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12h Bathurst 2018: Vollgas-Crash bringt Rennabbruch & Audi-Sieg

Heftiger Crash um Mercedes und Audi bei den 12 Stunden Bathurst 2018: Rennabbruch nach dem Unfall kurz vor Ende. Audi profitiert und siegt zum dritten Mal.
von Jonas Fehling
Heftiger Crash beendet 12h Bathurst 2018: (00:47 Min.)

Sieg für Audi bei den 12 Stunden von Bathurst 2018: Weil der Saisonauftakt der Intercontinental-GT-Challenge 2018 kurz vor Rennende nach einem heftigen Unfall abgebrochen wurde, profitierte die WRT-Audi-Truppe mit der Startnummer #37 und bescherte den Ingolstädtern ihren nach 2011 und 2012 insgesamt dritten Triumph auf dem Mount Panorama.

Für das belgische WRT-Team um den neuen DTM-Fahrer Audis und Ekström-Nachfolger Robin Frijns, den Briten Stuart Leonard und Dries Vanthoor aus Belgien war es sogar ein Premieren-Sieg bei dem Langstreckenklassiker. Der Erfolg bringt den Titelverteidiger der Fahrer- und Markenwertung Audi gleich zum Saisonstart wieder in die bestmögliche Ausgangsposition.

Bathurst 2018: Sieg-Audi zu Rennstart in Problemen

Dabei begann das Rennen für die am Ende strahlenden Sieger wie für den letztlich zweitplatzierten Mercedes #75 alles andere als ideal. "Sie haben zu Rennbeginn eine Runde verloren", schildert Chris Reinke, Leiter Audi Sport customer racing. Hintergrund war ein Problem mit dem Funk gewesen, das die strategischen Möglichkeiten in der Anfangsphase in Bathurst limitierte und die WRT-Crew zu einem Reparaturstopp nötigte.

Der Zeitverlust zahlte sich jedoch aus. Frijns, Leonard und Vanthoor vermochten nun voll aufzudrehen und lieferten eine starke Aufholjagd. Gebremst wurde diese jedoch erneut - durch eine Durchfahrtsstrafe wegen eines Vergehens unter gelber Flagge, was den Audianer kurzzeitig den Runden-Rückstand einhandelte. Doch abermals gelang das Comeback.

Dreikampf um Bathurst-Sieg: Audi vs. Mercedes vs. Porsche-Flotte

Im letzten Rennviertel hatte WRT sich sogar bis zurück in die Spitzengruppe gefightet, kämpfte mit dem Vorjahressieger, dem Sun Energy1-Mercedes-AMG GT3 #75, und einer ganzen Porsche-Armada um den Sieg. Mehrfach wechselte die Führung hin und her. Für die Entscheidung sorgte schließlich ein heftiger Crash des Supabarn-Audi #69 mit Ash Walsh und des Mercedes #19 mit John Martin wenige Minuten vor Rennende.

Zwei schwere Unfälle in Bathurst

Was war passiert? Der australische Privatpilot, gerade noch auf dem Weg zum Amateur-Klassensieg, verlor in Runde 270 durch einen Zwischenfall beim Überrunden die Kontrolle über seinen Audi R8 LMS und krachte in die Streckenbegrenzung, kam quer auf dem Kurs zum Stehen. Martin konnte nicht mehr ausweichen und erwischte mit seinem Mercedes bei vollem Speed seitlich das Heck des Audis: Trümmerfriedhof auf der Strecke! Immerhin verletzt hatte sich niemand, wie der Rennausrichter mitteilte.

Anders bei einem zweiten heftigen Unfall bei den 12 Stunden von Bathurst schon zuvor, bei dem sich Neuseeländer Andrew Bagnall schwer verletzte, mehrere Rippen und das Becken brach. Der Audi-Fahrer war in Runde bei McPhillamy Park in die Barrieren gerauscht:

Zweiter Crash rettet Audi den Sieg

Aber zurück zum rennentscheidenden Crash kurz vor Schluss: Der Unfall führte zunächst zur 16. Neutralisierung des Feldes per Safety Car, dann zum vollständigen Rennabbruch. Die Strecke war an der Unfallstelle aus Sicht der Rennleitung schlicht zu übersät von Trümmerteilen gewesen. Das Rennen wurde nicht mehr neu gestartet. Finish unter Rot also - das hatte es selbst in Bathurst zuvor noch nie gegeben.

Ein Geschenk für die zu diesem Zeitpunkt mit 1,5 Sekunden vor dem Mercedes #75 führende WRT-Truppe, hätte der Audi unter normalen Rennbedingungen wohl noch einmal nachtanken müssen und so alle Siegchancen eingebüßt. Einzig die Porsche 911 GT3 R hatten in der Schlussphase im Gegensatz zu den beiden vor ihnen liegenden Konkurrenten genug Sprit an Bord, um bis zum Rennende durchfahren zu können.

"Ohne den Rennabbruch wäre unsere Strategie aufgegangen und wir hätten bis zum Ende durchfahren können. Dann wäre auch ein Sieg möglich gewesen", so Porsche-Fahrer Kevin Estre. "Wir hatten den Speed, um am Ende ganz vorne zu sein, doch die rote Flagge hat uns leider einen Strich durch die Rechnung gemacht", meinte auch Matt Campbell vom Schwesterauto #12. Der Abbruch machte den Sprit-Vorteil also zunichte und es kam anders: Frijns/Vanthoor/Leonard siegten vor Whincup/Habul/Vautier/Mariecello und dem Porsche 911 GT3 R #540 des Teams Black Swan (Pappas/Bleekemolen/Lieb/Stolz).

Vanthoor: Seltsame Stimmung, aber Sieg ist Sieg

Dries Vanthoor zur kuriosen Entscheidung: "Es war eine seltsame Stimmung an der Box, aber ein Sieg ist ein Sieg." Frijns: "Im vergangenen Jahr hatten wir Pech, aber dieses Jahr sind wir stärker zurückgekommen."

"Herzlichen Glückwunsch an unsere Sieger und das Audi Sport Team WRT, die ein unglaubliches Rennen hingelegt haben", jubelt Reinke. "Nie aufgegeben, sich zurückgekämpft und einen verdienten Sieg eingefahren."

12h Bathurst 2018: Der Langstrecken-Klassiker in 3 Minuten: (03:12 Min.)

Bathurst-Rekord: 7 Teams in einer Runde

Hinter dem drittplatzierten Porsche folgten - nach einem schwachen Qualifying überraschend - unterdessen gleich drei weitere Zuffenhausener - alle noch innerhalb der Führungsrunde. Genauso der Mercedes #55 auf P7. Sieben Fahrzeuge also in einer Runde - auch das hatte es auf dem Mount Panorama so noch nicht gegeben.

Favoritensterben bei Audi & BMW

Chancen auf ein gutes Gesamtergebnis hatte sich eigentlich auch das Audi-Team MPC ausgerechnet. Van der Linde/Tander/Vervisch führten das Rennen auch zeitweilig an. Doch ein Mauerkontakt von Kelvin van der Linde erforderte den Tausch der hinteren linken Radaufhängung. Am Ende sah die Startnummer 22 das Ziel mit großem Rückstand.

Das Schwesterauto von Haase/Mies/Winkelhock kämpfte ebenfalls von Anfang an in der Spitzengruppe. Ab der fünften Rennstunde führte das deutsche Fahrertrio das Rennen je nach Boxenstoppsequenz immer wieder an. Eine gebrochene linke Antriebswelle zerstörte in der elften von zwölf Rennstunden jedoch alle Hoffnungen.

Ein völligen Reinfall erlebte BMW trotz Pole in Bathurst. Farfus/Mostert/Wittmann (#43) dominierten die ersten Runden des Klassikers zwar noch mit zeitweise einer Minute Vorsprung, doch wurde der Vorteil des auf der Strecke klar schnellsten BMW M6 GT3 immer wieder durch Safety Cars genullt.

Der M6 GT3 war in Bathurst das schnellste Auto - ohne Lohn - Foto: BMW

Eine Durchfahrtsstrafe - ebenfalls wegen eines Vergehens unter Gelb, weil Marco Wittmann noch vor dem Re-Start an Überrundeten vorbeigezogen war - und ein außerplanmäßiger Reifenservice brachten die Münchener jedoch auf die Verliererstraße. Ihr Schicksal besiegelte sich final durch einen Unfall Mosterts mit dem Craft-Bamboo-Porsche und dem Bentley #17 eingangs der Concord-Geraden.

"Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass ich auf einer so guten Position liegend den Unfall hatte. Das ist schwer zu schlucken", so Mostert. "Wir hatten das ganze Wochenende über ein schnelles Auto. Aber im Rennen fielen wir etwas zurück, und ich habe versucht, wieder Boden gutzumachen. Ich dachte, wenn ich an den Autos vor mir vorbeikomme, hätte ich freie Fahrt. Aber es hat nicht funktioniert. Ich habe etwas riskiert, versucht, von Überrundungen zu profitieren, und am Ende war da einfach nicht genug Platz für drei Autos. Es tut mir leid für das BMW Team Schnitzer, für BMW Motorsport und für meine tollen Teamkollegen Augusto und Marco."

Die Teamkollegen nehmen es Mostert nicht übel. Farfus: "Es ist schade, denn wir hatten ein schnelles und konkurrenzfähiges Paket, aber gehen mit leeren Händen nach Hause. Doch das gehört dazu. Insgesamt war es ein Vergnügen und eine Ehre für mich, hier dabei zu sein." Wittmann lobt sogar das Kämpferherz seines Kollegen: "Chaz hat es versucht – manchmal klappt es, und manchmal eben nicht. Aber er hat es wenigstens versucht. Es ist natürlich schade, denn wir hatten das Podium immer noch im Visier – oder vielleicht sogar den Sieg. Es waren noch über zwei Stunden zu fahren. Doch das ist Racing, und so etwas kann passieren."

Für das Schwesterauto mit Glock, Eng und Richard reichte es nach der bitteren Disqualifikation im Qualifiying nach einer sauberen Aufholjagd lediglich noch zu Platz neun - immerhin Top-10 nach dem Horror kurz zuvor.

"Für uns war es eine große Herausforderung, das Auto von ganz hinten unbeschadet durch den Verkehr zu bringen. Das ist mir gut gelungen, und wir waren nach dem ersten Stint schon in den Top-10. Steve, Philipp und das ganze Team haben einen fehlerfreien Job gemacht. Die Strategie war hervorragend, und wir haben das Auto ohne Kratzer ins Ziel gebracht", sagt Glock.

Top-10 der 12 Stunden von Bathurst 2018

1. Frijns/Leonard/D. Vanthoor (NL/GB/B), Audi R8, 271 Runden
2. Habul/Vautier/Whincup/Marciello (AUS/F/AUS/I), Mercedes GT3, 271
3. Pappas/Lieb/Bleekemolen/Stolz (USA/D/NL/D), Porsche 911 GT3 R, 271
4. Long/Campbell/Calvert-Jones/Davison (USA/AUS/AUS/AUS), Porsche 911 GT3 R, 271
5. Bamber/Estre/Vanthoor (NZ/F/B), Porsche 911 GT3 R, 271
6. Dumas/Werner/Makowiecki (F/D/F), Porsche 911 GT3 R, 271
7. Leventis/Williamson/Waters/Fumaneli (GB/GB/AUS/I), Mercedes GT3, 271
8. Manolios/Millier/Capelli/Canto (AUS/AUS/I/I), Lamborghini, 270
9. Richards/Glock/Eng (NZ/D/A), BMW M6, 270
10. Koundoris/KoundorisWalsh/Padayachee (AUS/AUS/AUS/GB), Audi R8, 269


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