bezug zur Formel 1 inne.

Welche Strafe droht Ecclestone?

Wird Ecclestone verurteilt, droht dem Briten eine Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren. Ausschlaggebend für den hohen Strafrahmen ist die Tatsache, dass die Ermittler von einem besonders schweren Fall ausgehen. Außerdem stufen sie Gribkowsky nicht als gewöhnlichen Geschäftsmann, sondern als Amtsträger ein, weil die Landesbank dem Freistaat Bayern gehört.

Wie stehen die Chancen auf einen Freispruch?

Laut Anti-Korruptions-Anwältin Sylvia Schenk stehen die Chancen auf einen Freispruch nicht gut. "Unter dem Compliance-Gesichtspunkt gilt zu bedenken, dass Ecclestone die Zahlungen in der Höhe von 44 Millionen Dollar bereits zugegeben hat und seine Begründung ist nicht wirklich glaubwürdig. Vielmehr ist es ein Beweis mangelnder Integrität. Für die Staatsanwaltschaft gilt es jetzt seine individuelle Verantwortung zu beweisen", wird Schenk in englischen Medien zitiert.

Welche Konsequenzen hatte die Schmiergeldaffäre bereits zur Folge?

Bis der Fall abgeschlossen ist, wird Ecclestone mit sofortiger Wirkung als Direktor zurücktreten
F1-Holding

Bernie Ecclestone trat von seiner Position als Direktor der F1-Holding CVC zurück, nachdem das Landgericht München die eingebrachte Anklage der Staatsanwaltschaft gegen den Briten rund um den Verkauf der Formel-1-Anteile der Bayerischen Landesbank (BayernLB) zugelassen hat. "Bis der Fall abgeschlossen ist, wird Ecclestone mit sofortiger Wirkung als Direktor zurücktreten und dabei auch seine Vorstandspflichten und -verantwortungen abtreten", teilte die F1-Holding in einem Statement mit.

Der Brite hatte seinen Rücktritt selbst angeboten, wobei dadurch keine unmittelbaren Auswirkungen auf die F1 entstehen. Ecclestone wird seinen Job wie bisher weiterführen, allerdings wird ihm nun genauer auf die Finger geschaut. Die Holding hat ein verstärktes Monitoring und eine verstärkte Kontrolle seiner Arbeit angekündigt. Zudem müssen alle Deals von Ecclestone künftig vom neuen Vorstand abgesegnet werden.

Ist die Ära Ecclestone damit zu Ende?

Eine Rückkehr von Ecclestone in seine offiziellen Positionen ist nicht ausgeschlossen. Im offiziellen Statement der F1-Holding kam mehrere Male die Formulierung "für die Dauer des Prozesses" vor. Sollte Ecclestone freigesprochen werden, steht einem Comeback in offizieller Position nichts im Weg. Allerdings ist das Image von Ecclestone schwerwiegend angekratzt.

Anklage und Rücktritt haben gezeigt, dass der 83-Jährige nicht mehr allmächtig und unverwundbar ist. Ecclestone selbst gab zuletzt zu, mit einem F1-Abschied zu liebäugeln. "Am Ende des Jahres bin ich 84 und ich muss dann Überlegungen anstellen, ob ich in meinem 85. Lebensjahr weiterhin das machen will, was ich zuvor verdammt noch mal wie viele Jahre gemacht habe? Das ist etwas, worüber ich ernsthaft nachdenken muss."


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