Formel 1 - Marko: Ricciardo auf Hamilton-Niveau

Kämpfen bis zum Schluss

Helmut Marko nimmt zur Motorensituation bei Red Bull Stellung und erklärt, warum der Sound der Formel 1 wieder lauter werden muss.
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Motorsport-Magazin.com - Nachdem endgültig feststeht, dass Daniel Ricciardo seinen zweiten Platz aus Melbourne nicht zurückerhält, richtet sich der Fokus bei Red Bull Racing nun gänzlich auf das Wettmachen des stattlichen Rückstands, den man seit Saisonbeginn auf Mercedes hat. "Wir sind optimistischer, weil wir den Motor in einigen Bereichen noch nicht optimal nützen. Wir wissen, bis zu welchem Grad der Motor funktioniert und was noch nicht funktioniert. Wir machen Fortschritte", glaubt Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko im Gespräch mit der APA, dass der erhoffte Schritt nach vorne in absehbarer Zeit gelingen wird.

Von den Platzierungen, die Ricciardo bisher de facto geholt hat, wäre er in der WM fast auf Hamilton-Niveau
Dr. Helmut Marko

"Von den Platzierungen, die Ricciardo bisher de facto geholt hat, wäre er in der WM fast auf Hamilton-Niveau. So schlecht sind wir nicht", hielt der Österreicher fest. Zur mangelnden Motorperformance würden noch andere Dinge wie etwa die Disqualifikation beim Saisonauftakt erschwerend hinzukommen. "Aber wir kämpfen bis zum Schluss", versicherte der 70-Jährige.

Viele Fehler erkannt

Marko war zuletzt mehrfach in der Renault-Fabrik in Frankreich, um sicherzustellen, dass die Arbeiten an der schwächelnden Power Unit wie gewünscht voranschreiten. "Wir haben viele Fehler erkannt. Das, was uns geärgert hat, ist, dass man nicht ganz offen zu uns war. Jetzt gibt es eine konstruktive Zusammenarbeit", erläuterte er. "Der Grundfehler war, dass Renault viel zu spät angefangen hat. Ferrari trifft das aber genauso. Dass wir uns da mit Montezemolo unterhalten, ist auch klar - ohne den Niki, auch wenn ihm das nicht gefällt."

Ferrari und Red Bull haben Nachholbedarf - Foto: Sutton

Dem Vernehmen nach soll die Renault-Power-Unit rund 80 PS weniger als das Mercedes-Aggregat leisten - ein Umstand, den Red Bull nicht hinnehmen will. "Wir sind es aus den vergangenen Jahren gewohnt, auch mit weniger PS mitzuhalten, wenn man bei anderen Lösungen clever ist. Aber 80 sind zu viel - vor allem, wenn man auch bei der Fahrbarkeit deutlich schlechter ist", hielt Marko fest, den aber nicht nur die mangelnde Power stört. "Mercedes kommt mit 6 kg Benzin ins Ziel, und wir messen im Grammbereich. Sie haben mehr Leistung, eine bessere Fahrbarkeit und weniger Verbrauch."

Die große Sound-Debatte

Red Bulls großer Wunsch wäre es fraglos, beim Heimrennen des Teams Ende Juni in Spielberg siegfähig zu sein. Ob dieser Wunsch auch tatsächlich Realität wird, wird sich aber erst weisen. "Das hängt alles von der Motorentwicklung ab. Wir sind nicht diejenigen, die das maßgeblich entscheiden können. Von der Fahrwerksseite haben wir unseren Part getan. Aber Spielberg geht bergauf", nahm Marko auf die Eigenschaften der steirischen Strecke Bezug.

Wir machen keine Formel für Ingenieure, sondern etwas für die Fans
Dr. Helmut Marko

Der Österreicher hofft zudem, dass sich auch in Sachen Motorensound bis zum Rennen auf dem Red Bull Ring noch etwas tut. "Das ist ein Teil der Formel 1. Wir machen keine Formel für Ingenieure, sondern etwas für die Fans", stellte er klar. "Es geht um die Akzeptanz bei den Fans. Mercedes macht das ja nicht, weil sie Formel-1-geil sind, sondern damit sie ihr Altherren-Image wegbekommen. Wir machen es, damit wir Dosen verkaufen. Und Ferrari verkauft seine Autos. Letztlich ist die Formel 1 ein Marketing-Tool. Also muss man auf den achten, der das alles trägt und finanziert."

Wenn immer weniger Zuschauer an die Rennstrecke kommen und auch die Fernsehquoten permanten sinken, werden die Budgets der Teams beschnitten werden, ist der ehemalige Grand-Prix-Pilot überzeugt, der glaubt, dass es Lösungen für das Sound-Dilemma gibt. "Es ist schwierig mit dem Turbolader, aber es gibt technische Möglichkeiten", betonte Marko. "Es wird daran gearbeitet. Natürlich will Mercedes seinen Vorsprung nicht verlieren, aber irgendwann muss man über den Tellerrand hinausschauen."


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