Ich hatte ja einen absoluten Traumstart in die britische Formel-3-Saison, mit drei Siegen in den ersten vier Rennen. Und davor habe ich bei meinem Gaststart in Australien ja auch drei von vier Rennen gewonnen. Das war alles viel mehr, als ich mir vorher hätte träumen lassen. Da war das letzte Rennwochenende in Pau schon eine gewisse Enttäuschung, als ich nur einmal Siebter und einmal Achter wurde. Aber was mich tröstet, ist, dass es nicht daran lag, dass ich zu langsam gewesen wäre oder viele eigene Fehler gemacht hätte.
Es war halt einfach eine Menge Pech dabei: Was will ich machen, wenn ich im Qualifying für den zweiten Lauf zweimal auf meiner schnellsten Runde eine rote Flagge bekomme, weil wieder irgendwer in der Mauer gelandet ist? Und wenn man auf einem Stadtkurs wie in Pau weit hinten steht, dann ist bei unseren kurzen Rennen ohne Boxenstopps einfach nicht mehr viel zu machen. Von meinem Superstart, bei dem ich gleich zwei oder drei Autos überholt habe, hatte ich dann auch nichts, weil es dann hinter mir so krachte, dass sofort abgebrochen wurde, und es einen Neustart gab. Der gelang mir dann zwar auch ganz gut - aber eben nicht so fantastisch wie der erste. Bis an meinen Teamkollegen Stephen Jelley konnte ich mich noch rankämpfen, aber dann war Endstation, obwohl ich sicher eine Sekunde pro Runde schneller war als er. Aber wenn auf so einer Strecke jemand konsequent die Tür zuschmeißt und keinen Fehler macht, geht eben nichts. Zumindest nicht, ohne zu riskieren, dass wir beide abfliegen.
Lernen, lernen, lernen!
Im ersten Rennen, wo ich normalerweise durchaus zumindest Dritter hätte werden können, war das Glück ja auch schon nicht auf meiner Seite: Da hatte ich gleich in der ersten Runde einen Reifenschaden, weil ein Ventil defekt war, musste mich nach dem Boxenstopp als 20. wieder einreihen. Aber wenigstens konnte ich danach noch ein paar Autos überholen. Das hat richtig Spaß gemacht, vor allem, weil ja alle vorher gesagt haben, in Pau könne man nicht überholen. Und insgesamt habe ich aus dem ganzen Wochenende wieder sehr viel gelernt, was für mich ja das Allerwichtigste ist. Denn mein größter Nachteil gegenüber meinen Konkurrenten ist immer noch meine geringe Erfahrung. Schließlich fahre ich gerade mal in meiner zweiten kompletten Rennsaison. Da gibt es nur eines: lernen, lernen, lernen!
Leider hat mich dieses Lernen in Pau einige Punkte gekostet, während mein Teamkollege Mike Conway einen perfekten Job gemacht, zweimal gewonnen und mir dadurch zwar erst einmal die Führung in der Meisterschaft abgejagt hat. Aber die sieben Punkte Rückstand sind noch nicht die Welt. In den nächsten Rennen will ich das wieder umdrehen - am besten schon gleich am 25. Juni in Mondello Park. Das ist eine Strecke in Irland, auch ziemlich winkelig, mit langsamen Kurven - aber wenigstens nicht ganz so kurz und eng wie Pau. Soviel Ärger mit Verkehr und ständigen Abbrüchen im Qualifying sollte es also schon mal nicht geben. Mein Lieblingskurs ist es aber nicht gerade - ich finde es eigentlich ein bisschen lächerlich, wenn es auf einer Strecke nicht eine einzige Stelle gibt, wo man mit dem Formel-3-Auto mal auf Tempo 250 kommt und fast alles nur aus langsamen Ecken besteht.
Schnelle Kurse sind meine Welt
Letztes Jahr kam ich dort auch nicht gut zurecht - aber da hatten wir auch massive Probleme mit dem Auto, mit der Aufhängung. Im Winter beim Testen ging es dann aber gut - da war ich Schnellster. Dass ich eine Strecke nicht besonders mag, heißt ja noch lange nicht, dass ich dort nicht gut sein könnte. Das Auto sollte dort gut sein - das war es an sich ja auch in Pau. Und was dort funktioniert, funktioniert normalerweise auch in Mondello Park. Aber ich muss schon zugeben: Schnelle Kurse mit schnellen Kurven - das ist viel eher meine Welt. Ich freue mich deshalb jetzt schon auf Spa, wo wir am 30. Juli sein werden und dann zwei Wochen danach auf Silverstone - da kann ich dann hoffentlich meine Stärken richtig ausspielen, auch gegenüber Mike.
Viele fragen mich ja schon jetzt dauernd, wie es bei mir in Zukunft weitergehen wird. Ich höre was von GP2 hier, Formel-1-Tests da - aber das sind alles nur Spekulationen, die irgendwer in die Welt gesetzt hat. Ich selbst beschäftige mich da im Moment noch gar nicht damit. Ich will mich erst einmal darauf konzentrieren, in dieser Saison einen guten Job in der Formel 3 zu machen, natürlich möglichst den Titel zu holen. Gerade in dieser Hinsicht hat sich nach den ersten Siegen schon ein bisschen was geändert: Vor der Saison habe ich nicht so unbedingt an den Titel gedacht, eher an gute Einzelergebnisse...
Noch kein Gedanke an die F1
Aber jetzt, wo ich gesehen habe, dass es möglich wäre, gehe ich manchmal schon mit einer etwas anderen Einstellung ran. Da heißt es dann eben an einem Wochenende, wo es nicht so gut läuft, vor allem noch irgendwie Punkte mitzunehmen und nicht mit Gewaltaktionen zu viel zu riskieren. Immerhin habe ich jetzt schon mehr Punkte auf meinem Konto als im letzten Jahr in der ganzen Saison.
Wenn ich eine gute Saison abliefere, dann werden sich am Ende die Möglichkeiten für 2007 von ganz allein ergeben, da bin ich mir relativ sicher. Ob das dann GP2, Renault World Series, noch einmal F3 oder vielleicht auch mal einen Formel-1-Test heißt, wird sich zeigen. Nur eines weiß ich ganz bestimmt: Schon 2007 in der Formel 1 Rennen zu fahren, davon träume ich nicht einmal und das will ich auch auf keinen Fall. Das wäre viel zu früh. Ich will ja nicht nur in die Formel 1 kommen, um dort dann irgendwie dabei zu sein. Ich will mittelfristig in die Formel 1, um dort dann auch zu gewinnen und Weltmeister zu werden. Und dafür muss ich die entsprechende Erfahrung und Vorbereitung haben. Aber das ist, wie gesagt, Zukunftsmusik. Jetzt konzentriere ich mich erstmal auf das nächste Rennen - ich hoffe, ihr drückt mir alle die Daumen, so dass ich dann beim nächsten Mal wieder über einen Sieg berichten kann.

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