WRC

Viele Fragezeichen trotz Bekanntgaben - Wie geht es für Evans, Kubica und Meeke weiter?

Die Cockpits für die Saison 2016 sind soweit vergeben, doch es gibt noch Testfahrerrollen oder sporadische Einsätze zu ergattern.
von Annika Kläsener

Motorsport-Magazin.com - Der Fahrermarkt für die WRC-Saison 2016 hat in den vergangenen Tagen deutlich konkretere Formen angenommen. Citroen hat eine Auszeit bekannt gegeben und M-Sport mit Mads Östberg und Eric Camilli ein komplett neues Fahrer-Duo vorgestellt. Ott Tänak hat im neuen DMACK World Rally Team ebenfalls eine neue Heimat gefunden.

Dennoch bleiben einige Fragen offen. So hat sich etwa Kris Meeke noch nicht dazu geäußert, ob er bei Citroen bleibt oder sich nach Alternativen umsieht. Der Nordire könnte als Testfahrer beim Team bleiben und den Boliden für 2017 mitentwickeln. Er besitzt viel technisches Fachwissen, da er vor seiner Karriere als Rallyepilot Maschinenbau studiert hat. In Citroen-Teamchef Yves Matton hat er zudem einen starken Fürsprecher.

Kris Meeke wäre ein geeigneter Testfahrer für Citroen - Foto: Citroen

Für Citroen würde es definitiv Sinn machen, einen Testfahrer zu engagieren, der das Team und das Vorgängerauto kennt. Auch für Meeke wäre ein Engagement als Testfahrer sinnvoll, um seine fahrerischen Fähigkeiten zu verbessern, ohne den Druck eines Wettbewerbs zu haben. Dass er schnell ist, hat er spätestens mit seinem ersten Sieg in dieser Saison bewiesen. Allerdings ist seine Fehlerquote deutlich höher als die seiner Konkurrenten: Knapp 35 Prozent stehen etwa 15 Prozent bei Jari-Matti Latvala entgegen, der als Crashpilot gilt.

Asphalteinsätze für Evans?

Elfyn Evans erlebte in seiner zweiten Saison in der WRC ebenfalls Höhen und Tiefen. Bereits bei der vierten Saisonrallye in Argentinien gelang ihm der erste Podestplatz. In den vier folgenden Rallyes sammelte er jedoch drei Mal keine Punkte. Sein Saisonhighlight war der zweite Platz bei der Rallye Korsika, wo er sogar einige Zeit lang an der Spitze lag. Mit 89 Punkten auf dem Konto beendete er die Saison nur knapp hinter dem erfahreneren Thierry Neuville.

Da die Cockpits bei M-Sport belegt sind, stellt sich die Frage, was aus dem walisischen Youngster wird. Teamchef Malcolm Wilson erklärte gegenüber Autosport, dass M-Sport daran arbeite, Evans zu halten. In welcher Rolle ist allerdings unklar. Evans könnte zum einen wie Meeke als Testfahrer für 2017 fungieren, denn die Stammfahrer werden angesichts des vollen Kalenders nicht allzu viel Zeit zum Testen haben. Zum anderen sind laut Wilson sporadische Einsätze bei Rallyes denkbar.

Es ist möglich, dass wir die Fahrer im Hauptteam durchwechseln und er könnte an ein paar Events teilnehmen.
Wilson über Evans

"Es sieht so aus, als würde es noch ein paar Wochen dauern, aber wir wollen ihn definitiv haben und wir wollen ihn im Auto", drückte sich Wilson vage aus. "Ich kann noch nicht sagen, welche Art von Programm es wäre, aber es ist möglich, dass wir die Fahrer im Hauptteam durchwechseln und er könnte an ein paar Events teilnehmen. Zum Beispiel gibt es in der zweiten Jahreshälfte vier Asphaltevents und Elfyn schlägt sich auf diesem Untergrund wirklich gut."

Mit Camilli hat M-Sport bereits einen Asphaltspezialisten im Team, das heißt, Östberg müsste Platz machen. Das dürfte dem Norweger sicherlich nicht schmecken und er hätte mit seiner Erfahrung durchaus Argumente, den Cockpittausch zu boykottieren. Allerdings könnte er im Falle eines Tauschs die Entwicklung des Boliden für 2017 übernehmen, was ihm insofern zugutekäme, als er ihn nach seinem Geschmack abstimmen könnte.

Kubica läuft die Zeit davon

Die größten Fragezeichen gibt es aber wohl bei Robert Kubica. Tritt er 2016 noch einmal in der WRC an? Wenn ja, bei wie vielen Events und mit welchem Team? Hat er die finanzielle und logistische Möglichkeit, wieder ein eigenes Team auf die Beine zu stellen? Oder kehrt er auf die Rundstrecke zurück? Zuletzt ging die Tendenz in Richtung eines Verbleibs in der WRC. "Um ehrlich zu sein, denke ich, dass es der schlechteste Zeitpunkt zum Aufhören wäre. In den letzten fünf oder sechs Events habe ich mich mehr wie ein reifer Rallyefahrer gefühlt", sagte Kubica nach dem Saisonabschluss in Wales. "Ich fühle mich mehr wie ein Rallyefahrer als je zuvor."

Um ehrlich zu sein, denke ich, dass es der schlechteste Zeitpunkt zum Aufhören wäre.
Robert Kubica

Allerdings dürfte Kubica ein ähnliches Programm wie Lorenzo Bertelli vorschweben. Dieser schloss sein Privatteam und fährt 2016 in einem M-Sport-Fiesta. Der Name des Teams und die genaue Struktur sind noch nicht bekannt, doch es hieß seitens M-Sport, dass Bertelli von der Arbeit als Teammanager entbunden werden soll. Das große Problem bei Kubica ist, dass ihm die Zeit davonläuft. Am 18. Dezember ist bereits der Nennschluss für die Rallye Monte Carlo.


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