WRC

Ogier gewinnt in Wales, Volkswagen feiert Hersteller-Titel

Sebastien Ogier musste bei der Rallye Wales alles geben, um den grandios fahrenden Ott Tänak hinter sich zu halten und seinen ersten Schottersieg 2016 zu feiern
von Annika Kläsener

Motorsport-Magazin.com - Sebastien Ogier gewinnt zum vierten Mal in Folge die Rallye Großbritannien. Das ist zuvor nur Petter Solberg gelungen, Hannu Mikkola holte seine vier Siege mit einer Unterbrechung. Alle drei führen nun gemeinsam die Bestenliste der Rallye Großbritannien an. Der Triumph in Wales ist für Ogier der erste Schottersieg in dieser Saison. Zudem sicherte er Volkswagen den Herstellertitel - und das trotz Defekten bei Jari-Matti Latvala und Andreas Mikkelsen.

Wir mussten eine perfekte Rallye hinlegen, um ihn zu schlagen.
Sebastien Ogier

"Den Herstellertitel zu gewinnen hatte dieses Wochenende Priorität und ich muss meinem Team danken, denn ohne die harte Arbeit hätten wir es nicht geschafft", sagte Ogier. "Es war nicht so einfach, um ehrlich zu sein. Ich musste das ganze Wochenende über wirklich hart pushen. Ott [Tänak] ist nur so über die Prüfungen geflogen. Er war sehr konstant und hat keine Fehler gemacht", zog er vor seinem Konkurrenten den Hut. "Wir mussten eine perfekte Rallye hinlegen, um ihn zu schlagen."

Ogier ging mit mehr als 30 Sekunden Vorsprung in den letzten Tag der Rallye, kam jedoch mit gerade einmal 10,2 Sekunden Polster auf Tänak ins Ziel. Der Este gewann am Finaltag alle Prüfungen und war auf den 22 Prüfungen insgesamt zwölf Mal der schnellste Fahrer. Zum Vergleich: Ogier kam auf sieben Bestzeiten. Die verbliebenen drei gingen an Thierry Neuville und Andreas Mikkelsen.

Ogier erklärte im Laufe des Wochenendes mehrfach, dass Tänak mit den Reifen von Hersteller DMACK einen Vorteil habe, da diese weicher seien als die Pneus von Michelin. Tänaks Leistung lässt sich damit allerdings nicht schmälern, denn mit einer späten Startposition war er an diesem Wochenende mit feuchten, rutschigen Straßen klar im Nachteil.

Den letzten Podestplatz - den ersten für Hyundai in Wales - sicherte sich Neuville, der dieses Ergebnis einem jüngst verstorbenen Freund widmete. Der Belgier musste sich das Podium erkämpfen, denn Teamkollege Hayden Paddon ließ nicht locker. Mit 19,5 Sekunden Vorsprung setzte sich Neuville letztlich jedoch klar durch. Da er auf der Power Stage einen Bonuspunkt einfuhr, liegt er nun mit 143 Punkten auf Rang zwei in der Fahrerwertung. Der zweite Vizetitel in seiner Karriere ist damit in greifbare Nähe gerückt.

Paddon trauerte nach der Rallye Spanien nun zum zweiten Mal in Folge einem verpassten Podest nach. Dennoch stellt Platz vier sein bislang bestes Ergebnis in Wales dar. Ganz und gar nicht zufrieden war Kris Meeke auf Platz fünf. Bereits am ersten Tag der Rallye schrieb er jede Hoffnung auf den Sieg ab, da er mit seiner späten Startposition keine Chance sah. Sein Fokus lag daher auf der Vorbereitung für die Saison 2017.

Eine Rallye zum Vergessen erlebte auch Dani Sordo, der nicht über Rang sechs hinauskam. Der Spanier kam mit den Bedingungen nicht zurecht, obwohl er sich bei seiner Heimrallye auf nassem Schotter gut geschlagen hatte. Mit Platz sieben musste Latvala Vorlieb nehmen, nachdem am Freitagnachmittag an seinem Polo R WRC die Antriebswelle brach. Derselbe Defekt hatte zurvor Mikkelsen ereilt, der so viel Zeit verlor, dass er nur auf Rang zwölf ins Ziel kam. Zwei Punkte auf der Power Stage sind ein schwacher Trost für den vormals Zweitplatzierten in der WM.

Mads Östberg hatte andere Sorgen als Defekte oder seine Pace. Beifahrer Ola Floene fühlte sich gesundheitlich nicht fit und tat sich daher schwer, den Aufschrieb vorzulesen. Der Norweger wurde bei einem Reifenwechsel mutmaßlich von einer Schlange gebissen - ein ungewöhnlicher Vorfall in Wales.

Ein gelungenes Comeback feierte Stephane Lefebvre mit Rang neun. Der Citroen-Pilot kehrte zwei Monate nach seinem schweren Unfall bei der Rallye Deutschland zurück und schlug sich wacker. Landsmann Eric Camilli wurde nach mehreren Reifenschäden nur Zehnter.

Von den vier gestarteten Citroen DS 3 WRC des Abu Dhabi Total World Rally Teams sahen drei das Ziel: Meeke als Fünfter, Lefebvre als Neunter und Quentin Gilbert bei seinem Debüt in der höchsten Klasse des Rallyesports als 17. Craig Breen konnte nach einem Überschlag am ersten Tag nicht mehr starten, da sein Auto zu stark beschädigt war. Bei der Rallye Australien, dem Abschluss der Saison 2016, geht das Team nicht an den Start.


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