Formel 1 - Technikanalyse: Sauber C32

Schlankheitswahn im grauen Kleid

Sauber präsentiert mit dem C32 zwar eine Evolution des Vorjahresfahrzeugs, doch diese hat es wirklich in sich. Ein technischer Blick auf die Waffe aus Hinwil.
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Motorsport-Magazin.com - Wenn künftig alle Formel-1-Boliden derart schlank daherkommen sollten, wird Monisha Kaltenborn triumphierend jeden zu Recht fragen können: "Wer hat's erfunden?" Es waren die Sauber-Mannen rund um Chefdesigner Matt Morris, denen es gelungen ist, den Schlankheitswahn bei den Formel-1-Boliden auf die Spitze zu treiben. Morris wird nun für einige Wochen bei den Technikern aller Rennställe wohl in aller Munde sein. Trotzdem sollte man realistisch bleiben und nicht erwarten, dass Sauber aufgrund weit eingezogener Seitenkästen der Konkurrenz um die Ohren fährt. Beachtlich ist diese Taillierung aber allemal.

Komplett neu: Die Hinterradaufhängung des Sauber C32 - Foto: Sutton

Sauber verfolgt seit langer Zeit bereits eine Philosophie, das Auto beständig von Rennen zu Rennen weiterzuentwickeln. Bis zum Saisonstart dürfte sich in einigen Bereichen noch etwas ändern. Gerade der Bereich Airbox und Heckflügel mutet äußerst konservativ an. Dafür hat Sauber wiederum bei der Hinterradaufhängung neue Wege beschritten und sie im Vergleich zum Vorgängermodell völlig neu konstruiert. Natürlich war keine vollständige Revolution ein Jahr vor den neuen Regeln zu erwarten, aber Sauber hat bislang die spektakulärste Evolution aller bisher präsentierten Modelle vorgestellt.

Die Nase ragt weit über den Frontflügel hinaus. Hier haben sich zwei Modelle etabliert: Kurz und hochnasig, wie zuletzt bei Ferrari gesehen, oder tiefer und weit über den Flügel hinaus. Letzteres verfolgt Sauber. Die erste Neuerung verbirgt sich in der nur zum Teil verdeckten Stufennase: Der C32 verwendet die erlaubte optische Retusche, aber nur an den Kanten der Nase, so dass von der Seite der Knick nicht sichtbar ist, man von vorne jedoch die Stufennase in voller Ausprägung sieht. Insgesamt hat Sauber damit Höcker in Red-Bull-Manier ausgebildet, wenn auch in einer deutlich weniger ausgeprägten Form.

Von Bügeln und Taillen

Das geheimnisvolle Röhrchen am Ende der Motorabdeckung - Foto: Sutton

Der Frontflügel basiert auf dem Vorjahresmodell. Doch es ist in der Formel 1 mittlerweile Standard, dass Dutzende von Frontflügelvarianten im Laufe einer Saison an den Fahrzeugen hängen. Da wird auch Sauber keine Ausnahme machen. Ebenfalls konservativ ist die Vorderradaufhängung , die vom C31 übernommen und leicht angepasst wurde. Unter dem Rumpf befindet sie die charakteristische umgedrehte Hai-Finne, die die Luft in den Beginn des Unterbodens leitet, von wo aus sie entweder um die Seitenkästen herum oder unter dem Fahrzeug hindurch in Richtung Heck geleitet wird.

Die spektakulärste Neuerung bilden natürlich die Seitenkästen. Wie groß der Effekt wirklich ist, wird man erst bei den Testfahrten sehen. Eine technische Meisterleistung ist diese Schlankheit aber in jedem Fall. Morris und sein Team dürften lange Zeit damit verbracht haben, die Kühler so anzuordnen, dass sich diese Form realisieren ließ. Die Luftleitbleche, die früher einmal am Rand der Seitenkästen befestigt waren, stehen mittlerweile völlig allein auf dem Unterbodenauswuchs. Sie sind über einen Bügel mit dem Seitenkasten verbunden. Dieser Bügel erfüllt auch aerodynamische Funktionen und wurde so bislang nur von Lotus gezeigt.

Magisches Röhrchen unter dem Heckflügel

Die lange Nase des C32 - Foto: Sutton

Ganz konservativ und ohne zusätzliche Kanäle scheint hingegen von vorne die Airbox gestaltet. Während die Fachwelt über mögliche passive DRS-Funktionen der Zusatzkanäle bei Lotus und Ferrari spekuliert, ist die Lufthutze bei Sauber ganz schlicht gehalten. Doch am Ausgang fällt auf: Ein kleines Röhrchen am Ende der Motorabdeckung bläst direkt unter das Hauptblatt des Heckflügels. Es könnte sich nur um einen einfachen Auslass handeln, möglicherweise aber steckt noch mehr dahinter. Auch hier bleibt nur das Warten auf die Testfahrten, ob diese Lösung dort weiterentwickelt wird.

Noch ziemlich vorläufig ist hingegen der Heckflügel. Hier wird Sauber ganz sicher noch etwas bei den Testfahrten zeigen. Beim Thema Auspuff gilt das ohnehin, da sich hier keiner in die Karten schauen lassen möchte. Die Überraschung ist Sauber jedenfalls dank der Seitenkästen gelungen, trotzdem sollte man zunächst auf dem Teppich bleiben und nicht zu viel davon erwarten. Dennoch hat Sauber im letzten Jahr nach aktuellem Reglement die große Chance auf den ersten Sieg.


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