Die Entscheidung von Alpine, das WEC-Rennen in Fuji an diesem Wochenende (25.-27. September 2026) mit nur je zwei statt den sonst üblichen drei Fahrern in den beiden Prototypen zu bestreiten, hat international für Verwunderung gesorgt. Die Franzosen kommunizierten ihre Entscheidung und den Verzicht auf Antonio Felix da Costa sowie Fred Makowiecki ohne die Angabe von Gründen und nur wenige Tage vor dem Rennen in Japan. Nachfragen von Medien blieben zunächst unbeantwortet.

An diesem Freitag hat Alpine-Teamchef Philippe Sinault erstmals gegenüber Pressevertretern Stellung bezogen und darauf verwiesen, dass es sich um einen Entschluss aus Wettbewerbsgründen gehandelt habe. Der Grund für die reduzierten Fahrer-Aufgebote - erstmals seit Alpines WEC-Einstieg 2024 und kurz vor dem angekündigten Werks-Ausstieg zum Saisonende - sei die Anpassung des restlichen Rennkalenders gewesen.

Alpine-Teamchef begründet Fahrer-Aufgebot mit Kalender-Änderung

Zum Hintergrund: Nach dem bevorstehenden 6-Stunden-Rennen in Fuji am Sonntag stehen zwei weitere Läufe in Barcelona und Monza bevor, die ebenfalls über die Dauer von 6 Stunden laufen. Die beiden Europa-Rennen ersetzen die geplanten Austragungen in Katar und Bahrain, die wegen des anhaltenden Nahost-Konfliktes abgesagt werden mussten. Jene Rennen wären über 10 Stunden (Katar) sowie 8 Stunden (Bahrain) gegangen und werden üblicherweise von allen Teams mit drei Fahrern pro Auto bestritten.

"Aus unserer Sicht ist bei einem Sechs-Stunden-Rennen das Format mit zwei Fahrern das beste", sagte Sinault in Fuji gegenüber dem Fachportal Sportscar365. "Bislang hatten wir das nicht in Betracht gezogen, weil wir uns auf die 24 Stunden von Le Mans vorbereitet haben und weil es mit Katar ein Zehn-Stunden-Rennen und mit Bahrain ein Acht-Stunden-Rennen gibt. Deshalb wollten wir nicht ständig zwischen zwei und drei Fahrern wechseln."

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Alpine fuhr in Fuji die Tagesbestzeit am Trainings-Freitag, Foto: IMAGO/PsnewZ

Neben Alpine setzen in Fuji auch Aston Martin und einer der beiden Jota-Cadillac auf Zwei-Fahrer-Gespanne. Das war lange im Voraus bekannt gewesen. Vorteil: Die Piloten müssen sich am Steuer seltener abwechseln und erhalten dadurch mehr individuelle Streckenzeit. Die während der Trainings eingesparten Cockpit-Wechsel bieten zudem mehr Zeit und Raum, um verschiedene Dinge auszuprobieren.

Der veränderte Kalender mit den beiden kürzeren Europa-Rennen zum Saisonabschluss sei nun der richtige Zeitpunkt gewesen, um aus Sicht von Alpine "das beste Format auszuprobieren und umzusetzen, um konkurrenzfähig zu sein und ein gutes Ergebnis zu erzielen", fügte Sinault an. Warum Alpine das vorangegangene Rennen in Austin, Texas Anfang September - ebenfalls ein 6-Stunden-Lauf - noch mit je drei Fahrern bestritt (und mit den Plätzen 3 und 5 das beste Saison-Ergebnis erzielte), ließ Sinault offen. Die Kalender-Änderung ist seit dem 28. Juli bekannt.

Entscheidung zu spät kommuniziert? Sinault wehrt sich gegen Vorwürfe

Der Teamchef wies ebenso den Vorwurf zurück, dass die Anpassung des Fahrer-Aufgebots kurzfristig entschieden worden sei. Darauf deutete ein Instagram-Post von Felix da Costa hin, der laut eigenen Angaben bereits den Flieger von Lissabon in Richtung Japan bestiegen hatte, dann von einer "Planänderung" sprach und später in einem schriftlichen Statement eine "strategische Entscheidung des Teams" kommunizierte.

Sinault argumentierte: "Wenn man eine solche Entscheidung trifft, ist es unmöglich, das im letzten Moment zu tun, weil man alles vorbereiten muss: das Team, die Abläufe und die gesamte Rennvorbereitung. Wir waren für das Rennen gut vorbereitet. Wir haben die Entscheidung gegenüber den Fahrern, dem Team und den Mechanikern zum richtigen Zeitpunkt kommuniziert, damit wir diese Option sauber umsetzen konnten."

Warum sind Felix da Costa und Makowiecki raus?

Stellt sich die Frage, warum die Wahl auf Neuzugang Antonio Felix da Costa und den Franzosen Makowiecki fiel, während in Fuji Ferdinand Habsburg/Charles Milesi und Victor Martins/Jules Gounon die beiden Alpine A424 pilotieren. Das habe keine persönlichen Gründe gehabt, versicherte Sinault, "sondern es ist eine Gesamtentscheidung. Wir berücksichtigen dabei viele verschiedene Faktoren. Vielleicht wird es in Barcelona anders sein".

Felix da Costa und Makowiecki seien weiterhin Teil des Teams und noch sei nicht entschieden, in welcher Konstellation Alpine bei den folgenden Rennen in Barcelona und Monza antreten werde. Französiche Medien hatten zu Beginn der Woche spekuliert, dass die beiden dieses Jahr nicht mehr an den Start gehen würden.

Zur Zukunft von Alpine und seinem eigenem Team Signatech, das die Renneinsätze durchführt, wollte sich Sinault nicht konkret äußern. Seit Monaten geistern Gerüchte über eine nächstjährige Übernahme durch den Geely-Konzern (unter anderem mit den Marken Volvo, Polestar und Lotus) durch die internationalen Medien. Die Gespräche über die Zukunft würden andauern, es gebe aber nichts Konkretes, so Sinault.

Auf die Frage, bis wann eine Entscheidung fallen müsse, antwortete er: "Der letztmögliche Termin für die Einschreibung ist der 26. November. Meine Aufgabe ist es, so früh wie möglich bereit zu sein. Wir hoffen so bald wie möglich auf gute Nachrichten und eine entsprechende Bekanntgabe."

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