WRC

Kubica mit Problemen - Schweden: Mikkelsen mit unverhoffter Führung

Andreas Mikkelsen übernachtet als Führender der Rallye Schweden, nachdem Sebastien Ogier und Jari-Matti Latvala den Schneewällen zu nahe kamen.
von Annika Kläsener

Motorsport-Magazin.com - Am Freitag standen bei der Rallye Schweden neun Prüfungen über 124,54 Kilometer auf dem Programm und die sollten es in sich haben. Das große Drama spielte sich auf der neunten Prüfung ab, als sowohl Sebastien Ogier als auch Jari-Matti Latvala unliebsame Bekanntschaft mit einem Schneewall machten. Während Ogier seine Führung und etwa eine halbe Minute einbüßte, konnte Latvala erst nach achteinhalb Minuten aus dem Graben, in dem er sich festgefahren hatte, befreit werden.

Wir mussten heute Risiken eingehen.
Sebastien Ogier

Profiteur der Fehler seiner Teamkollegen ist Andreas Mikkelsen. Er liegt nun mit einem Vorsprung von 19,1 Sekunden auf Thierry Neuville in Führung. Beide gewannen je eine Prüfung. "Natürlich ist es ein tolles Gefühl, zu führen. Um ehrlich zu sein, ist es auch etwas überraschend, denn wir hatten den ganzen Tag über nicht den besten Rhythmus", sagte Mikkelsen. "Ich fühle aber auch mit Seb und Jari-Matti - es ist nicht toll, vom Pech seiner Teamkollegen zu profitieren. Es ist natürlich noch nicht vorbei. Wir haben noch zwei Tage vor uns und ich erwarte nicht, dass Thierry, Mads oder Seb schon aufgeben wollen."

Neuville bestätigte diese Annahme, indem er sagte: "Ein großartiger Tag. Ich fühle mich mit dem Auto gut. Und es wird noch mehr kommen." Mads Östberg folgt dem Belgier dicht auf den Fersen. Der Norweger sprach von einem guten Tag, aber zu vielen Zwischenfällen. Vor allem ein Zuschauer, dem er ausweichen musste, kostete ihn Zeit und Nerven. "Es hat mich die Chance gekostet, früher um den Sieg zu kämpfen", klagte er und nahm die Organisatoren in die Pflicht.

Ogier: Scheibenwischer und Scheibe kaputt

Auf Platz vier und mit 24,7 Sekunden Rückstand auf Mikkelsen ist Ogier noch nicht aus dem Rennen um den Sieg. "Der Plan ist jetzt der gleiche: weiter so hart zu pushen wie es geht. Wir mussten heute Risiken eingehen. Als Erster auf die Strecken zu müssen war bei der zweiten Durchfahrt ein Problem", berichtete der Weltmeister. "Ich habe hart gepusht, um das zu kompensieren. Ich bereue aber nichts. Ich habe einen Fehler gemacht, aber ich bin mit meinem Tag zufrieden."

Vor seinem Ausrutscher in den Schnee hatte Ogier außerdem mit defekten Scheibenwischern zu kämpfen. Nach dem Versuch, sie zu reparieren, vergaß er, die Motorhaube zu befestigen. Diese flog gegen die Windschutzscheibe, was auf beiden Teilen Spuren hinterließ.

Platz fünf belegt Ott Tänak, der angab, erst am Nachmittag einen Rhythmus gefunden zu haben. Auch Hayden Paddon erging es erst in der zweiten Tageshälfte besser, auch wenn er nach wie vor damit zu kämpfen hat, dass er mit Dani Sordos Setup fahren muss. Ein angepasster Fahrstil half ihm dabei, etwas besser zurechtzukommen und den zweiten Tag der Rallye auf Platz sechs zu beenden.

Protasov verblüfft alle

Platz sieben ging am Freitagabend an Martin Prokop, der ohne vierten Gang unterwegs war. Dahinter reihte sich der Überraschungsmann des Tages ein: Yuriy Protasov. Der Ukrainer gewann unerwartet die zweite Durchfahrt der Prüfung Kirkenaer und distanzierte den Zweitplatzierten Latvala um 2,2 Sekunden. Es war der erste Stagesieg für den Privatier.

Ich bin ziemlich enttäuscht. Es ist nicht ganz einfach, die Motivation zu finden.
Jari-Matti Latvala

Die Top-10 komplettieren Henning Solberg und Elfyn Evans. Letzterer zählte auch zu denjenigen, die den Schneewällen zu nahe kamen und Zeit verloren. Außerhalb der besten Zehn fand sich neben Neuling Kevin Abbring auch Citroen-Pilot Kris Meeke wieder, der einen Kontakt mit einem Schneewall nahezu ohne Schaden überstand. "Ich bin mit dem Auto zufrieden, aber leider sind die Schneewälle weich. Nur müssen wir versuchen, das bestmögliche Ergebnis für das Wochenende zu erreichen."

Weit zurück liegen Robert Kubica und Latvala. Der Pole hat nach eigener Einschätzung Probleme mit der Antriebswelle oder dem Differenzial und ist nur noch mit Vorderradantrieb unterwegs. Sein Rückstand auf die Spitze beträgt fast acht Minuten. Latvala liegt knapp achteinhalb Minuten zurück und war entsprechend geknickt. "Ich bin ziemlich enttäuscht. Es ist nicht ganz einfach, die Motivation zu finden. Wir haben Arbeit vor uns, um den Fokus zurückzubekommen. Ich werde versuchen, ein gutes Gefühl beim Fahren zu finden. Der Plan lautet nun, mich wenn möglich wieder in die Punkteränge zu bringen."

Die Top-10 in der Übersicht:

1. Mikkelsen (Volkswagen) 1:14:03.6
2. Neuville (Hyundai) +19.1
3. Östberg (Citroen) +19.4
4. Ogier (Volkswagen) +24.7
5. Tänak (Ford) +1:06.2
6. Paddon (Hyundai) +1:37.1
7. Prokop (Ford) +2:00.5
8. Protasov (Ford) +2:11.4
9. Solberg (Ford) +2:18.2
10. Evans (Ford) +2:49.6


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