Kurioses Rennen, kurioses Ergebnis - aber viel Frust bei den Hauptdarstellern: Das erste Rennen der britischen Formel-3-Meisterschaft hatte viel zu bieten - für die Meisterschaftskandidaten aber allesamt nichts Gutes: Für Bruno Senna zum Beispiel erfüllte sich sein Wunsch nach Regen nicht - eine Stunde vor dem Start hatte es aufgehört, so dass alle schon auf Slicks antraten. Aber trotz eines fast unfahrbaren Autos machte der Brasilianer immerhin noch zwei Punkte gegenüber seinen Rivalen um den Vizemeistertitel, Oliver Jarvis und Maro Engel, gut - was auch ins Bild des allgemeinen Chaos passte.
Für die beiden Carlin-Teamkollegen war das Rennen nämlich schon in der ersten Kurve zu Ende: "Mit vier Autos nebeneinander war da wohl kein Platz", stellte Engel nachher trocken fest. "Ich hatte aus der vierten Position eigentlich den besten Start von allen. Aber weil Bakkerund und Conway links an Jarvis vorbei wollten, musste ich es rechts versuchen." Schon in der Bergaufpassage gab es dabei eine leichte Feindberührung mit Pole-Mann Jarvis, der danach mit Aufhängungsbruch ausschied. "Ich hatte meine Lenkung ganz gerade, als ich plötzlich einen leichten Schlag gespürt habe", meinte Maro, "er behauptet zwar, ich sei ihm rein gefahren, aber das sehe ich nicht so. Aber das wäre eigentlich noch gar nicht das Problem gewesen. Nur oben beim Anbremsen, als es eigentlich nur noch zwischen mir und Bakkerud um die Führung ging und ich auch schon ganz leicht vorne war, war ich halt leider auf der nassen Spur - und habe mich dann gedreht und bin auch noch im Kiesbett stecken geblieben. Wenn es schief geht, dann geht es gleich richtig schief."
Speziell Mugello scheint Engel kein Glück zu bringen, obwohl er die Strecke eigentlich mag: "Das war hier letztes Jahr in der italienischen Formel 3000 so, mit einem Fehler des Teams und dann einem Unfall. Dann heute vor allem die Enttäuschung im zweiten Qualifying, als es auch einige technische Probleme gab, weswegen ich da so langsam war. Und jetzt das. Es wird Zeit, das jetzt morgen mal zu ändern."
Bruno Senna war durch das ganze Durcheinander, bei dem auch der Meisterschaftsführende Mike Conway zunächst weit zurückfiel, gleich bis auf Platz sieben nach vorne gekommen. "Ich dachte schon, na gut, das könnten wenigstens ein paar Punkte werden, so Platz fünf oder so. Aber dann haben die Hinterreifen unglaublich schnell abgebaut, ich hatte überhaupt keinen Grip. Das Auto war eigentlich völlig unfahrbar, ich hatte Mühe, es überhaupt auf der Straße zu halten. Ich bin zwar mit alten Reifen losgefahren, damit ich morgen, wenn ich vorne stehe, noch neue hätte, falls es wieder trocken sein sollte. Aber das kann eigentlich nicht allein der Grund sein. Ich war ja am Ende froh, als ich vorne Graining bekam, dadurch war die Balance dann wieder etwas ausgeglichener. Aber irgendetwas stimmt da nicht..."
Als Klassen-Neunter holte er zwar noch zwei Punkte, "aber dass da selbst ein B-Auto noch vor mir rumfährt, das ist doch ein schlechter Witz!" Der Sieg ging schließlich an den Dänen Christian Bakkerud, der nach drei sieglosen Jahren endlich sein erstes Autorennen überhaupt gewann - zuvor hatte er nur im Kart ganz oben gestanden. Zweiter und Dritter wurden mit dem Briten Stephen Jelley und dem Brasilianer Alberto Valerio ebenfalls recht neue Gesichter auf dem Siegerpodest. Mike Conway holte sich nach einer Aufholjagd als Sechster noch sechs Punkte und braucht morgen nur noch drei Zähler mehr als Oliver Jarvis, um bereits vier Rennen vor Saisonende als Meister festzustehen: "Insofern war das schon Schadensbegrenzung - aber trotzdem ist das frustrierend, wenn so was in der ersten Ecke passiert. Erst haben mich Bakkerud und Jarvis in die Zange genommen, und dann hat sich auch noch Maro genau vor mir gedreht - was sollte ich machen?"

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