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Weinberge, Hinkelsteine und ein Fluch - Vorschau Rallye Deutschland

Die Rallye Deutschland gilt als eine der herausforderndsten im Kalender der WRC. Das bekam in der Vergangenheit vor allem Volkswagen zu spüren.
von Annika Kläsener

Motorsport-Magazin.com - Die Rallye Deutschland - eine Rallye wie jede andere? Weit gefehlt! "Eigentlich fahren wir bei der Rallye Deutschland drei Asphalt-Rallyes an einem Wochenende, weil sich die Untergründe an den drei Tagen stark voneinander unterscheiden", meint VW-Pilot Andreas Mikkelsen. "Anders als bei anderen Events haben die Prüfungen nicht den gleichen Grundcharakter. Einige sind schnell und offen, andere eng und kurvig und dann gibt es da noch die Panzerplatte, die mit nichts im Kalender zu vergleichen ist", pflichtet ihm Elfyn Evans von M-Sport bei.

Eigentlich fahren wir bei der Rallye Deutschland drei Asphalt-Rallyes an einem Wochenende.
Andreas Mikkelsen

Die Route der Rallye Deutschland führt die Piloten zum einen über verschlungene Wege in den Weinbergen an der Mosel und zum anderen über offene Straßen im Saarland. Sie reicht bis an die Grenze zu Belgien und Luxemburg und hat mit den Hinkelsteinen auf dem Truppenübungsplatz Baumholder eine der am meisten gefürchteten Herausforderungen zu bieten. Denn wer den Steinen zu nahe kommt, spürt ihre Unnachgiebigkeit.

Ein Vorteil für die Fahrer ist, dass die 2015er Ausgabe des Events mit keiner gänzlich neuen Prüfung aufwartet. Die 'Panzerplatte', wie die Prüfung auf dem Truppenübungsplatz Baumholder genannt wird, steht dieses Jahr fünf Mal auf dem Programm - drei Mal in der kurzen und zwei Mal in der langen Variante. Damit vereint sie die kürzeste und die längste gewertete Distanz der Rallye. Die Power Stage bildet am Sonntag die allseits bekannte Dhrontal-Prüfung.

Wolfsburgs Waterloo

Für Volkswagen und den Polo R WRC ist die Rallye Deutschland noch ein weißer Fleck auf der Landkarte, beinahe ein Waterloo der Wolfsburger. Es ist der einzige Lauf, den sie mit dem Polo noch nie gewinnen konnten. "Eines ist klar: Unsere Bilanz bei unserem Heimspiel spiegelt weder unsere hohen Ziele noch unsere bisherige Performance in Deutschland wider", gesteht VW-Motorsport-Direktor Jost Capito. "Es gibt keinen WM-Lauf, bei dem unser Siegeshunger so groß und doch so ungestillt ist. Sowohl 2013 als auch 2014 hätten wir aus eigener Kraft den Sieg hier holen können, sind aber jeweils mit Sebastien Ogier und Jari-Matti Latvala in Führung liegend ausgeschieden."

So endete für Latvala die Rallye Deutschland 2014 - Foto: Sutton

Besonders bitter endete die Rallye Deutschland 2014 für Latvala. Mit mehr als einer Minute Vorsprung hatte der Finne den Abschlusstag aufgenommen, der Sieg schien ihm nicht mehr zu nehmen, als er einen Weinberg hinabrutschte. Andreas Mikkelsen rettete damals als Dritter die Volkswagen-Ehre und holte den bislang einzigen Podestplatz der Wolfsburger in Deutschland.

Volkswagen versucht es 2015 mit einem anderen Ansatz: gebraucht statt neu lautet das Motto. Die Chassis von Ogier und Latvala wurden nicht wie in den Vorjahren neu aufgebaut, sondern waren bereits bei der Rallye Monte Carlo, in Mexiko, Portugal und Polen im Einsatz. Die Testfahrten für das Event fanden sowohl in Deutschland als auch auf Korsika statt, wo im Oktober die Rallye Frankreich ausgetragen wird.

Familientreffen der Neuvilles

Auch die Konkurrenz hat ausführlich getestet. Hyundai geht zum zweiten Mal in diesem Jahr mit vier Autos an den Start. Das in Alzenau beheimatete Team wird diesmal nicht das einzige mit einem Neuville im Cockpit sein. Neben Vorjahressieger Thierry Neuville geht auch Bruder Yannick bei der Rallye Deutschland an den Start. Der 24-Jährige kämpft im ADAC Opel Rallye Cup um den Sieg und hat auch den Titel ins Visier genommen.

Ogier kann bei der Rallye Deutschland seinen dritten Weltmeistertitel in Folge bereits unter Dach und Fach bringen - allerdings nicht aus eigener Kraft. Selbst bei maximaler Punktzahl müssten die Verfolger 'mithelfen'. Das haben Latvala, Östberg, Mikkelsen und Neuville allerdings nicht vor. Und dann bleibt da ja noch der Deutschland-Fluch. Ob VW ihn diesmal besiegen kann? Aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei.


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