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Formel 1 - Hintergründe der Formel 1: Bernie Ecclestone

Die Skandale - Teil 3

Kaum eine große Karriere kommt ohne die obligatorischen Skandale aus - bestes Beispiel hierfür ist wohl Bernie Ecclestone. Die Folgen sind noch unklar.
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Motorsport-Magazin.com - Nach seinem großen Erfolg als Manager der Formel 1 verkaufte Bernie Ecclestone 1988 schließlich seinen Rennstall und beschäftigte sich ausschließlich mit dieser Aufgabe. Inzwischen hatte er auch dafür gesorgt, dass wichtige Positionen in der FIA von seinen engen Vertrauten besetzt wurden, unter anderem mit Charlie Whiting und Herbie Blash, zwei ehemaligen Mitarbeitern bei Brabham. Als 1992 auch noch sein Rechtsbeistand und langjähriger Freund Max Mosley zum FIA-Präsidenten gewählt wurde, war er endlich der uneingeschränkte König in seinem Reich.

Charlie Whiting - einst Mechaniker bei Brabham, wurde mit Ecclestones Brabham-Verkauf FIA-Delegierter - Foto: Sutton

Kritiker meinten jedoch, die Tatsache, dass er sowohl als Vertreter der Formula One Group mit den Rennstreckenbetreibern verhandle, als auch ein Mitglied des FIA-Gremiums, das den Sport repräsentiere, war, sei ein "gefährlicher Interessenskonflikt", der in keinster Weise dem Sport förderlich war. Kurz vor der Jahrtausendwende betrug der Gewinn Ecclestones aus den Fernsehrechten alleine 103 Mio. Dollar pro Jahr.

Als Ecclestone 1996 gesundheitliche Probleme hatte und feststellen musste, dass seine Einnahmequellen nicht ohne Probleme an seine Familie vererbt werden konnten, begann er ernsthaft, über seine Nachfolge nachzudenken. Er gründete das Unternehmen Petara, das später in FOM umbenannt werden sollte, dem er die FOA schenkte und überließ Petara einer weiteren neugegründeten Gesellschaft, SLEC Holdings (nach Slavica Ecclestone, seiner damaligen Frau), die über ein weiteres Unternehmen namens Bambino im Besitz seiner Frau war. In den Genuss finanzieller Erträge würde seine Familie jedoch erst durch einen 1997 geplanten Börsengang gelangen.

Nachdem das Jahr mit Problemen um den geplanten Aktienverkauf startete, wurde Ende des Jahres ein Skandal publik, der sowohl die Formel 1 als auch die englische Politik erschütterte: Im Wahlkampf Tony Blairs hatte Ecclestone, normalerweise ein treuer Anhänger der Tory-Partei, dessen Labour-Partei eine Million Pfund gespendet – offenbar nicht ohne Gegenleistung, denn nach Blairs Wahlsieg ging die englische Regierung gegen ein für Ecclestone unangenehmes neues EU-Gesetz vor, das Tabakproduzenten als Sponsoren von Sportveranstaltungen ausschloss. Auf Betreiben der Medien erhielt Ecclestone sein Geld zurück, doch der Schaden war enorm: Um seinen eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, schob der britische Premierminister alle Schuld auf Ecclestone, dessen Ruf sich innerhalb kürzester Zeit massiv verschlechterte. Außerdem drohte die EU Ecclestone mit Sanktionen, da sein 15 Jahre währender Vertrag mit der FIA "ein schwerwiegender Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht" sei. Schließlich einigte man sich auf eine "Vermietung" der Rechte an Ecclestone für 100 Jahre ab 1999 für 360 Mio. Dollar. Dennoch war der geplante Börseneinstieg vorerst geplatzt.

Gerhard Gribkowsky - hier mit Niki Lauda - musste sich für sein Vergehen vor Gericht verantworten - Foto: Sutton

Stattdessen verkaufte er im Oktober 1999 über einige Zwischenstationen 50 % der Formel 1 an den deutschen Medieninvestor Thomas Haffa, die später zusammen mit weiteren 25 % an die deutsche Kirch-Gruppe gehen sollten. Die Kontrolle behielt jedoch Ecclestone. Der Gesamtwert der Formel 1 betrug dem Preis des 50 %-Anteils zufolge damals 3,2 Milliarden Dollar. Den Ausgang der Geschichte, als die Kirch-Gruppe Insolvenz anmelden musste, Ecclestone zusammen mit Alpha Prema die 75 % wieder übernahm und eine politische Krise in Bayern eingeläutet wurde, ist aktuell ein heißes Thema in den Medien. Der Handel wurde als Gribkowsky-Skandal bekannt, angeblich soll Ecclestone Bestechungsgelder in Höhe von 44 Mio. US-Dollar an Gribkowsky gezahlt haben, um den Deal in die gewünschten Bahnen zu lenken. Möglicherweise könnte dieser Skandal Ecclestone letztendlich den Kopf kosten. Obwohl er sich unbeeindruckt vom Gerichtsprozess gab, wurden in den Medien bereits erste Überlegungen zu seiner Nachfolge im Falle einer Haftstrafe angestellt.

Im nächsten Teil: Die aktuelle Lage - eine Bestandsaufnahme. Gleich morgen und nur auf Motorsport-Magazin.com.


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