Pierre Dupasquier ist seit Jahrzehnten der Motorsportansprechpartner Nummer 1 bei den Franzosen von Michelin. Egal ob Formel 1, Motorrad-WM oder Rallye-Weltmeister, der leidenschaftliche Franzose mischt überall mit und sagt immer offen und ehrlich seine Meinung.

Blicken wir auf die Rallye-Weltmeisterschaft 2004 zurück: Mit dem Gewinn des Fahrer- und Konstrukteurs-Titels verlief die Saison für Michelin praktisch nach Wunsch - allerdings hatten Sie dort auch wenig Konkurrenz…

Pierre Dupasquier: Subaru und Pirelli haben uns als Gegner durchaus genügt - immerhin ging Petter Solberg als Titelverteidiger auf der Höhe seiner fahrerischen Kunst in die Saison und der Impreza WRC ist aus meiner Sicht nach wie vor das Auto, das es zu schlagen gilt. Petter wurde gegen Ende des Jahres jedoch immer langsamer, ich habe keine Ahnung, warum. Da muss ein größeres Problem aufgetaucht sein.

Für die kommende Saison wechselt das Werksteam von Peugeot - sonst ein treuer Michelin-Partner - das Reifenlager. Warum?

Pierre Dupasquier: Sie brauchten schlicht und ergreifend Geld - aber wir waren nicht bereit, für die Lieferung unserer Reifen auch noch zu bezahlen.

Die Rallye-Weltmeisterschaft wandelt derzeit ihr Gesicht mit atemberaubenden Tempo. Halten Sie dies für einen guten Trend?

Pierre Dupasquier: Ehrlich gesagt: nein. Michelin engagiert sich seit mehr als 35 Jahren in der Rallye-WM. Eine gewisse Portion Abenteuer gehörte bislang immer mit dazu - die "Safari" in Kenia, die "Nacht der langen Messer" bei der Rallye Monte Carlo oder auch die irrwitzigen Geschwindigkeiten auf den Schnee-Pisten in Schweden. Doch diese Komponente verschwindet zusehends. Die einzelnen WM-Läufe entwickeln sich immer mehr zu VIP-gerechten Veranstaltungen und ähneln immer mehr Rundstrecken-Rennen. Das hat mit dem wahren Geist des Rallye-Sports bald nichts mehr zu tun.