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WRC

Auftakt zum Schotter-Quartett rund ums Mittelmeer

An diesem Wochenende steht die Sardinien Rallye auf dem Programm. Wir werfen einen Blick auf den fünften WM-Lauf!
von Daniel Grosvarlet

Motorsport-Magazin.com - Zurück auf dem alten Kontinent: Nach den Übersee-Läufen in Mexiko und Neuseeland macht der Rallye-WM-Zirkus Ende April Halt in Sardinien, zum zweiten Mal Austragungsort der Rallye Italien und erste von vier Mittelmeer-Schotterveranstaltungen in Folge. Nach dem souveränen Sieg von Michelin-Partner Sébastien Loeb auf der anderen Seite der Weltkugel blickt der französische Reifenspezialist auch dem fünften Saisonlauf optimistisch entgegen - obwohl den eigenen Partner-Teams Citroën, Ford und Skoda auf den engen Schotterpisten rund um Olbia gemäß Reglement nur ein Laufflächen-Design zur Verfügung steht.

Blickt der amtierende Weltmeister und Michelin-Pilot Sébastien Loeb auf das erste Viertel der diesjährigen Rallye-WM-Saison zurück, so dürfte ihm die Situation bekannt vorkommen: Bei den ersten vier von 16 Läufen konnte der Citroën Xsara WRC-Spezialist zwei Siege und einen vierten Platz sammeln, musste leider aber auch einen Ausfall verzeichnen - ebenso wie im Vorjahr, als er sich souverän die Fahrer-Krone aufsetzen konnte.

Dabei hatte Loeb nach seinem ungefährdeten Erfolg bei der Monte auch in Schweden sein enormes Talent wieder aufblitzen lassen und auf dem ureigentlichen Terrain der skandinavischen Winterspezialisten den zweiten Rang in der Gesamtwertung übernommen, als Motorprobleme ihn zwei Prüfungen vor dem Ziel aus der Wertung warfen. Und obwohl ihn ein Aufhängungsdefekt in den mexikanischen Höhenlagen um die Rallye-Ewigkeit von vier Minuten zurückwarf, kämpfte sich der schnelle Elsässer unverdrossen noch vom 18. Platz bis auf den vierten Rang wieder nach vorn. Und auf den wundervollen Schotterpisten Neuseelands dominierte der Titelverteidiger nicht zuletzt dank der neu entwickelten "Z BTO"-Pneus von Michelin seine Kontrahenten praktisch nach Belieben, so dass er aktuell als Zweiter der Fahrer-Zwischenwertung mit nur einem Punkt Rückstand auf Subaru-Mann Petter Solberg gen Sardinien reist.

Die Rallye Italien aus Sicht von Michelin

Auch wenn viele der 17 Wertungsprüfungen auf Sardinien für die Teilnehmer Neuland darstellen: Die Bedingungen auf der zweitgrößten Mittelmeerinsel sind Michelin wohl bekannt, da Testfahrten vor Ort - anders als bei WM-Läufen außerhalb Europas - dort zulässig sind. "Unsere Versuche hier haben sich als überaus produktiv erwiesen", erläutert Aimé Chatard, bei Michelin verantwortlich für das Rallye-Engagement. "Auf dieser Insel finden wir genau jene Bedingungen, die wir suchen - Strecken mit harten Oberflächen auf der einen und besonders schotterreiche Passagen auf der anderen Seite. Dadurch konnten wir in puncto Reifen definitiv Fortschritte erzielen."

Der typische Charakter der sardischen Wertungsprüfungen stellt für Michelin ohnehin eine bekannte Variable dar: "Die Pisten ähneln stark jenen von Mexiko", so Chatard. "Allerdings sind die Strecken etwas enger und weniger aggressiv zu den Reifen. Das Verschleißverhalten ist daher eher unproblematisch. Dafür muss das Profil - wie auch in Neuseeland - durch die oberste, lose Schotterschicht hindurch Halt auf dem festeren Untergrund finden."

Der ungewöhnliche Termin dieses WM-Laufs - statt traditionell im Herbst nun im Frühjahr - könnte hingegen für Komplikationen sorgen: Die Regenwahrscheinlichkeit ist markant höher. Dennoch schreibt das Reglement vor: Die Werkspiloten müssen sich vor Beginn der Rallye für ein Laufflächen-Design entscheiden, das allerdings bei Bedarf manuell nachgeschnitten werden darf. "Eine wichtige Option auch wenn es trocken bleibt", führt Chatard aus: "Speziell für den jeweils ersten Durchgang über die einzelnen Prüfungen werden wir das Profil öffnen, um auf der Strecke liegenden Staub und losen Schotter besser kanalisieren zu können."

Zum Einsatz kommt auf Sardinien die bewährte "Z"-Familie von Michelin mit allen verfügbaren Konstruktionen und Mischungsverhältnissen - darunter auch der "Z BTO", der sich in Neuseeland geradezu als Wunderwaffe erwiesen hat, angesichts des geringeren Verschleiß-Niveaus jedoch nicht automatisch erste Wahl ist. Dabei darf jeder einzelne Werksfahrer aus einem Kontingent von 50 Reifen im Laufe der Veranstaltung nicht mehr als 35 Pneus einsetzen.